Blaue Kugel (1938 / 1951 / 1954)
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Über Paul Alfred Müller

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Schutzumschlag der 2. Aufl. (1941) der Erstausgabe 1938
Umschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Lok Myler / Freder van Holk]
Blaue Kugel
Roman eines phantastischen Abenteuers
2. erweiterte Auflage der Neuausgabe des erstmals 1938 und zuletzt 1954 erschienenen Romans,
Anhang mit dem ursprünglichen Text aus den Schlusskapiteln der Erstausgabe 1938
Broschüre, 197 Seiten, 11 Abbildungen, Vorbemerkungen
17,50 € — 978-3-940679-91-8

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch


Im Jahre 1933 veröffentlichte Paul Alfred Müller im Rahmen seiner erfolgreichen SUN-KOH-Serie als Heft 20 die Folge Die Schleier des Kondors mit den Erlebnissen seiner Helden im Gebiet der südamerikanischen Anden. Sie stoßen auf Hinterlassenschaften Außerirdischer, die vor langer Zeit dort gelebt hatten. Die Titelbilder dieser und auch der 1949 erschienenen Nachkriegsausgabe zeigen die entscheidende Phase, in der die Protagonisten auf einem schmalen Felsband plötzlich mit dem Phänomen der Gravitationsaufhebung konfrontiert werden.
In der 1938 erschienenden Erstausgabe seines Romans Blaue Kugel taucht dieses Szene wieder auf. Hatte der Autor sich in SUN KOH mit dem (späteren) Däniken-Thema noch zurückgehalten, so ließ er seiner Phantasie in diesem Roman eines phantastischen Abenteuers freien Lauf. Das Schlüsselerlebnis seiner Helden besteht in dem Auffinden des kugelförmigen Raumschiffs der Fremden:

Unmittelbar vor den dreien wölbte sich eine mächtige Kugel zur Decke. Sie besaß ungefähr zehn Meter Durchmesser und schimmerte in einem wundersamen Zartblau. Sie lag nicht auf. Zwischen ihr und dem Boden befand sich fast ein Meter Abstand. Aber oben berührte sie den Felsen …
„Was ist das für eine Kugel?“ flüsterte Peter Marhoff.
„Wahrscheinlich der Flugkörper, mit dem jene Menschen auf die Erde gekommen sind.“ (
Lok Myler: Blaue Kugel. Roman eines phantastischen Abenteuers. – Leipzig: A. Bergmann 1938, S. 32f.; vorliegende Neuausgabe [NA] S. 37.)

Dreizehn Jahre später kommt es im utopischen Roman Reich im Mond von Manfred Langrenus (Pseudonym des Professor Dr. Friedrich Hecht, 1903–1980) zu einer vergleichbaren Begegnung:

Dort, unweit vom „Hermann Oberth“, lag doch ein kugelförmiges, glänzendes Gebilde von silberweißer Farbe … Im übrigen schien die geheimnisvolle Kugel größer als der „Linné“ zu sein … Als sie davor standen, sahen sie, daß der untere Teil der Kugel zertrümmert war. Der unbeschädigte Teil zeigte Luken, mit glasähnlicher Substanz bedeckt. Der Durchmesser der Kugel betrug an die vierzig Meter, war also doppelt so groß wie die Länge des „Peer Gynt“. Zweifellos lag hier ein fremdes Flugschiff vor, das verunglückt war. (Manfred Langrenus: Reich im Mond. Utopisch-wissenschaftlicher Roman. – Würzburg/Wien: Zettner, 1958, S. 98f. – Lizenzausgabe der 1951 erschienenen Erstausgabe Leoben: Loewen-Verlag)

Und dreiundzwanzig Jahre nach der Veröffentlichung der Blauen Kugel kommt es noch einmal zu einer Wiederholung dieser Ausgangssituation:

„Sie haben eine Bruchlandung gemacht“, sagte er nach einer Weile. „ Sie haben den halben Kraterwall abrasiert und das mit einer derartigen Wucht, daß man kaum daran denken darf. …“ Auf der glatten Oberfläche des kugelförmigen Riesen war nichts zu bemerken. … Das ganze Schiff stand regungslos vor der durchbrochenen Kraterwand. (K. H. Scheer: Unternehmen Stardust (= Perry Rhodan 1). – München: Moewig, o. J. [1961], S. 36.)

     Duplizität der Ereignisse oder bewusste bzw. unbewusste Beeinflussung durch Müllers Roman? Auf jeden Fall lässt sich eine gedankliche Verbindungskette zwischen den Beispielen knüpfen. In den drei Szenarien stoßen die Protagonisten jeweils auf kugelförmige Raumschiffe außerirdischer Intelligenzen. Sie übernehmen deren technisches Wissen und verwenden diesen Vorteil gegenüber der restlichen Menschheit zur Errichtung einer eigenen Machtbasis. Zum Teil erliegen die Helden auch dem Rausch der Macht und schwingen sich zu Diktatoren (in Blaue Kugel und – in der Anfangsphase – bei PERRY RHODAN) auf, errichten einen unabhängigen Staat bzw. eine „Dritte Macht“.
     Zusammen mit Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg gehört die Blaue Kugel zu den besten Werken des Autors. Müllers Gabe, technisches Wissen mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen, kommt hier am besten zum Tragen.
     Auch Erich von Dänikens Gedankengebäude von der Überlegenheit außerirdischer Besucher auf Erden in längst vergangener Zeit ist in der Blauen Kugel bereits angedacht worden. Langrenus verkürzte die Zeitabläufe, indem er die Jahrmillionen dauernde Entwicklung der Atlanter in Form von Filmaufnahmen vor den Augen der Helden innerhalb von Stunden ablaufen ließ. Auch diese Idee präsentierte Müller bereits 1938 in seinem utopischen Roman.
     Im Jahre 1938 (und in 2. Aufl. wahrscheinlich 1941 unter dem Verfassernamen „P. A. Müller“ statt wie bisher „Lok Myler“) erschien die Blaue Kugel im Leipziger Bergmann-Verlag, 1951 (mit der Bezeichnung „3. Auflage“) im Münchner Bielmannen-Verlag und 1954 (mit der Bezeichnung „2. Auflage“; als „1. Auflage“ wurde dabei offenbar die Bielmannen-Neuausgabe von 1951 angesehen.) noch einmal im Verlag der Gebrüder Weiß in Berlin. Vergleicht man die drei Entwürfe der Schutzumschläge, so kann man Otto Schmailzls Vision (Bielmannen Verlag) als die idealste Annäherung an Müllers literarisches Vorbild bezeichnen.
     Die Ausgabe von 1938 unterscheidet sich von den nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erschienenden Versionen erheblich.
     Unerheblich sind dabei die Namensänderungen; ob nun der spätere Diktator Houston Valerian Kent (1938) oder Hannibal Valerian Roxas (1951) heißt, das dürfte kaum eine Rolle spielen: Wahrscheinlich hat Müller in der Figur des Roxas dem argentinischen Professor Paolo Emilio Amico-Roxas, einem Vertreter der Hohlwelt-Theorie und Verfasser des Buches El falso concepto del universo (Rosario/Argentinien: Arpe, 1933) ein literarisches Denkmal gesetzt.
     Ausgemerzt hat Müller auch diverse etwas burschikose Dialoge sowie kleinliche Streitereien unter den drei Ingenieuren, wie er sie in der SUN-KOH-Serie zwischen Hal und Nimba und in der JAN-MAYEN-Serie zwischen Barry und Bunny ablaufen ließ.
     Komplett neu geschrieben wurde das Kapitel 8, in dem es um den Flug in den Weltraum geht. In der Urversion fliegen die drei Helden um den Mond herum und dann weiter zum Mars, wo sie Flora und Fauna des Planeten bewundern und auch Kontakt zu kleinwüchsigen Marsmenschen aufnehmen. Auf den Seiten dieses Kapitels ging Müller zusätzlich auf Hörbigers Welteistheorie ein, erwähnt die Sintflutsagen und in deren Zusammenhang auch das unvermeidliche Atlantis-Thema.
     In der Neuausgabe von 1951 ist dieses Kapitel in Richtung auf die Hohlwelttheorie total umgeschrieben worden. Hier diskutieren die Protagonisten ständig alle Probleme der Theorie, sie landen auf dem Mond (Der Marsabstecher fehlt.), und die Erde steht über ihnen wie ein Himmelsgewölbe. So sehen Sie auch die Erde auf ihrem Flug nicht als Kugel, sondern blicken aus großer Höhe wie in einen Trichter hinein. Dazu kommt noch, dass die fremden Erbauer des kugelförmigen Raumschiffes sich während des Fluges akustisch bemerkbar machen.
     Die Blaue Kugel hat, wie oben erläutert, wahrscheinlich inspirierend auf Reich im Mond und PERRY RHODAN gewirkt. Aber auch Müller hat bei sich selbst eine „Anleihe“ genommen: In Kapitel 8 müssen die drei Hauptpersonen des Romans erleben, dass ihre „Blaue Kugel“ nach einer Landung auf einem Flugplatz in Florida Aufsehen erregt und mehrere Interessenten sich bemühen, mit mehr oder weniger legalen Methoden in den Besitz der Kugel zu gelangen. Eine entsprechende Handlung, bezogen auf ein außergewöhnliches Luftschiff, enthielt schon Heft 12 (Dreitausend Stundenkilometer) der Serie JAN MAYEN …
     Am 10. Juni 1938 hatte der Autor mit dem Bergmann-Verlag den Vertrag über die Herausgabe der Blauen Kugel abgeschlossen. Als Untertitel war die Bezeichnung „Phantastischer Zukunfts-Roman“ vorgesehen. Das Honorar betrug 7½ % des Ladenpreises; ab dem 2. Tausend sollte die Vergütung auf 10 % ansteigen.
     Der zweite Vertrag für diesen Roman wurde zwischen Müller und dem Bielmannen-Verlag am 19. April 1949 abgeschlossen. Darin befindet sich der Entnazifizierungs-Paragraph 10:
     „Der Verfasser erklärt, daß er politisch unbelastet und nach Maßgabe der geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Veröffentlichung schriftstellerischer Arbeiten berechtigt und zugelassen ist.“
     Zum dritten Vertragsabschluss kam es am 10. März 1955 (Das Buch war laut Impressum schon 1954 erschienen.) mit dem Verlag der Gebrüder Weiß in Berlin. Hier ließ sich das Unternehmen bereits vertraglich die Rundfunk- und Fernsehrechte übertragen; lediglich die Verfilmungsrechte verblieben beim Verfasser.
     Die Honorarvergütung lag bei beiden Nachkriegsausgaben bei 10 % des Ladenpreises.
Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der o. g. 1954 erschienenen Ausgabe des Gebr.-Weiß-Verlags, Berlin, also der letzten zu Lebzeiten des Verfassers erschienenen Ausgabe. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.
     Die Schutzumschlag- und die Einbanddeckel-Zeichnung der Ausgabe von 1954 schuf der Maler Bernhard Wilhelm Borchert (1910–1971).
Man sagt, es sei nichts schneller überholt als ein utopischer Roman von gestern! Nun, wenn auch die Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Mondes und der des Mars inzwischen aufgrund der Landung auf dem Mond sowie der Mars-Sonden enorm gewachsen sind und man heute einiges nicht so mehr schreiben würde, ist dieser frühe Science-Fiction-Roman doch immer noch sehr gut lesbar. Man sollte ihn lediglich aus der Intention der Entstehungszeit beurteilen.
     Mögen die gestrigen und die heutigen Leserinnen und Leser sich an dieser Neuausgabe (wieder) erfreuen!

Dieter von Reeken / Heinz J. Galle
 

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