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Umschlagbild der Nrn.1 der Erstausgabe 1936

Umschlagbild der Nrn.1 der Nachkriegsausgabe
1949 |
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Über Paul Alfred
Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)
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Titelverzeichnis
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Musterseiten Band 1, Seiten 14/15 und 20/21
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1 | > Band 2 |
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Band
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Band 12 |
Paul Alfred Müller
(= Lok Myler / Freder van Holk)
JAN MAYEN
Neuausgabe der erstmals von 1936–1938 erschienenen Romanheftserie im
Neusatz in 12 Bänden
Broschüren, je 313–332
Seiten, mit Vorbemerkungen und mehreren Abbildungen
Die Neuausgabe enthält die ungekürzten Texte der
von 1936–1928 von Paul Alfred Müller unter dem Pseudonym Lok Myler
verfassten und im Leipziger Verlag A. Bergmann mit einem Umfang von je 48
Seiten (Format ca. 12,0 x 17,0 cm) erschienenen Romanheftserie Jan Mayen
(Hefte 1–10 in der Fassung der 1949/50 im Utopia-Verlag, Backnang, unter dem
Pseudonym Freder van Holk mit einem Umfang von 32 Seiten im Format ca. 14,8
c 20,8 cm erschienenen Neuausgabe; = Text „letzter Hand“ zu Lebzeiten des
Verfassers). Die Titel der Hefte sind aus dem
Titelverzeichnis weiter unten ersichtlich, wobei die ursprünglichen
Titel der Vorkriegsausgabe in eckigen Klammern aufgeführt werden.
Der Text ist der ab 1996 geltenden neuen
Rechtschreibung angepasst worden, ansonsten aber unverändert geblieben;
lediglich offensichtliche Rechtschreibfehler sind berichtigt worden, soweit
sie nicht (z. B. mundartlich bedingt) als beabsichtigt erscheinen.
Die Abbildungen auf den Heftumschlägen wurden laut Impressum für die Hefte
1–37 von ‚W. Hahn“, ab Nr. 38 von „W. Rosch“ gezeichnet. Der Kunstmaler
Walter Rosch (* Leipzig 3. 7. 1900, † Löfflingen 25. 1. 1975), der nach 1945
in Nürnberg Glasfenster für die katholische Kirche und für große Gebäude, z.
B. für Banken, entworfen hat, zeichnete ab 1952 etwa 15 Jahre lang
politische Karikaturen für die RHEINISCHE POST und illustrierte für den
Rowohlt-Taschenbuchverlag u. a. Umschlagbilder zu den Lene-Voigt-Ausgaben
Säk’sche Glassigger und Säk’sche Balladen. An dieser Stelle bedanken sich
die Herausgeber bei Frau Regina Berchem geb. Rosch, der Tochter des
Künstlers, herzlich für die freundliche Abdruckerlaubnis der im vorliegenden
Band wiedergegebenen Abbildungen.
Musterseiten Band 1, Seiten 14/15 und 20/21:


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Band 1
(Hefte 1–10,
317 Seiten, 23 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-42-0
Inhalt: Ruf in die Welt | St. Louis,
hauptpostlagernd | Bandit am Wege | Die Spur des Goldes | Das gleißende Band
| Die Reiherprinzessin | Flucht auf dem Hyazinthenfluss | Das verhexte Haus
| Spur im Norden | Zwischen Gesetz und TodVor 1945 waren utopisch-phantastische
Romanheftserien in Deutschland eine Rarität; Detektiv- und Wildwest-Reihen
beherrschten die Szene. Da er hier wohl eine Marktlücke vermutete, startete
der Bergmann-Verlag, kurz bevor die schon erwähnte Sun-Koh-Serie
auslief, zusammen mit seinem Autor Paul Alfred Müller, wieder unter dem
Pseudonym Lok Myler, sofort eine ähnlich konzipierte Heftreihe, Jan Mayen,
die vom Verlag jeweils auf der hinteren Umschlagseite wie folgt recht
schwülstig umschrieben wurde:
Licht und schlank, stählern hart und voll
geschmeidiger Kraft, reich im Wissen und zäh im Wollen, unbändige Sehnsucht
in den hellen Augen – so verläßt Jan Mayen die nebelumhüllte Insel im
eisigen Nordmeer, auf der er Kindheit und Jugend verlebte. Seinen Vater will
er finden – den stillen Gelehrten, der wegen seiner phantastischen Ideen
geschmäht und verlacht wurde, den bekannten Millionär, der zu den Reichsten
Amerikas gehört, den Verschwundenen, der irgendwo in der Einsamkeit
unerhörte Pläne verwirklichen soll. Und zugleich will er seine Lebensaufgabe
finden, für die er unter außergewöhnlichen Umständen vorbereitet und erzogen
wurde. – Jan Mayen beginnt seinen Weg durch die Welt, den er sich bald gegen
Feinde, Widerstände und Schwierigkeiten in immer neuen Abenteuern erkämpfen
muß. Geheimnisvolle, dunkle Zusammenhänge umfassen ihn, aber er löst Schritt
für Schritt die Rätsel bis er die gewaltigste und phantastischste aller
Aufgaben klar umrissen vor sich sieht: das sagenhafte Wunschland Thule aus
der Starre des ewigen Eises zu lösen.
Paul Alfred Müllers Sun Koh – Der Erbe von
Atlantis fiel zwar schon in die Kategorie der utopisch-phantastischen
Reihen, aber erst die Nachfolgeserie Jan Mayen kann als vorrangig
utopische Serie bezeichnet werden. In diesen insgesamt 120 Heften
thematisierte der Autor alles, was er bisher an visionären Ideen gesammelt
hatte: Es wird davon berichtet, dass einst die Sonne über Thule aufgehen
wird, seine Helden haben sogar bereits das Problem der Atomzertrümmerung
durch Aufhebung der Schwerkraft gelöst. Hier treten schon Zukunftsvisionen
wie Hitzestrahler, Strahlen, die Amnesie hervorrufen, künstlicher
Riesenwuchs, Golderzeugung durch Atomzertrümmerung, künstliche Träume und
als Krönung ein Flug zum Mond auf, von den Riesen aus dem Weltraum oder
einer Reise in die Urwelt ganz zu schweigen.
Der Verfasser nahm für seine Reihe die von Professor
Hermann Oberth (1894–1989) schon 1923 konzipierte und noch 1978 vertretene
Idee eines stationären Weltraumspiegels auf und machte sie zum Mittelpunkt
des Geschehens. Der Protagonist soll im Schlussband mit Hilfe des
Weltraumspiegels Grönland in Grünland verwandeln und damit die Sonne über
Thule (Heft 120) aufgehen lassen.
Aber obwohl Jan Mayen in Bezug auf den technisch-visionären Gehalt
sowie vom Innovationsreichtum her der Sun-Koh-Serie weit überlegen
war, konnte der neue Held, dessen Name in Heft 1 von der arktischen Insel
gleichen Namens hergeleitet wird, Charisma, Anziehungskraft und Faszination
des bronzehäutigen „Erben von Atlantis“ nicht erreichen. Es fehlte jenes
Gefühl des „Sense of Wonder“, der Hintergrund der so viele erzählerische
Möglichkeiten bietenden Atlantistheorie
In den ersten zehn Heften werden die
Hauptpersonen der Handlung vorgestellt und wird der Handlungsrahmen
angerissen. Die Geschichten handeln von der Suche des Helden nach seinem
Vater und von der Jagd nach seiner entführten „Dulcinea“ Ursula van Thiel.
Die in den Heften 6 (Die Reiherprinzessin) und 7 (Flucht auf dem
Hyazinthenfluß) verwendete der Autor unter dem Pseudonym Rolf Hermes 25
Jahre später übrigens nochmals in dem Leihbuch Die Reiherjäger.
Ebenso wie es für Sun Koh nach 1945 eine
Renaissance gegeben hatte gab es auch für Jan Mayen eine
Wiedergeburt, wenn auch mit kürzerer Lebensdauer:
Unter dem Serientitel Jan Mayen – Der Herr der
Atomkraft unter gleichzeitiger Bezeichnung Utopia Zukunftsromane auf dem
Heftumschlag tauchte Müllers Held in der Zeit von Dezember 1949 und April
1950 noch einmal auf. Der Utopia-Verlag in Backnang (Inhaber Edward R.
Schätz) brachte in diesem Zeitraum zehn Ausgaben unter dem neuen Pseudonym
Freder van Holk in den Handel. Mit der Nr. 10 (Strahlen aus dem All)
stellte das Unternehmen die Herausgabe allerdings bereits wieder ein. Auch
die vollmundige Eigenwerbung jeweils auf S. 36 der Hefte konnte hieran
nichts ändern:
Jan Mayen[,] DER HERR DER ATOMKRAFT, ist ein
Deutschamerikaner, den sein Vater auf der gleichnamigen Insel im Nordmeer
erziehen ließ, um ihn für eine besondere Aufgabe vorzubereiten. Er soll das
Eis Grönlands mit Hilfe einer künstlichen Spiegelsonne auftauen und dieses
Land, welches wahrscheinlich mit dem sagenhafte Thule identisch ist, so
einer Besiedlung zugänglich machen.
Jan Mayen ist ein Mann, den die Natur mit allen Geistes- und Körperkräften
reichlich ausgestattet hat. Wie er nun sein Vorhaben in die Tat umsetzt, das
schildern die hundertzwanzig phantastischen Zukunftsromane dieser
Heftchenreihe. Die Handlung spielt in Tagen, die der Jetztzeit um einige
Jahre vorausliegen. Atomraketen, künstliche Monde, willkürliche
Beeinflussung des Wetters, Übersprengstoffe, Gedankensender,
Energiestrahler, künstliches Gold, die Tarnkappe, Todesstrahlen,
Tiefseetaucher, Aufhebung der Schwerkraft, Weltraumstationen, künstliche
Spiegelsonnen, unsichtbares Feuer, Umlenkung des Golfstromes,
Wachstumsbeeinflussung und unzählige andere Probleme werden von Jan Mayen
und seiner Erfinderorganisation gelöst. Dabei handelt es sich bei diesen
Schilderungen nicht um törichte Voraussagen, die einen echten Techniker oder
Wissenschaftler ärgerlich machen müssen, sondern um Prophezeiungen, die
jeder Kritik standhalten.
Der Autor dieser Heftchenreihe hat alle seine Voraussagen bereits in den
Jahren 1935–1938 gemacht und Sie werden überrascht sein, wie viele seiner
„Erfindungen“ heute bereits verwirklicht sind.
Erleben Sie nun in dieser Reihe zusammen mit Jan Mayen dessen unzählige
Abenteuer mit verrückten Genies, geldgierigen Desperados, verschrobenen
Sonderlingen und machthungrigen Politikern in allen Teilen der Welt! Jedes
Heft ist ein in sich abgeschlossener Roman, aber wir sind überzeugt, daß Sie
alle 120 Hefte der Reihe lesen werden, wenn Sie einmal ein einziges in die
Hand bekommen. Es ist völlig unmöglich, die Abenteuer Jan Mayens zu
vergessen und es ist ausgeschlossen, daß Sie sich nicht bereits auf das
nächste Heft freuen, wenn Sie diese Serie begonnen haben!
Jan Mayen unterhält Sie nicht nur, er bildet Sie auch in den Problemen der
modernen und zukünftigen Technik unmerklich und auf angenehme Weise weiter.
Die Jan Mayen-Serie ist die beste Heftserie, die es derzeit in Deutschland
gibt. Lesen Sie eines der Hefte und Sie werden alle lesen!
Inwieweit der offenbar unbefriedigende Erfolg
auf die wenig attraktive Umschlaggestaltung durch das Werbeatelier Oecker in
Backnang zurückzuführen ist, kann nicht mehr ermittelt werden, aber
vielversprechend waren die schwarz-weiß-roten Titelbilder auf keinen Fall.
Die Texte waren gegenüber der Vorkriegsausgabe
sprachlich, insbesondere von Gedankengut der damaligen Zeit („Arische Rasse“
usw.), „gereinigt“ und die Titel größtenteils geändert worden: Aus Ruf in
die Welt (Nr. 1, 1936) wurde Am Ende der Welt, aus Zwischen
Gesetz und Tod (Nr. 10, 1936) Strahlen aus dem All. Lediglich die
Hefte 4 und 5 blieben titelmäßig unverändert. Die auf der Rückseite der
Heftumschläge angekündigten (aber nicht erschienenen) 110 weiteren Titel
waren gegenüber der Vorkriegsausgabe überwiegend ebenfalls verändert worden.
Diese zehn Nachkriegs-Ausgaben sind heute bedeutend seltener und damit auch
teurer als die Originale der dreißiger Jahre.
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Band 2 (Hefte
11–20, 313 Seiten, 12 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-43-7
Inhalt: Der blendende Strahl
| Dreitausend Stundenkilometer | Der gestohlene Sattel | Der singende Pat |
Der Mondnarr | Das Haus der tausend Wunder | Die diamantene Sonne | Der
ewige Magnet | Die Wunderkugel | Der Traumhut
In Band 2 breitete Paul Alfred Müller schon
1936 unter dem Pseudonym „Lok Myler“ so visionäre Ideen wie schwebende
Raketen, Ultrakurzstrahlen, Elektrizitätsspeicherung mittels Magneten,
futuristische Flugzeuge und künstliche Träume vor seinen Lesern aus. Der
Aktionsradius reicht von Nord- und Mittelamerika über Indien und den
Vorderen Orient bis nach Europa und wieder nach Südamerika.
Es gab in den 1930er Jahren außer den Serien SUN KOH
und JAN MAYEN keine vergleichbare Romanheftreihe, die derart breit gefächert
auf die Vermittlung technischer Ideen im Heftgewand setzte. Lediglich die
Heftreihe JOHN KLINGS ERINNERUNGEN des Leipziger Dietsch-Verlages
(1931–1939) wartete sporadisch mit einschlägigen Zukunftsvisionen auf:
Das Orchester der Unsichtbaren, Die Wundermaschine, Der Schuß zum Mond
u. ä.
Auf den Fundus an Innovationen, der der JAN-MAYEN-Serie zugrunde lag, griff
P. A. Müller in den späteren Jahren immer wieder zurück: Die
JAN-MAYEN-Abenteuer Der gestohlene Sattel (Nr. 13) und Der
singende Pat (Nr. 14) verarbeitete der Autor z. B. zusammen mit drei
weiteren JAN-MAYEN-Abenteuern aus dem höheren Nummernbereich 1960 zu dem
SUN-KOH-Buch Nr. 35 (Der singende Gaucho) des Borgsmüller-Verlages,
Münster.
Dass Paul Alfred Müller sich Anregungen für seine
SUN-KOH-Heftserie von Robert Kraft (1869–1916), insbesondere aus dessen
Lieferungsroman Atalanta. Die Geheimnisse des Sklavensees (Dresden:
Dresdner Roman-Verlag, 1911) holte, ist allgemein bekannt. Aber auch bei JAN
MAYEN sind derartige Anleihen festzustellen:
In Das Haus der tausend Wunder (Nr. 16) bewegt sich der Held in einem
Haus, das über eine sehr große Anzahl von Räumen zu verfügen scheint; später
stellt sich heraus, dass diese Illusion durch einen technischen Trick
hervorgerufen worden ist.
In der uns vorliegenden Atalanta-Ausgabe des
Verlagshauses Freya, Heidenau-Nord, aus dem Jahre 1922 (S. 1545) erklärt
Littlelu dem Leutnant Torres das „Haus mit den zehntausend Zimmern“. Auch
hier werden die Illusionen mit Hilfe technischer Mittel erzeugt.
Zu einer Zeit, in der in Deutschland Wissenschaftler
sich mit der Atomkraft gerade erst zu beschäftigen begannen, hatte Müller in
seiner Erzählung Die Wunderkugel (Nr. 19) bereits vor den Gefahren
atomarer Katastrophen gewarnt, sprach hier von einem glühenden Flammenmeer,
Kraterbildung und der Vernichtung ganzer Stadtteile.
Die letzte Folge dieses Bandes, Der Traumhut (Nr. 20), hat der Autor
24 Jahre später in den Roman Die tödlichen Träume (STEVE-CORELL-Buchreihe
des Borgsmüller-Verlages, Münster, 1960) eingearbeitet. In diesem Fall
übernahm er sogar die Figur des Erfinders (Professor Sporli) aus der
Heftausgabe in die Buchfassung.
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Band 3 (Hefte 21–30, 317 Seiten, 12 Abb.) — 22,50 €
— ISBN 978-3-940679-44-4
Inhalt: Durchbruch in
Maracaybo | Hölle und Paradies | Das Tal des Vergessens | Schuß aus dem
Dunkel | Vorhof der Unterwelt | Das brennende Ziel | Das gefährliche Auge |
Zehn Jahre später | Der Indianerjäger | Der Rächer
In diesem Band durchstreift der jugendliche
Held den amerikanischen Kontinent und verweilt auf Stippvisiten in
Venezuela, Honduras und Brasilien. P. A. Müller stellt in diesen Erzählungen
so utopische Wunschträume vor wie das mit Atomenergie angetriebene
Luftschiff oder den Kathodenzerstäuber, der beliebige Stoffe dauerhaft mit
Goldstaub überziehen kann. Der Atomantrieb hätte dem realen Luftschiff
„Hindenburg“ gut getan; es wäre dann wohl nicht am 6. Mai 1937 in Lakehurst
explodiert.
In unseren Tagen können Hausbesitzer mit Infrarot-Geräten „durch die Wände
sehen“ und feststellen, ob die Wärmeisolierung zufriedenstellend ist. Der
Autor Müller alias Lok Myler fabulierte bereits 1936 von Geräten, mit denen
man durch die Wand sehen konnte.
Und auch in diesem Zyklus beschäftigt sich Müller mit
den Gefahren, die die Atomforschung mit sich bringt; erneut malt er das
Menetekel eines Atombrandes aus, berichtet von Kraterbildung und
glasig-geschmolzenen Wänden.
Wie auch schon zu Band 2 dieser JAN-MAYEN-Gesamtausgabe
ist auch hier festzustellen, dass der Verfasser dieser Heftserie sie später
quasi als „Steinbruch“ für seine Buchausgaben benutzte: Die Heftfolgen
Durchbruch in Maracaybo (Nr. 21), Hölle und Paradies (Nr. 22),
Das Tal des Vergessens (Nr. 23), Vorhof der Unterwelt (Nr. 25)
und Zwischen den Gängen (Nr. 36) verarbeitete er 1960 für die
SUN-KOH-Leihbuchausgabe des Borgsmüller-Verlages in Münster zum Roman Vorhof
der Unterwelt (Band 32). Aber auch in SUN-KOH-Leibuch Band 35 (Der
singende Gaucho) hat der Autor JAN-MAYEN-Abenteuer integriert. In diesem
Fall waren es die Hefte Zehn Jahre später (Nr. 28), Der
Indianerjäger (Nr. 29) und Der Rächer (Nr. 30).
Dass Paul Alfred Müller gern auf Robert Kraft als
Ideengeber zurückgriff, wurde schon in den Vorbemerkungen zu Band 2 erwähnt;
dass er aber auch in den 1930er Jahren immer „auf der Höhe der Zeit“ war,
verrät folgendes Detail: Im Jahre 1931 veröffentlichte Walter Kabel
(1878–1935) in seiner Taschenbuchreihe ABSEITS VOM ALLTAGSWEGE unter dem
Pseudonym Max Schraut als Nr. 26 die Erzählung An den Feuern der
Ewigkeit. In diesem Abenteuer erforschen die Helden eine Höhle an der
Südgrenze Mexikos und stoßen im Erdinneren auf Riesenkäfer, urzeitliche
Krokodile und Riesenmaulwürfe.
Auch Müllers Protagonisten in JAN MAYEN begeben sich in
den hier vorgelegten Erzählungen auf eine Expedition ins Erdinnere, in
diesem Falle in die Höhlenwelt von Honduras. Sie treffen dort auf
urzeitliche Tiere wie riesige Molche, grandiose Fledermäuse und –
Riesenmaulwürfe!
Ehe man die Duplizität der Ereignisse kritisiert,
sollte man allerdings bedenken, dass ja auch schon Walter Kabel diese Idee
von Jules Verne aus dessen Reise zum Mittelpunkt der Erde (OA
Voyage au centre de la terre, Paris: Hetzel, 1864; dt.
Wien/Pest/Leipzig: Hartleben, 1873) übernommen hatte …
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Band 4
(Hefte 31–40, 313 Seiten, 13 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-48-2
Inhalt: Die rettende Kraft |
Der grüne Drachen | Kameraden der Zukunft | Die wächsernen Wächter | Der
gestohlene Platz | Zwischen den Gängen | Drei Messer | Das stählerne Gehirn
| Die steinerne Ellipse | Das Schiff der Gläubigen
In einer Zeit, in der für die „arbeitende
Bevölkerung“ Urlaub oft noch ein Fremdwort war und Fernreisen zu den
Wunschträumen gehörten, bot Paul Alfred Müller alias „Lok Myler“ seinen
überwiegend noch im jugendlichen Alter befindlichen Lesern eine große
Bandbreite an „Traumreisen“. Zusammen mit der jungen Identifikationsfigur
konnten sie so wenigstens im Geiste reisen und ihre Sehnsucht nach
Abenteuern in fernen Ländern befriedigen. In den vorliegenden zehn
JAN-MAYEN-Abenteuern kämpft und siegt der Protagonist in Brasilien, Kanada,
den USA, Island, Deutschland, Großbritannien, Süd- und Zentralafrika und im
Indischen Ozean.
Die Entwicklung der Handlung bekommt gleich im ersten Band dieser
Zusammenstellung einen entscheidenden Impuls: Der Held übernimmt von seinem
erkrankten Vater die Verantwortung für das utopische Projekt der
Grönland-Enteisung mittels eines Weltraumspiegels.
Wenn dem Serienhelden Jan Mayen auch die mythologische Überhöhung fehlt, die
der Autor seinem Maya-Spross Sun Koh angedeihen ließ, so ist diese
Nachfolgereihe aus dem Blickwinkel der Innovationen, wie schon mehrmals
erwähnt, bedeutend inhaltsreicher. In den vorliegenden Folgen hebt der
Verfasser beispielsweise mit dem hier eingeführten Metall „Dietan“ die
Erdanziehung auf, er beschreibt eine Strahlenwaffe, die Materie zu Staub
zerfallen lässt, und ein Infrarot-Sichtgerät; man bewegt sich in automatisch
oder ferngesteuerten Flugzeugen.
NASA-Ingenieure träumen von der Urbarmachung des Nachbarplaneten Mars und
sprechen in diesem Zusammenhang von „Terraforming“. Man stellt sich vor, im
Laufe von Jahrhunderten den Boden des Planeten (wieder) fruchtbar und seine
Atmosphäre atembar werden zu lassen.
Mit dem Problem der Verbesserung des Bodens, mit der Erzeugung von Humus,
beschäftigte sich Müller bereits 1934. In der SUN-KOH-Folge Die flüssige
Pest (Nr. 51) ging er auf die humuserzeugenden Fermente (heute als Enzyme
bezeichnet) ein. Auch im vorliegenden Sammelband kommt er in Nr. 35 (Der
gestohlene Platz) noch einmal auf dieses Thema zurück, und schließlich hat
Müller es 1952 sogar zum Mittelpunkt seines Romans Humus (Bielmannen-Verlag,
München) gemacht.
Immer wieder erstaunt uns der Autor mit Ideen und Aussagen, die man im
Rahmen einer sogenannten Groschenheftserie nicht erwarten würde. Er setzte
zu einem Diskurs zum Thema „Kraft der Seele“ an, versuchte einen
Existenzbeweis der Seele zu kreieren. Wie so viele Autoren jener Zeit musste
auch Herr Müller Kotau vor der herrschenden Klasse machen; so herrscht bei
seinen deutschen Bauern im Ausland noch Zucht und Ordnung in der Familie
oder man stößt hier auf die Aussage, dass die Germanen mehr Kultur im Leibe
hätten als gewisse andere Völker, die uns immer „vor die Nase gehalten“
werden. Da die Hefte dieses Sammelbands 1937 erschienen, werden die
Engländer hier noch als Vertreter einer großen Kulturnation vorgestellt und
Müller singt ein Loblied auf englische Traditionen.
Fast ein Vierteljahrhundert später (1960) hat Müller übrigens die drei
JAN-MAYEN-Hefte 37 (Drei Messer), 38 (Das stählerne Gehirn) und 39 (Die
steinerne Ellipse) in Band 31 (Die steinerne Ellipse) der SUN-KOH-Leihbuch
ausgabe des Borgsmüller-Verlages, Münster, eingearbeitet.
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Band 5
(Hefte 41–50, 314 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-49-9
Inhalt: Der
Schatzsucher | Sven Horre kehrt heim | Das perlende Meer | Das sterbende
Land | Das verlorene Wunder | Das unsichtbare Feuer | Der weiße Hirsch | Die
Seuche | Der künstliche Acker | Jim, der Schläfer
In den hier vorgelegten zehn JAN-MAYEN-Folgen
steht die abenteuerliche Handlung im Mittelpunkt. Die Innovationen treten
dagegen etwas in den Hintergrund, obwohl Paul Alfred Müller gerade in diesem
Zyklus mit Themen aufwartet, die ihn immer wieder beschäftigt haben: Es geht
u. a. um die Probleme der Energiespeicherung und der Humuserzeugung als
Lösung gegen die Verwüstung von Landschaften durch zu starke
Bodenausnutzung. So geht der Autor im vorliegenden Band z. B. auf eine heute
vergessene Umweltkatastrophe ein, die sich in den 1920er Jahren in Kanada
abspielte, als die Weizenfelder aufgrund zu starker Ausnutzung fast zu
Wüsten wurden.
In der SUN-KOH-Serie hatte Müller zum ersten Mal seine Idee einer
zukünftigen Energiespeicherung vorgestellt. Hier (Nr. 12, Der eisige Blitz)
wurde sie allerdings zu verbrecherischen Zwecken benutzt. Auf diese
Erfindung der „aufwärts fließenden Wärme“, also die Eigenschaft, dass ein
Gegenstand die Energie nicht abgibt, sondern aufnimmt, kommt Müller in der
JAN-MAYEN-Serie (Nr. 44, Das sterbende Land) zurück. Mit einer kalten Kugel,
die Wärme abgibt, präsentiert er ein scheinbares Perpetuum mobile.
In seinem Buch Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg (Leipzig: Bergmann,
1939; Neuausgabe: Lüneburg: Dieter von Reeken, 2011) baute Müller sein
Gedankengebäude um diese Innovation in der Episode „Das eisige Feuer“ weiter
aus.
Und schließlich kam er 1948 in dem Roman Und alle Feuer verlöschen auf Erden
(Braunschweig: Löwen) noch einmal auf diese Idee zurück. Hier verwertete er,
mit veränderten Personennamen, die Handlung der JAN-MAYEN-Hefte Nr. 44 (Das
sterbende Land), Nr. 45 (Das verlorene Wunder) und Nr. 46 (Das unsichtbare
Feuer).
Sogar in dem 1960 erschienenden Band 31 (Die steinerne Ellipse) der
SUN-KOH-Leihbuchausgabe (Münster: Borgsmüller) stößt man noch einmal auf
JAN-MAYEN-Abenteuer. Hier sind es die Hefte 41 (Der Schatzsucher) und 42
(Sven Horre kehrt heim). In diesen beiden Folgen nahm Müller offenbar Motive
des Grafen von Monte Christo und auch der Dreyfus-Affäre auf, die zwischen
1894 und 1906 nicht nur Emile Zola („J’accuse“), sondern ganz Europa erregt
hatte.
Falls nun der Eindruck entstanden ist, der Autor habe mit der
Zweitverwertung neue Wege beschritten, so trifft dies allerdings nicht zu.
Im Genre der Belletristik ist und war dies eine übliche Praxis. Ob man da z.
B. an den Science-Fiction-Autor Robert Heinlein oder an Schriftsteller aus
dem Bereich der Kriminalliteratur wie Dashiell Hammet oder Raymond Chandler
denkt, sie alle „kannibalisierten“ ersten Gehversuche und weiteten ihre
Novellen später zu Romanen aus.
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Band 6
(Hefte 51–60, 317 Seiten, 15 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-51-2
Inhalt: Überfall am Kranichfluß | Die gelben Barren | Die Doppelgänger |
Violan | Schatten hinter dem Vorhang | 50 000 Atmosphären gestohlen! | Der
Stellvertreter des Toten | Die leeren Boote | Die Sklavensteine | Der große
PavianIn den Verträgen zu den
Heftserien SUN KOH und JAN MAYEN war in den 1930er Jahren festgehalten
worden, dass nach dem Auslaufen der jeweiligen Reihe die Abenteuer in
Buchform erscheinen konnten. Zu diesem Zweck legte Paul Alfred Müller alias
Lok Myler die Handlung so an, dass jeweils vier aufeinander folgende Hefte
später zu einem Buch umgeformt werden konnten. Aus der SUN-KOH-Heftreihe
entstanden beispielsweise zwischen 1937 und 1939 insgesamt zehn
Buchausgaben. Kriegsbedingt ist es im unmittelbaren Anschluss daran zu
weiteren Buchausgaben nicht mehr gekommen.
Dieser Vier-Hefte-Zyklus wurde zum Teil auch in der JAN-MAYEN-Serie
eingehalten, obwohl es ab und zu Überlappungen gab. Die Auswirkungen des im
Jahre 1939 ausgebrochenen Weltkrieges verhinderten auch hier, dass die JAN
MAYEN-Hefte gleich nach dem Auslaufen der Serie zu Büchern umgewandelt
wurden. Im Falle der Hefte 54–56 geschah dies allerdings 24 Jahre später in
gewisser Weise doch noch: In der SUN-KOH-Leihbuchreihe des
Borgsmüller-Verlags, Münster, verwendete der Autor 1961 diese JAN-MAY
EN-Erzählun gen für das SUN-KOH-Buch Nr. 36, Violan.
Die Verträge zwischen Müller und dem Bergmann-Verlag legten u. a. fest, dass
jedes Abenteuer einen belehrenden Kern enthalten, also Wissensvermittlung
unter dem Deckmantel des Abenteuers leisten sollte. Der Verfasser
integrierte im vorliegenden Band beispielsweise Gedankengut zu Themen wie
Hydrokultur, der künstlichen Golderzeugung oder dem Einsatz von Selenzellen
zur Steuerung von Eingangstoren. Sehr interessant sind die Ausführungen zu
neuen Werkstoffen, die hier unter hohem Druck aus dem Gas Helium erzeugt
werden unter Hinweis darauf, dass auch Wasser oder Öl unter einem derartig
hohen Druck (50 000 Atmosphären) steinhart werden. Ganz modern mutet auch
die Idee an, Hausmüll in Bausteine für den Hausbau umzuwandeln und so
gleichzeitig das Müllproblem zu lösen.
Aber P. A. Müller wies nicht nur auf all die Innovationen hin, die zu seiner
Zeit sozusagen „in der Luft lagen“, er äußerte sich auch zu
wissenschaftlichen oder philosophischen Fragen, wobei er allerdings aus
heutiger Sicht manchmal falsch lag, wie etwa bei der Vermutung, dass wir
einer neuen Eiszeit entgegensehen.
Aus unbekannten Gründen, vielleicht aus Bequemlichkeit oder wohl eher unter
Zeitdruck, kopierte er in den JAN-MAYEN-Heften 52 (Die gelben Barren) und 53
(Die Doppelgänger) weitgehend den Inhalt der SUN-KOH-Hefte 26 (Die Schatten
von Lissabon) und 27 (Die sprechende Schleuse).
Trotz dieses kleinen „Schönheitsfehlers“: Auch in den hier vorgestellten
zehn Folgen unterhält uns der Autor wieder prächtig.
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Band 7
(Hefte 61–70, 327 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-54-3
Inhalt: Das Meer in Afrika | Der Regenprofessor | Die gläserne Kugel |
Tillyt | Alarm über Europa | Heiho –„Ohio“! | Zusammenbruch am Golfstrom |
Mr. Steele lächelt | Der Mann ohne Kopf | Die Unsichtbaren
Die zwei Jahrzehnte zwischen den beiden
Weltkriegen waren das goldene Zeitalter der technischen Großprojekte, ob es
sich nun um Landgewinnung aus dem Meer, Energiegewinnung durch riesige
Staudämme oder die Trockenlegung von Sümpfen handelte.
Der Münchner Architekt Herman Sörgel (1885–1952) trat zu Beginn der 1930er
Jahre mit der Idee an die Öffentlichkeit, die Straße von Gibraltar durch
einen Damm zu schließen und so das Mittelmeer trocken zu legen. 1 Herman
Sörgel hatte mit seinen Visionen Furore gemacht und diverse Schriftsteller
angeregt, sich mit dem Thema erzählerisch zu beschäftigen,
z. B. Titus Taeschner (1869–?) 2 und John Knittel (1891–1970) 3.
Später erweiterte Sörgel sein „Atlantropa-Projekt“ mit der Idee, durch einen
Damm den Kongo aufzustauen und so im Kongobecken ein Meer entstehen zu
lassen. Genau um das Projekt einer zentralafrikanischen Seenplatte dreht
sich auch die Handlung in Das Meer in Afrika (JAN MAYEN 61). Man ersieht
daraus wieder einmal, dass P. A. Müller immer die Hand „am Puls der Zeit“
hatte.
Im vorliegenden Band 7 der JAN-MAYEN-Gesamtausgabe werden außerdem zwei
besonders interessante Zyklen zusammengeführt. In den Geschichten, die sich
um die Erfindung des „Tillyts“ drehen, präsentiert der Autor eine
erstaunliche Innovation, die für die visionären Pläne seines Titelhelden
geradezu prädestiniert zu sein scheinen. Aber auch für den Kriegseinsatz
ergeben sich Einsatzmöglichkeiten, was die „Händler des Todes“ auch sofort
geradezu magisch anzieht. Aus dieser Ausgangssituation konstruierte der
Verfasser eine packende Handlung, in deren Mitte das Blitzeis „Tillyt“
steht. Jeder Kriminalschriftsteller wäre im Übrigen auch begeistert von
Müllers Idee, dem Inspektor einen Fall vorzulegen, in dem das Opfer auf
einer Parkbank vorgefunden wird und die Obduktion ergibt, dass der Tote dort
gleichzeitig erstickt und erfroren ist.
Für die SUN-KOH-Leihbuchreihe des Borgsmüller-Verlags verarbeitete Müller
über 20 Jahre später die hier vertretenen JAN-MAYEN-Hefte 62–64 und
präsentierte sie als Band 34 unter dem Titel Tillyt. 4 Man kann also viele
der JAN-MAYEN-Erzählungen als Vorstufen zu seinen späteren
utopisch-technisch-phantastischen Romanen betrachten. Müller ging hier
ebenso vor wie die meisten amerikanischen Science-Fiction-Autoren seiner
Zeit, die ihren Start auf den Seiten der „Pulp“-Magazine hatten und die dort
veröffentlichten Stories später zu Romanen ausarbeiteten.
Der zweite Zyklus dreht sich um das große Thema der Golfstrom-Umlenkung und
deren Auswirkungen auf das europäische Klima. Auch diesen Handlungskomplex
recycelte der Verfasser gut 15 Jahre später in seinem Roman Das Ende des
Golfstroms. 5
Das Thema „Golfstrom und seine Auswirkungen“ war insbesondere in den 1920er
Jahren en vogue, doch schon 1913 war ein erster Beitrag hierzu von Hans
Ludwig Rosegger (1880–1929) erschienen. 6 Ab 1923 folgten Romane von Otto
Erich Kiesel (1880–1956) 7, Hans Dominik (1872–1945) 8, Georges Gustave
Toudouze (1877–1974) 9, Artur Földes (1878–1938) 10 und Paul Gille 11. In
fast all diesen Romanen versuchen amerikanische Magnaten den Golfstrom von
Europa abzukoppeln, wobei der Roman von Földes besonders interessant ist,
denn hier wie bei den JAN-MAYEN-Heften 65–68 dreht sich die Handlung um
einen amerikanischen Industriellen, der den Golfstrom von Europa ablenken
will. Übrigens trat 1959 noch als antiquiert wirkender Nachzügler der
Dominik-Epigone Volkhard August Scherl 12 auf.
In den abschließenden zwei Erzählungssträngen des vorliegenden Bandes geht
es um einen uralten Menschheitstraum – die Tarnkappe. Die Titelbilder der
Hefte 69 (Der Mann ohne Kopf) und 70 (Die Unsichtbaren) visualisieren diesen
Wunschtraum.
Müller hat hier erneut auf das Vorbild SUN KOH zurückgegriffen. Im
SUN-KOH-Heft 59 (Die Unsichtbaren) hatte er bereits ein vergleichbares
Szenario entwickelt. Sowohl hier wie auch in besagten JAN-MAYEN-Abenteuern
operieren die Protagonisten mit den erweiterten Möglichkeiten des Mediums
Fernsehen. Sie können hier mit Hilfe eines Geräts durch Mauern blicken und
sogar in bewegliche Objekte wie Flugzeuge oder U-Boote hineinschauen.
Ob Paul Alfred Müller das erstmals 1923 erschienene Buch Das elektrische
Fernsehen und das Telehor von Dénes von Mihály (1894–1953) 13, in dem u. a.
der damalige Stand der Forschung zusammengefasst wurde, gekannt und daraus
seine Ideen geschöpft hat, konnte nicht ermittelt werden, aber als 1937 die
entsprechenden JAN-MAYEN-Abenteuer erschienen, gab es in Berlin bereits
Fernsehstuben; sie waren 1936 anlässlich der Olympischen Spiele eingerichtet
worden. JAN MAYEN befand sich also in bester Gesellschaft.
Auf eine Besonderheit ist noch hinzuweisen: Die Handlung der Folge 69 (Der
Mann ohne Kopf) kommt völlig ohne Mitwirkung der Titelfigur Jan Mayen aus.
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Band 8
(Hefte 71–80, 332 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-55-0
Inhalt: Der treibende Berg | Gefangen im Paradies | Riese wider Willen | Der
Tag der Wunder | Die rote Wolke | Ein Stückchen Blech | Die schwarze
Schlucht | 100 000 km über der Erde | Gefahr aus dem Weltenraum | Verrat!
In den im vorliegenden achten Band der
JAN-MAYEN-Gesamtausgabe enthaltenen Heften 71–80 brannte „Lok Myler“ (= Paul
Alfred Müller) ein wahres Feuerwerk von Ideen ab. Er vergaß aber auch nicht,
den notwendigen Spannungsbogen zu erzeugen und beizubehalten, der zum
„Fesseln“ der Leser notwendig ist.
In den Nummern 71, 72 und 79 tritt erneut Jan Mayens
Gegenspieler Micero auf. Jeder Serienheld benötigt zur Erzeugung eines
genretypischen Charismas einen Antipoden, einen schier übermächtigen
Schurken, der jeweils nur im letzten Augenblick besiegt werden kann.
P. A. Müllers langjähriger Weggefährte und Mitarbeiter
Helmut K. Schmidt (RAH NORTEN) teilte uns zu diesem Thema mit, dass ihm der
Autor einmal (1940) gesagt hatte: „Als aufmerksamer Leser werden Sie bemerkt
haben, daß ich bei den ersten Bänden JAN MAYENs noch herumprobiert habe.“
Mit seinen 17 Jahren hatte der junge Mann damals nichts davon bemerkt, er
war von Lok Myler begeistert und begegnete seinen Werken völlig unkritisch.
Erst später erkannte er, dass der Autor damals längere Zeit mit den
Hauptfiguren experimentiert und sie nicht so konsequent eingesetzt hatte,
wie es bei der SUN-KOH-Serie der Fall gewesen war:
Sun Kohs treue Begleiter und Beschützer Nimba und Hal
Mervin treten bei JAN MAYEN in Gestalt verschiedener Nebenhelden auf: Don
Rafael, Pat Killar, Bunny Bomfield und Barry Feltinger wechseln sich,
manchmal paarweise auftretend, in dieser Rolle ab. Und auch bei den
Gegenspielern des Helden schwankte der Autor eine Zeit lang: War es
ursprünglich der Millionär Rubbard, so trat danach kurzfristig Buc Clish an
dessen Stelle, ehe sich Müller für Juan Vincente Micero als Erzfeind
entschied.
Es ist allgemein bekannt, dass der Verfasser das reichhaltige Schaffen des
Kolportageautors Robert Kraft (1869–1916) als „Steinbruch“ benutzte, um
daraus Versatzstücke zu entnehmen, wie auch in einigen der vorliegenden
Abenteuer geschehen: In Krafts erstmals 1911 erschienenem Lieferungswerk
Atalanta. Die Geheimnisse des Sklavensees (Dresden: Dresdner Roman-Verlag,
1911) wird der Held, Graf Felsmark, von einer Miss Morgan unerwidert
geliebt. Um den störrischen Angebeteten zur Vernunft zu bringen, sperrt ihn
die Dame ein und vollführt auch noch einen „Striptease“ vor den Augen ihres
Opfers.
Müller ließ sich davon inspirieren und baute 1934 eine
ähnliche Szene in das SUN-KOH-Abenteuer Das Tal der Sklaven (Nr. 77) ein.
Hier ist es Lady Houston, die den bronzehäutigen Apollo hinter Gitter
bringen lässt, um ihn so gefügig zu machen. Auf die gleiche
Ausgangssituation treffen wir bei JAN MAYEN in dem Abenteuer Gefangen im
Paradies (Nr. 72). Die Schwester des Schurken Micero, Isabel Walker, sperrt
den Protagonisten aus dem gleichen Beweggrund in einem Pantherkäfig ein.
Bleiben wir noch bei Robert Kraft: So wie er, der seine
Novellen später zu Romanen ausarbeitete, ging bekanntlich auch P. A. Müller
vor. Die Erlebnisse Jan Mayens in den Heften 78 und 79 (100 000 Kilometer
über der Erde und Gefahr aus dem Weltenraum) integrierte er 1955 in den
utopischen Roman Trauben aus Grönland (Berlin: Gebrüder Weiß), einen Roman,
in dem die Zukunftsvision Jan Mayens und seines Vaters Wirklichkeit wird,
wobei man aufgrund der gegenwärtig prognostizierten Klimaveränderungen
allerdings vermuten kann, dass aus Grönland tatsächlich einmal Grünland
wird, und das ohne den Einsatz eines Weltraumspiegels!
Gerade die im vorliegenden Band wiedergegebene
Erzählung 100 000 Kilometer über der Erde verdient unsere besondere
Beachtung: Hier geht Müller intensiv auf das Thema „Weltraumfahrt“ ein. Die
Helden setzen einen kugelförmigen Satelliten im Weltraum aus, wobei sie
genau so vorgehen wie heutige Astro-/Kosmonauten, indem sie einfach den
Satelliten bei geöffneter Luke ausschweben lassen. Als Antriebsart dient bei
Müller der Wunschtraum aller Weltraumenthusiasten – die Aufhebung der
Schwerkraft.
Dazu passt eine Meldung aus unseren Tagen, nach der der
Teilchenphysiker Brian Cox erkannt haben will, dass die Gravitation
gewissermaßen der Schlüssel zum gesamten Verständnis des Kosmos sei. Was ihn
mit Paul Alfred Müller verbindet, ist die gleiche Hybris: Brian Cox
bezweifelt die derzeit existierenden Gravitationstheorien eines Isaac Newton
und Albert Einstein. Dazu passt eine weitere Meldung aus jüngster Zeit,
wonach sich der Mond jährlich um drei Millimeter von der Erde entfernen soll
und Experten dafür keine Erklärung haben. Drei Millimeter – das hört sich
nicht nach viel an, aber das Phänomen ist, wenn es denn zutrifft, mit keiner
der herrschenden mathematisch-physikalischen Modellrechnungen zu erklären.
Dass feststehende Theorien ad absurdum geführt werden
können, zeigt sehr schön ein Beispiel aus der Paläontologie. Dort war man
jahrzehntelang der Meinung, die Dinosaurier seien schwerfällige Kreaturen
gewesen; in der heutigen Betrachtungsweise haben sie sich zu gefiederten,
grellbunten „Sprin tern“ entwickelt.
Und noch eine interessante Stelle aus der 1938
erschienenen JAN-MAY EN-Folge 100 000 Kilometer über der Erde (Nr. 78)
verdient Beachtung: Hier stoßen die Protagonisten in 200 km Höhe auf
elektrische Stürme; im Jahre 1958 entdeckte der amerikanische Physiker James
Alfred Van Allen, dass um den Erdball zwei Strahlungsgürtel liegen, Zonen
ionisierter Strahlung von hoher Intensität.
Müller geht auch auf die Zukunftspläne des Titelhelden ein: Wie Sun Koh, der
sich für den „Tag X“ mit diversen Schutzmaßnahmen und Waffen versah, rüstet
sich auch Jan Mayen und versammelt in seinem Arsenal z. B. die technischen
Voraussetzungen, um Regen zu erzeugen oder ganze Meere erstarren zu lassen,
und natürlich fehlt auch nicht der alte Alchemisten-Wunschtraum, Gold zu
erzeugen.
In den 1930er Jahren, in denen diese Erzählungen geschrieben wurden, befand
sich das Erdalkalimetall (Magnesium) in den Händen vieler Fotografen. Es
wurde als Pulver auf die Pfanne vor einer speziellen Pistole aufgehäuft oder
es befand sich in einer kleinen Papiertüte, die an einem Stab hochgehalten
und angezündet wurde. Die dann entstehende blitzartige Verbrennung führte
meistens dazu, dass die fotografierten Personen weit aufgerissene Augen
hatten.
Auf diese Erscheinung geht Müller in den Erzählungen um
den Erfinder Will Kirber in Der Tag der Wunder (Nr. 74) und Die rote Wolke
(Nr. 75) ein. Er präsentiert hier die Idee des „brennenden Eisens“: So wie
Magnesium entflammbar ist, sei auch jedes andere Metall, z. B.
pulverisiertes Eisen, in einen „semipyrophoren“ Zustand zu versetzen. Man
könne damit die Kohle als Brennstoff ablösen und Eisenpulver zum Kochen und
Braten benutzen. Im vorliegenden Fall wird die Erfindung aber auch als Waffe
benutzt; in der Luft zum Ausbruch gebracht entsteht eine glühende Wolke, die
gegen angreifende Flugzeuge eingesetzt werden kann. Absolut verblüfft ist
man jedoch, wenn man in Heft 74 liest, wie Müller als erfolgreicher Visionär
das „Handy“ voraussah.
Ab und zu blitzt auch seine Fähigkeit auf, humorvolle Situationen zu Papier
zu bringen, wie es in Nr. 80 (Verrat!) der Fall ist. Müller, der das
Verlagswesen gut kannte, beschreibt hier, wie Ladenhüter, in diesem Falle
5000 Bände einer neuen Gesundheitstheorie, durch einen witzigen
Reklamefeldzug erfolgreich verkauft werden.
1949 erschien im Rahmen der Serie FRANK KENNEY.
KRIMINAL-ABEN TEUER VON HEUTE UND MORGEN als Nr. 35 das Heft Retortenriesen
schrecken Europa. Der Autor Wilhelm Löbsack bediente hier die die üblichen
Klischees von den wahnsinnigen Wissenschaftlern, die Unheil über die
Menschheit bringen. In der Beziehung schwamm P. A. Müller mit seiner
Erzählung Riese wider Willen (Nr. 73) gegen den Strom: Auch hier taucht ein
Wissenschaftler auf, der die bei Erwachsenen geschrumpfte Thymusdrüse noch
einmal dazu bringen will, Wachstumshormone auszusenden. Doch in diesem Fall
erweist sich der Wissenschaftler geradezu als Menschenfreund, ein Verhalten,
das Wissenschaftlern in der Unterhaltungsliteratur selten zugestanden wird.
Das gleiche Thema behandelte Müller 1939 übrigens nochmals in seinem
Episodenroman Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg.
In Heft 77 (Die schwarze Schlucht) geht der Autor
ausführlich auf Alfred Wegeners (*1. 11. 1880, † November 1930, in Grönland
verschollen) Kontinentalverschiebungstheorie ein.
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Band 9
(Hefte 81–90, 335 Seiten, 15 Abb.) — 22,50 € — ISBN
978-3-940679-58-1
Inhalt: Mann im Koffer | Der Gefangene der Toten | Sol. tub. E … | Griff
nach der Macht | Rätsel in Singapore | Barrys Rache | Der wilde Rure | Drei
Mann tot – und einer fehlt | Die goldene Kurve | Schuß durch die Nacht
Die JAN-MAYEN-Serie kann zwar, was den
„Sense of wonder“-Faktor anbetrifft, nicht mit dem großen Vorbild SUN
KOH mithalten, dafür aber punktet sie auf dem Sektor der
wissenschaftlichen Prognosen. Es muss auch immer wieder darauf
hingewiesen werden, dass es, mit Ausnahme der SUN-KOH-Serie, vorher und
auch nachher (Beim „Enkel“ PERRY RHODAN ist noch kein Ende abzusehen …)
wohl kaum eine Heftreihe gegeben hat, die so zielbewusst auf einen
visionären Höhepunkt hinsteuerte, wie es bei JAN MAYEN der Fall war. Im
vorliegenden Band 9 der Gesamtausgabe geht der Autor mehrfach auf den
„Tag X“ ein, jenem Tag, an dem der Weltraumspiegel beginnen soll, das
Eis auf Grönland aufzutauen.
Paul Alfred Müller lässt seinen Helden darüber
sinnieren, wie sich dieses Ereignis auf das Klima der Erde auswirken
würde. In den Folgen Der Gefangene der Toten (Nr. 82) und Drei
Mann tot – und einer fehlt (Nr. 88) wird angedacht, die mit
Wasserdampf gesättigten Wolken in Richtung der irdischen Wüstengebiete
zu lenken. Zu diesem Zweck untersuchen Jan Mayens Männer in Nr. 88
bereits die Wüste Gobi als mögliches Auffangbecken dieser Wassermassen.
Es wird aber auch spekuliert, die entstehenden Wolkenformationen in
Richtung des Nordpols zu senden, dort als Schnee abregnen zu lassen und
damit den Eispanzer am Pol zu verstärken.
Aus den zehn Episoden dieses Bandes ragt die Folge
Griff nach der Macht (Nr. 84) heraus, und das nicht nur, weil jenes
Abenteuer besonders stringent erzählt wird und hier keine
Neben-Handlungsstränge oder sogenannte „Cliffhanger“ vorkommen. Es ist
auch die Erzählung mit den visionärsten Ausblicken auf eine ferne
Zukunft.
Literaturwissenschaftler, die sich mit Karl May
befassen, haben das Glück, dass sich seine Bibliothek mit
Sekundärliteratur erhalten hat, so dass Sie feststellen können, aus
welchen Reiseberichten May bestimmte Szenen entnommen hat. Dies ist bei
P. A. Müller aufgrund der Kriegsereignisse nicht möglich; es ist aber
gut vorstellbar, dass er Anton Lübkes Buch Technik und Mensch im
Jahre 2000 gekannt hat, was folgende Textstelle vermuten lässt:
Wer will es wissen, ob bei dem steten
Fortschreiten der Erforschung der Elektrizität und des Luftmeeres es
eines Tagen nicht auch möglich ist, künstliche Blitze herzustellen,
die man auf Munitions- und Lebensmittellager der Feinde schleudert und
sie zur Entzündung bringt … Es ist nicht daran zu zweifeln, daß in
einem Zukunftskriege die Starkstromelektrizität eine große Rolle
spielen wird.
Dazu passt auch
die auf S. 6 dieser Vorbemerkungen wiedergegebene kongeniale
Illustration, die in jenem Werk enthalten ist. Um einen derartigen
Angriff mit elektrischer Energie dreht sich auch die Handlung in der
JAN-MAYEN-Folge 84, Griff nach der Macht. Ein (wieder einmal)
geisteskranker Wissenschaftler will sich zum Herrn der Welt
aufschwingen. Es ist ihm gelungen, auf drahtlosem Wege Starkstrom
auszusenden und an beliebiger Stelle eine glühende Wolke entstehen zu
lassen, die alles vernichtet, was sich an diesem Ort befindet.
Ein ähnliches Szenario hatte Müller bereits 1936 in der
SUN-KOH-Serie (Nr. 143, Der Falsche) angedacht und Jahre (1959)
später in Band 19 (Telenergie) der SUN-KOH-Buchreihe des
Borgsmüller-Verlages ausgeweitet.
Die Idee, im Luftkrieg mit dem Einsatz von Starkstrom
zu operieren, war für jugendliche Leser der 1930er Jahre schon ein
Novum, Müller steigerte dies aber in besagter Erzählung noch um eine
noch visionärere Innovation.
Im Jahre 1955 erblickten wir Science-Fiction-Leser zum
ersten Mal die Visualisierung eines energetischen Schutzschildes. Auf
dem Titelbild des UTOPIA GROSSBANDs Nr. 27 (Am Anfang war nur Chaos)
war eine Energieglocke zu sehen, die sich schützend über eine
Zukunftsstadt ausdehnte; Johnny Bruck hatte das Titelbild gezeichnet.
Für uns stellte damals die Idee einer durchsichtigen Energiewand,
vorgestellt vom amerikanischen Autor Fred MacIsaak, ein Novum dar. Was
uns nicht (mehr) bewusst war: Eine derartige Idee hatte P. A. Müller
seinen damaligen Lesern bereits Jahre vorher in Griff nach der Macht
präsentiert. Um sich gegen die Attacken des Wahnsinnigen zu wappnen,
lässt er in der Erzählung über England eine „elektrische Decke“
installieren. Diese schützt gegen Starkstromangriffe, lässt allerdings
unter der Glocke auch jegliche Elektrizität verschwinden, sodass kein
Radio, Telefon oder Auto (elektrische Zündung) mehr funktioniert. Vor
dem Ideenreichtum des P. A. Müller alias Lok Myler muss man also auch
heute noch „den Hut ziehen“ …
Am 26. August 1938 fand in Berlin die Premiere des
Veit-Harlan-Filmes Verwehte Spuren statt. Es geht in diesem
Spielfilm um das spurlose Verschwinden einer älteren Frau im Trubel der
Pariser Weltausstellung von 1867. Erst ganz zum Schluss erfährt deren
Tochter die Ursache: Ihre Mutter war an der Pest gestorben, und die
Polizei ließ alle Hinweise auf die Existenz der Toten beseitigen. um
eine Panik in der Stadt zu vermeiden.
P. A. Müller dürfte diesen Film gesehen oder wenigstens
die Vorberichte dazu gelesen haben, denn noch im gleichen Jahr
verwendete er dieses Sujet in den JAN-MAYEN-Heften Nr. 85 (Rätsel in
Singapore) und Nr. 86 (Barrys Rache): Jan Mayens „Sidekick“
Bunny verschwindet aus dem Hotel, niemand will ihn überhaupt gesehen
haben. Eine ansteckende Krankheit, in diesem Falle „Tularämie“ (eine
bakterielle Seuche), ist in dem Hotel ausgebrochen, in dem Jan Mayen und
seine Begleiter abgestiegen sind. Die infizierten Personen (Bunny)
werden isoliert und jeder Hinweis auf ihre Existenz wird ausradiert. Der
Held und sein Adlatus Barry Feltinger machen sich auf die Suche nach dem
spurlos verschwundenen Bunny.
Mit der Erzählung Der wilde Rure (Nr. 87) begab
sich der Autor auf das Gebiet der Radioaktivität. Die Handlung dreht
sich um den Abbau von Radium. Ausführlich geht Müller hier auf das
Phänomen Radium ein, beschreibt Gewinnung, Vorkommen, Nutzen und
Seltenheit des strahlenden radiumhaltigen Materials. Die Handlung dieser
JAN-MAYEN-Folge weist Parallelen zur Erzählung Radium. Der Fund am
Großen Bären-See von Curt Riedel auf. Auch dort tobt ein Kampf um
die Bergung und Nutzung des Radiums. In den Jahren zwischen 1930 und
1944 befassten sich die Print-Medien also immer wieder mit dem Thema
Radium und den Möglichkeiten der Atomspaltung. Noch im Jahre 1942
erschien beispielsweise in Heft 4 der Reihe ERZIEHUNG UND BILDUNG IM
HEERE ein ausführlicher Artikel mit dem Titel „Atomzertrümmerung“,
verfasst von Hans-Joachim Flechtner.
Alexander Behm (1880–1952) erhielt 1913 das Patent für
die Erfindung des Echolots, jenes Geräts, mit dessen Hilfe man
Hindernisse im Meer aufgrund reflektierender Schallwellen orten kann.
Was das mit JAN MAYEN zu tun hat? Nun, P. A. Müller hat diese Innovation
aufgenommen und gedanklich weiterentwickelt. In der Erzählung Drei Mann
tot – und einer fehlt (Nr. 88) tritt der Erfinder Georg Meuren auf den
Plan. Er hat das Strahlenlot entwickelt, ein Gerät mit dessen Hilfe man
Metalle im Boden aufspüren kann. Für heutige Militaria-Sammler, die mit
dem Metalldetektor die Wälder durchstreifen und nach alten Waffen
suchen, ist das keine Neuigkeit, für das Jahr 1938 war es das aber
schon. Heute verfügen Landesämter sogar über Apparaturen zur Messung
elektrischer Bodenwiderständen, die es Archäologen ermöglichen,
steinzeitliche Gräber zu lokalisieren, ohne zur Ausgrabung schreiten zu
müssen. Auch in diesem Falle (Echolot) hatte also Müller wieder einmal
die Hand am Puls der Zeit.
Vielleicht hat er aber damals aber auch von Gerhard Fischers Erfindung
erfahren. Im Jahre 1937 hatte sich nämlich ein in die USA ausgewanderter
Dresdener Elektroingenieur namens Gerhard Fischer den Metalldetektor
patentieren lassen.
Zum Schluss soll noch auf einen Gag hingewiesen werden,
den sich Müller mit seinen Lesern erlaubte, der Titel Sol. tub. E
… (Nr. 83) weckt wohl Assoziationen in Richtung „Sonne“; es geht jedoch
um „Solanum tuberosum“, die lateinische Bezeichnung für die – Kartoffel!
Es handelt sich auch hier um ein Detail des zukünftigen Landes Thule, um
die Züchtung wetterharter Nahrungsmittel …
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Band 10
(Hefte 91–100, 338 Seiten, 13 Abb.) — 22,50 € —
ISBN
noch nicht vergeben
Inhalt: Der Wahrsager | Der Haijäger | Der Gaucho | Die Pampashexe | Das
falsche Gesicht | Der grüne Tod | Selbstmörder laufend gesucht | Weißer
Brand im Fels | Land der Vergangenheit | Das verzauberte Haus
Für die Nachkriegs-Heftausgabe der
JAN-MAYEN-Serie, die ab 1949 im Utopia-Verlag in Backnang vollständig
erscheinen sollte – geworden sind es dann nur die ersten zehn Hefte –,
hatte Müller die Titelvorschau bearbeitet und eine gewisse
Modernisierung vorgesehen: Aus Der Wahrsager (Nr. 91) sollte „Der
Hellseher“, aus Der Haijäger (Nr. 92) „Haie der Timorsee“, aus Der
Gaucho (Nr. 93) „Feuer in der Steppe“, aus Die Pampashexe (Nr. 94) „Die
Hexe“ und schließlich aus Weißer Brand im Fels (Nr. 98) „Brennender
Fels“ werden.
Mit Der Haijäger lehnte sich der Autor an ein Werk der
Weltliteratur an. Der amerikanische Schriftsteller Hermann Melville
(1819–1891) veröffentlichte 1851 seinen berühmten Roman Moby Dick, die
Geschichte eines weißen Wals, der von Kapitän Ahab ruhelos verfolgt
wird. Gregory Peck verkörperte diesen Besessenen 1956 im gleichnamigen
Film; das Bild, wie er am Ende auf dem harpunierten Wal liegend im Meer
verschwindet, ist unvergesslich. Was das alles mit JAN MAYEN zu tun hat?
Nun, der Autor liefert in der Erzählung vom Haijäger in der Timorsee
seine Version jener ungewöhnlichen Auseinandersetzung zwischen Mensch
und Tier. In diesem Fall dreht sich die Handlung um Kapitän Bradford und
seinen verhassten Gegner, den „König der Haie“. Lesen Sie, wie der Kampf
zwischen Mensch und Tier in Müllers Version ausgeht. Der Autor hat hier
erneut sein Talent bewiesen, eine spannende Abenteuergeschichte
stringent zu Papier bringen zu können. Diesen Textbaustein integrierte
er in den 1961 im Borgsmüller-Verlag, Münster, erschienenen
Abenteuerroman Der Haijäger. Aus Jan Mayen wurde dabei Steve Corell und
aus Barry ein gewisser Wobb; der Titelheld – Kapitän Bradford – behielt
seinen Namen.
Ab 1985 wurde in Großbritannien der sogenannte
„Rinderwahn“, die „Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE)“, was so
viel bedeutet wie „schwammige Gehirnkrankheit der Rinder“, registriert.
Bis 1992 stieg die Zahl der betroffenen Tiere dramatisch an. In
Deutschland traten die ersten Fälle Anfang 1990 auf. Als bei einigen
Menschen eine neue Variante der tödlich ausgehenden „Creutzfeld-Jakob-Krankheit“
festgestellt wurde, einer Krankheit, die durch den Verzehr von Fleisch
erkrankter Rinder ausgelöst wird, führte das zu großer Verunsicherung
bei den Verbrauchern. Der Absatz von Rindfleisch ging stark zurück. Nach
dem Fütterungsverbot mit Tiermehl in Großbritannien 1996 begannen die
Fallzahlen zu sinken. Der letzte Krankheitsfall trat aber immerhin noch
2011 in der Schweiz auf.
Nun war P. A. Müller kein Hellseher, aber seine Vision
einer derartigen Seuche erschien bereits 1938 unter dem Titel Der grüne
Tod (JAN MAYEN Nr. 96). Hier erkranken Menschen in Europa und Amerika
ebenfalls nach dem Verzehr von Rindfleisch, das, wie sich später
herausstellt, aus einer Konservenfabrik in Chicago stammt. Bei der
Krankheit handelt es sich um eine künstlich erzeugte Überempfindlichkeit
durch eine Form des Leichengiftes, die bei der Zersetzung von Eiweiß
entsteht. Als Verursacher entlarvt Jan Mayen einen Misanthropen, der
aufgrund von Nachwirkungen seiner Kinderlähmung Rache an der Menschheit
nimmt und im Schlachthof von Chicago das Fleisch infiziert.
In den Erzählungen Selbstmörder laufend gesucht (Nr.
97) und Weißer Brand im Fels (Nr. 98) steht im Mittelpunkt der Handlung
der Versuch einer Bande, den Goldschatz der USA, der in einem Tresor in
Pittsburgh lagert, zu stehlen. Zu diesem Zweck arbeiteten sich die
Gangster unterirdisch heran, mit Hitzestrahlern zermürben Sie die
Kalksteinformationen, die sich unterhalb Pittsburghs befinden, und
schwemmen das Geröll einfach fort. Ein glatter Tunnel entsteht. Lassen
Sie sich vom Autor schildern, welchen Verlauf die Ausführung des Plans
nimmt …
Interessant sind in diesem Zusammenhang Müllers
Ausführungen zum Thema „Kohlenstoffanteil in der Atmosphäre“. Er
vermutet, dass der Kohlenstoffanteil in der Luft zum Riesenwuchs der
Saurier in der Kreidezeit geführt hat. Inzwischen seien jedoch bereits
zwei Drittel des ursprünglichen Kohlenstoffanteils der Erde verbraucht.
Wenn dann auch das letzte Drittel dieses für alle Organismen
lebenswichtigen Bestandteils der Atmosphäre entschwunden sei, wäre es
das Ende jeglichen irdischen Lebens.
Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir genau dieses
Szenario mit exakt den gleichen Worten in Rudolf Heinrich Daumanns
(1896–1957) zwei Jahre nach diesem JAN-MAYEN-Heft Nr. 98 erschienenen
utopischen Roman Protuberanzen (Berlin: Schützen-Verlag, 1940)
entdeckten! Entweder haben beide Autoren die gleiche Quelle gehabt, oder
– Daumann hat Müllers JAN MAYEN-Heft Nr. 98 gelesen? Eine interessante
Vermutung!
Im Jahre 1925 lief in Deutschlands Kinos der
amerikanische Film Die verlorene Welt, ein Streifen, der auf Arthur
Conan Doyles gleichnamigem Roman basierte. Der Trickfilmspezialist
Willis O’Brien (1886–1962) ließ hier u. a. mittels seiner „Stop-Motion-Technik“
einen Raubsaurier mit einem Mitglied der Familie der Ceratopsidae
zusammenstoßen. Ebenfalls O’Brien war für den RKO-Film verantwortlich,
der in Berlin am 1. Dezember 1934 unter dem Titel Die Fabel von King
Kong Premiere hatte. Auch hier wird ein Zweikampf zwischen Fleisch- und
Pflanzenfresser auf der Leinwand zum Leben erweckt, und erneut steht dem
Raubsaurier ein Triceratops gegenüber.
Und genau eines dieser Mitglieder der
Ceratopsidae-Familie (Centrosaurus) präsentierte auch der Zeichner Walter
Rosch 1938 auf dem Titelbild des JAN-MAYEN-Heftes Nr. 99 (Land der
Vergangenheit). Die Protagonisten entdecken in der Sahara eine riesige
Sumpflandschaft, in der sich eine prähistorische Fauna mit Flugsauriern
sowie gewaltigen Pflanzenfressern erhalten hat. Müller ließ sich hier
allerdings die Chance entgehen, auf das Thema der Kreidezeit mit all
seinen Facetten einzugehen. Er lässt lediglich Bunny vom Flugzeug aus
einen Centrosaurier erlegen. Dafür geht er ausführlich auf die Punischen
Kriege zwischen Rom und Karthago ein und beschäftigt sich mit dem Rätsel
der „zehntausend Gräber“ in der libyschen Wüste.
Unter den zehn Folgen dieses Bandes befinden sich
natürlich auch einige weniger spektakuläre Beiträge. Es fällt aber auch
hier auf, dass P. A. Müller realistische Dialoge zu Papier bringen
konnte. Helmut K. Schmidt, sein langjähriger Begleiter und Co-Autor,
teilte uns in einem Brief vom 19. Juli 2011 mit: „Da wird es Sie
interessieren, dass der Autor von dieser seiner Fähigkeit auch selbst
überzeugt war, ein Zeichen dafür, dass auch er ein ganz klein wenig
eitel war. Wörtlich sagte er mir einmal – in den 40er Jahren –
selbstverständlich mit einem belustigten Schmunzeln: ‚Müllers Dialoge
sind sowieso unwiderstehlich‘. Wegen dieser Fähigkeit, lebendige und
überzeugende Dialoge zu schreiben, wurde er auch bei der Ausarbeitung
von Filmdrehbüchern mit zugezogen und war deshalb als ‚Filmschaffender‘
in den frühen 40er Jahren mehrfach in Babelsberg.“
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Band 11
(Hefte 101–110, ca. 336 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € —
ISBN
noch nicht vergeben -
Juni 2012
Inhalt: Das schwebende Wrack | Der Malstrom | Explosion Bonnet | Das
Geheimnis des schwarzen Drahtes | Die Strahlenbastion | Atomfeuer auf
Grönland | Run auf Diamanten | Nacht über dem Strom | Der fasernde Stein |
Der mechanische Garten
Mit der in diesem Band u. a. enthaltenen
Schilderung der Abschmelzung des Grönland-Eises (Hefte 105 und 106)
rückt das Ziel Jan Mayens und seines Vaters näher, das neue Reich
„Thule“ zu schaffen und in Besitz zu nehmen. Der nahende Höhepunkt der
JAN-MAYEN-Serie hat zwar nicht den Phantasie-Faktor einer
Atlantis-Auferstehung, wie sie am Ende der Vorgängerserie SUN KOH
erfolgt, aber Vorbereitung und Ablauf dieses Großereignisses werden
dafür bei JAN MAYEN umso detaillierter und technisch fundierter in Szene
gesetzt.
Überhaupt muss man feststellen, dass die JAN-MAYEN-Serie zu Unrecht im
Schatten des „großen Bruders“ SUN KOH steht, denn in Bezug auf den
utopischen, ja visionären Gehalt ist die Nachfolgereihe bedeutend
reichhaltiger ausgestattet. Im Schlussband 12 unserer
JAN-MAYEN-Neuausgabe wird ein Episodenführer enthalten sein, der
konzentriert alle Innovationen aufführt, die Müller in diese Reihe
integriert hat. Daraus geht dann hervor, wie umfassend der Autor all die
technischen Entwicklungen und angedachten Visionen jener Jahre
aufgenommen und verarbeitet hat.
Gegen Ende der Serie setzt der Protagonist bereits einige jener
Erfindungen ein, die er im Laufe der schließlich 120 Heftfolgen in sein
Arsenal überführt hat. Dazu gehören in diesem Band z. B. der Einsatz
atomarer Strahler zum Abschmelzen der Eisdecke auf Grönland, der Einsatz
von Tillyt (vgl. Band 7, Heft 74) zur Abkühlung des aufgeheizten
Wasserdampfes und die Steuerung der entstandenen Wolkenmassen durch
Luftschiffe in Richtung auf die Sahara und die arabische Halbinsel.
Das Thema „Schwerkraft“ hat Müller im Zusammenhang mit der von ihm
propagierten „Hohlwelttheorie“ mehrfach als Sachbuchautor 1, 2, 3 und
auch in seinen Romanen 4 behandelt. Im vorliegenden Band (Heft 102)
stattet er z. B. seine Taucherkugel mit einem künstlichen Schwerefeld
aus, in einem anderen Fall (Heft 109) heben astbestähnliche Fasern die
Schwerkraft auf. Daneben präsentiert Müller im vorliegenden Band einen
Sprengstoff in Form von Drahtstücken, installiert in seinen Luftschiffen
einen Breitband-Fern schreiber, lässt künstliche Diamanten vertreiben
und prognostiziert 3-D-Filme, die man ohne Spezialbrille betrachten
kann, ganz zu schweigen von der künstlichen Welt unter einer Kuppel, die
er in Heft 110 (Der mechanische Garten) Lesern vorstellt.
Periodisch gestattete sich Müller auch Reminiszenzen an die
vorangegangene SUN-KOH-Serie: Das plötzliche Auftreten der
Schwerelosigkeit in einer abgelegenen Gegend der Erde hatte er schon im
SUN-KOH-Heft 20 (Die Schleier des Kondors) thematisiert. Auf das
Phänomen dreidimensionaler Filmprojektion war er fünf Jahre vorher in
Heft 5 (Schach dem Tode) eingegangen.
In den „Recycling“-Sektor fällt auch die Einarbeitung diverser
JAN-MAYEN-Hefte in die SUN-KOH-Leihbuchreihe des Borgsmüller-Verlages:
Die Hefte 105 und 106 fanden dort Verwendung in Band 34 5, die Hefte 103
und 104 in Band 36
Der Zeitgeist manifestierte sich in den JAN-MAYEN-Heften 101 (Das
schwebende Wrack), 102 (Der Malstrom) und 105 (Die Strahlenbastion): In
den Heften 101/102 ging Müller auf die Tauchversuche von Charles William
Beebe (1877–1962) und Otis Barton ein, die 1934 vor den Bermudas mit der
Taucherkugel „Bathysphere“ den damaligen Tiefseetauchrekord von 923
Metern erreicht hatten. Ein Jahr später erschien das reich illustrierte
Werk 7 Beebes auch in Deutschland.
Walther Kegel (1907–1945), Verfasser diverser Zukunftsromane der 1930er
Jahre, nahm noch im gleichen Jahr darauf Bezug und brachte in
Zusammenarbeit mit Hans Heuer im Goldmann-Verlag, München, das Buch
Tiefsee. Tauchtank 9200 Meter unterm Meeresspiegel heraus. So ist es
kein Wunder dass auch Müller diese Sensation in seine Heftserie
einbaute.
Zu den Themen die die Menschen in den dreißiger Jahren beschäftigten,
gehörten auch die Versuche, die steile Eiger-Nordwand und das Matterhorn
zu bezwingen. Im Jahre 1936 kam es an der Eiger-Nordwand zu einem
spektakulären tödlichen Absturz einer vierköpfigen Bergsteigergruppe.
Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ spricht von ca. 50 fiktiven Werken
(Romane, Erzählungen, Schauspiele, Gedichte) zu diesem Thema. Eugen Roth
veröffentliche 1948 eine entsprechende Erzählung über das Matterhorn. 8
Das Wetterleuchten dieses tragischen Unglücks reicht noch bis in unsere
Tage: 2008 kam der Spielfilm Nordwand des Regisseurs Philipp Stölz in
die hiesigen Filmtheater.
1938, im gleichen Jahr, in dem das JAN-MAYEN-Heft 105 (Die
Strahlenbastion) erschien, gelang es einer Gruppe (u. a. war Heinrich
Harrer dabei), endlich die Nordwand zu ersteigen. Müller nimmt darauf
Bezug und lässt seine Geschichte an der Eiger-Nordwand und auf dem
Jungfrau-Joch spielen.
Im Gegensatz zur SUN-KOH-Serie, die er in Vierergruppen aufgeteilt
hatte, um sie später in Buchform zusammenfassen zu können, beließ es
Müller hier bei einer Zweiteilung der Handlung. In den Heften 101 und
102 wandelt er auf Charles William Beebes Spuren, die folgenden zwei
Erzählungen drehen sich um einen Supersprengstoff in Drahtform. Das
„Großreine machen“ auf Grönland läuft in den Heften 105 und 106 ab,
danach erschüttert der Held die Welt in den Heften 107 und 108 durch die
Platzierung künstlicher Diamanten auf dem Markt. Und schließlich geht es
in den letzten zwei Heften dieser Ausgabe noch einmal um eines von
Müllers Lieblingsthemen, nämlich um das Thema der Aufhebung der
Schwerkraft.
Für den Utopia-Verlag in Backnang hatte P. A. Müller 1949/50 als „Fre
der van Holk“ erfolglos versucht, eine JAN-MAYEN-Renaissance
einzuleiten. Es erschienen jedoch nur zehn Ausgaben; auch der neue
Untertitel „Der Herr der Atomkraft“ hatte dem Projekt nicht mehr
Schubkraft geben können.
Die von Müller dabei vorgesehenen Titeländerungen wirken übrigens
weniger interessant als die Vorkriegstitel:
Nr. 101 1938: Das schwebende Wrack; neu: „Die Tiefseetauchkugel“.
Nr. 102 1938: Der Malstrom; neu: „Gefangene der Tiefsee“.
Nr. 104 1938: Das Geheimnis des schwarzen Drahtes;
neu: „Der Übersprengstoff“.
Nr. 109 1938: Der fasernde Stein neu: „Aufgehobene Schwerkraft“.
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Band 12
(Hefte 111–120, ca. 360 Seiten, ca. 15 Abb.)
— 22,50 € — ISBN
noch nicht vergeben -
Juli 2012, mit Episodenführer
Inhalt: Riß in der Südsee
| Verbrechen mit Wasserstoff | Männer im Nebel | Die Falle | Das
belagerte Haus | Der Fingerabdruck | Der Goldberg | Riesen aus dem
Weltenraum | Der letzte Riegel | Sonne über Thule | Episodenführer
In den nun vorliegenden letzten zehn
Episoden kommt die Handlung zum lange vorbereiteten Kulminationspunkt:
Das Land „Thule“ entsteht. Das sagenhafte Reich „Thule“, in der Antike
eine Bezeichnung für eine Insel im hohen Norden, hat viele
Schriftsteller beschäftigt. Es ist denkbar, dass Paul Alfred Müller
alias „Lok Myler“ durch Karl-August von Lafferts (1872–1938) Roman
Feuer am Nordpol (1924) auf diese Idee gekommen ist. In diesem
utopischen Roman errichten ebenfalls Ingenieure in der Arktis einen
Staat namens „Thule“.
Und in von Lafferts Flammen aus dem Weltenraum
(1927) wird sogar schon ein Weltraumspiegel präsentiert, wenn er hier
auch als Waffe eingesetzt wird.
Jan Mayens „Thule-Sonne“ ist Dreh- und Angelpunkt des
Handlungsgeschehens in diesen letzten zehn Folgen. In den fünf Nummern
115-118 und 120 schildert der Autor die Stationierung des Spiegels im
Orbit sowie die Auswirkungen, die diese „zweite Sonne“ auf der Erde
hervorruft, indem sie das Grönland-Eis abschmilzt.
Der im bis 1919 österreichisch-ungarischen und danach
rumänischen deutsch geprägten Siebenbürgen geborene und aufgewachsene
Gymnasialprofessor Hermann Oberth (1894–1989), der später vor allem in
Deutschland als Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt wirkte,
hatte u. a. die Idee eines „Weltraum spiegels“ schon 1923 in seinem
grundlegenden Werk Die Rakete zu den Planetenräumen und
ausführlicher 1929 in seinem Hauptwerk Wege zur Raumschiffahrt
vorgestellt.
Damit kommen wir in das Zeitfenster, in dem P. A.
Müller begann, Material für seine geplanten utopischen Romane zu
sammeln. Hermann Oberth hatte prognostiziert, dass man mit Hilfe dieses
Spiegels das Klima beeinflussen, z. B. Nebel verhindern, Eisberge
abtauen und generell damit die Arktis fruchtbar machen könne. Selbst die
Wüste Sahara könne man mit einem Weltraumspiegel, der einen Durchmesser
von 300 km haben würde, bewohnbar machen. Diese Gedanken hat Oberth 1954
in seinem Buch Menschen im Weltraum, das in erweiterter und
aktualisierter Neuausgabe 1978 unter dem Titel Der Weltraumspiegel
erschienen ist, nochmals ausgeführt und erweitert. Er war bis zu
seinem Lebensende davon überzeugt, dass das Projekt eines Tages
verwirklicht werden würde.
Paul Alfred Müllers Weltraumspiegel erreicht allerdings nicht jene von
Hermann. Oberth vorgeschlagene Dimension. Jan Mayens künstliche Sonne
umkreist den Nordpol und verwandelt die Eismassen auf Grönland in
Wasserdampf, der in Form gewaltiger Wolkenformationen sich zusammenballt
und nur dank der überlegenen Technik des Nordwerks in die Wüsten Sahara
und Gobi abgelenkt werden kann.
Als der Autor 1949 für den Utopia-Verlag in Backnang eine Neuauflage der
JAN-MAYEN-Reihe vorbereitete, hatte er auch schon die Titelplanung bis
Band 120 abgeschlossen. (Es sind dann allerdings 1949/50 nur zehn Titel
tatsächlich erschienen.) Aus der Titelvorschau ging hervor, dass Müller
durch eine veränderte Titelvergabe den Blickpunkt noch plakativer auf
den „Aufstieg Thules“ legen wollte:
Nr. 115 1938: Das belagerte Haus; neuer Titel: „Licht
über dem Nordpol“.
Nr. 116 1938: Der Fingerabdruck; neuer Titel:
„Großmacht Thule“.
Nr. 117 1938: Der Goldberg; neuer Titel: „Der
Strahlenspiegel“.
Die letzten drei Hefte der Jan-Mayen-Serie hat Müller
übrigens in seinen 1955 erschienenen Roman Trauben aus Grönland
eingearbeitet.
Neben dem Handlungsstrang um das neue Machtzentrum
Thule kommt es kurz vor dem Schluss der Serie zu einem „Ausflug“ des
Verfassers, den man ihm angesichts folgender (wohl von ihm selbst
verfassten) Einstufung seitens des Gebr.-Weiß-Verlages eher nicht
zugetraut hätte:
Freder von Holk sieht den utopischen Roman nicht als
Ausdruck einer enthemmten Phantasie, die das Unmögliche darstellt,
sondern beschränkt sich bewußt auf Probleme, deren wissenschaftliche und
technische Lösung in absehbarer Zukunft als möglich erscheint. Völlig
unerwartet überrascht Müller hier mit einer Invasions-Story. die eines
„Doc“ Smith, Anderson oder van Vogt würdig gewesen wäre. In den Heften
118 und 119 wandern riesige außerirdische Forschungsreisende über die
Erde. Die „menschlichen Ameisen“ unter ihren Füßen registrieren sie
nicht. Die tausend Meter großen Besucher kamen in Raumschiffen, die
einen Durchmesser von fünfzig Kilometern haben. Zum einen dürfte der
Verfasser sich bei H. G. Wells’ (1866–1946) erstmals 1904 in Deutschland
(Minden: Bruns) erschienenen Roman Die Riesen kommen (OA: The Food of
the Gods, 1904) bedient haben. In diesem Roman lässt Wells bereits
riesige Menschen auf der Erde wie Vandalen hausen und Häuser und Bäume
als Spielzeug benutzen.
Noch interessanter ist jedoch die zweite Spur: Am 30.
Oktober 1938 löste Orson Welles’ Rundfunkadaption des Romans Krieg der
Welten von H. G. Wells (Dt. EA: Wien, Perles, 1901; OA: The War of the
Worlds, 1898) eine Panik bei den Hörern einer New Yorker Radioshow aus.
Ziemlich nahe am Original beschreibt Müller die Landung der Fremden, wie
sie in der Rundfunkversion des Wells’schen Romans bei Grovers Mill
ablief.
Zum Thema „Innovationen“ ist auch folgendes Detail
erwähnenswert: Als wir deutschen Fans der Science Fiction in den 1950er
Jahren Romane wie Am Anfang war nur Chaos 9 von Fred Mac Isaak
(1886–1940), oder Zweimal ging die Welt unter 10 von Jack Williamson
(1908–2006) lasen, waren wir begeistert von dieser typischen
Science-Fiction-Idee einer Strahlenglocke als Schutz über den Städten
der Zukunft. Wir wussten nicht, dass Paul Alfred Müller schon 1938 einen
derartigen Schutzwall vorgestellt hatte. In Heft 118 (Riesen aus dem
Weltenraum) beschreibt der Autor, wie sein Held die norwegische Stadt
Hammerfest durch diese Schutzmaßnahme vor den Stürmen schützt, die durch
das Abschmelzen des Grönland-Eises entstehen.
Als Prophet betätigte sich Müller im Schlussband der
Serie, indem er eine Wärmeperiode voraussagte und ein Zurückweichen der
Gletscher als Indiz anführte, und das immerhin schon 1938!
Als „krönenden Abschluss“ haben wir am Ende dieses
Bandes einen von Heinz J. Galle zusammengestellten
JAN-MAYEN-Episodenführer beigefügt.
Texte: Copyright © Heinz J. Galle / Dieter von Reeken |
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Titelverzeichnis [in eckigen Klammern zu den Heften 1–10 die Titel der
Nachkriegsausgabe 1949]:
1936: Hefte 1–24;
1937: Hefte 25–76; 1938: Hefte 77–120
Band 1
1 Ruf in die Welt [Am Ende der Welt]
2 St. Louis, hauptpostlagernd [Der Kampf beginnt]
3 Bandit am Wege [Rätsel in Australien]
4 Die Spur des Goldes
5 Das gleißende Band
6 Die Reiherprinzessin [Das Urwaldschloß]
7 Flucht auf dem Hyazinthenfluß [Flucht aus dem Sumpf]
8 Das verhexte Haus [Die künstliche Sonne]
9 Spur im Norden [Die Spur im Norden]
10 Zwischen Gesetz und Tod [Strahlen aus dem All]
Band 2
11 Der blendende Strahl
12 3000 Stundenkilometer
13 Der gestohlene Sattel
14 Der singende Pat
15 Der Mondnarr
16 Das Haus der tausend Wunder
17 Die diamantene Sonne
18 Der ewige Magnet
19 Die Wunderkugel
20 Der Traumhut
Band 3
21 Durchbruch in Maracaybo
22 Hölle und Paradies
23 Das Tal des Vergessens
24 Schuß aus dem Dunkel
25 Vorhof der Unterwelt
26 Das brennende Ziel
27 Das gefährliche Auge
28 Zehn Jahre später
29 Der Indianerjäger
30 Der Rächer
Band 4
31 Die rettende Kraft
32 Der grüne Drachen
33 Kameraden der Zukunft
34 Die wächsernen Wächter
35 Der gestohlene Platz
36 Zwischen den Gängen
37 Drei Messer
38 Das stählerne Gehirn
39 Die steinerne Ellipse
40 Das Schiff der Gläubigen
Band 5
41 Der Schatzsucher
42 Sven Horre kehrt heim
43 Das perlende Meer
44 Das sterbende Land
45 Das verlorene Wunder
46 Das unsichtbare Feuer
47 Der weiße Hirsch
48 Die Seuche
49 Der künstliche Acker
50 Jim, der Schläfer
Band 6
51 Überfall am Kranichfluß
52 Die gelben Barren
53 Die Doppelgänger
54 Violan
55 Schatten hinter dem Vorhang
56 50 000 Atmosphären gestohlen!
57 Der Stellvertreter des Toten
58 Die leeren Boote
59 Die Sklavensteine
60 Der große Pavian
Band 7
61 Das Meer in Afrika
62 Der Regenprofessor
63 Die gläserne Kugel
64 Tillyt
65 Alarm über Europa
66 Heiho –„Ohio“!
67 Zusammenbruch am Golfstrom
68 Mr. Steele lächelt
69 Der Mann ohne Kopf
70 Die Unsichtbaren
Band 8
71 Der treibende Berg
72 Gefangen im Paradies
73 Riese wider Willen
74 Der Tag der Wunder
75 Die rote Wolke
76 Ein Stückchen Blech
77 Die schwarze Schlucht
78 100 000 Kilometer über der Erde
79 Gefahr aus dem Weltenraum
80 Verrat!
Band 9
81 Mann im Koffer
82 Der Gefangene der Toten
83 Sol. tub. E …
84 Griff nach der Macht
85 Rätsel in Singapore
86 Barrys Rache
87 Der wilde Rure
88 Drei Mann tot –- und einer fehlt
89 Die goldene Kurve
90 Schuß durch die Nacht
Band 10
91 Der Wahrsager
92 Der Haijäger
93 Der Gaucho
94 Die Pampashexe
95 Das falsche Gesicht
96 Der grüne Tod
97 Selbstmörder laufend gesucht
98 Weißer Brand im Fels
99 Land der Vergangenheit
100 Das verzauberte Haus
Band 11
101 Das schwebende Wrack
102 Der Malstrom
103 Explosion Bonnet
104 Das Geheimnis des schwarzen Drahtes
105 Die Strahlenbastion
106 Atomfeuer auf Grönland
107 Run auf Diamanten
108 Nacht über dem Strom
109 Der fasernde Stein
110 Der mechanische Garten
Band 12
111 Riß in der Südsee
112 Verbrechen mit Wasserstoff
113 Männer im Nebel
114 Die Falle
115 Das belagerte Haus
116 Der Fingerabdruck
117 Der Goldberg
118 Riesen aus dem Weltenraum
119 Der letzte Riegel
120 Sonne über Thule
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