Die Erde brennt (1951)
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Über Paul Alfred Müller

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Umschlagbild der Erstausgabe
Umschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]
Die Erde brennt
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1951 erschienenen Romans
Broschüre, 229 Seiten, 10 Abbildungen, Vorbemerkungen
17,50 € — ISBN 978-3-940679-65-9

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Nachdem am 6. September 1945 über Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki die Atompilze aufgeflammt waren, wurde es der Menschheit nach und nach bewusst, dass man die „Büchse der Pandora“ geöffnet hatte. In den folgenden Jahren begannen Schriftsteller auf dieses Weltuntergangsszenario zu reagieren. In Amerika und England erschienen diverse einschlägige Romane, in Deutschland traten in den Jahren 1948/49 gleich drei Autoren mit derartigen Werken auf den Plan: Helmuth Lange (1903–?) mit Blumen wachsen im Himmel, Hans Wörner (1904–1963; andere Angabe: 1903–1965) mit Wir fanden Menschen und Ernst von Khuon-Wildegg (1915–1997) mit Helium. Besonders Wörners „After Doomsday“-Roman schildert sehr eindringlich die Welt nach einer atomaren Katastrophe. Die betroffene Landschaft ist unbewohnbar geworden, die ausgesandte Expedition sucht dort nach Überresten der untergegangenen Zivilisation.
     Müllers letzte Veröffentlichung vor Kriegsende war 1940 der Roman Die Fahne des Bataillons, eine Auftragsarbeit. Im Jahre 1948 siedelte er von der sowjetischen in die amerikanische Besatzungszone nach Murnau (Bayern) über. In dieser achtjährigen Publikationspause hatten sich bei ihm diverse Manuskripte angesammelt. Noch im gleichen Jahr der Übersiedlung reihte er sich mit dem Weltuntergangsroman Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag in die Phalanx der Menetekel-Beschwörer ein und schilderte darin eindringlich die möglichen Folgen des Missbrauchs der Atomkraft.
     In seinem Roman Helium warnte Ernst von Khuon 1949 vor der Gefahr eines Atombrandes. Um diesen Atombrand zu ersticken, schlug der später durch das Fernsehen populär gewordene Wissenschaftsjournalist von Khuon in seinem Buch den Großeinsatz von Cadmium vor.
     Dass auch dem Autor P. A. Müller das Thema einer außer Kontrolle geratenen Kettenreaktion am Herzen lag, zeigt die schon drei Jahre später erfolgte Variante seines Weltuntergangs-Szenarios von 1948, das unter dem Titel Die Erde brennt erschien. Am 22. Januar 1951 hatte er mit dem in Berlin ansässigen Herbig-Verlag einen Vertrag über die Veröffentlichung des entsprechenden Manuskripts im Rahmen der neuen NON-STOP-Reihe abgeschlossen. Es war eine der Zeit entsprechende preiswerte Bücherreihe im Stil der damaligen Taschenbuchserien, die es auch als Leinen-Variante gab. Der Verlag hielt die Rechte an diesem mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren gedruckten utopischen Roman bis 1956, ehe er sie an den Verfasser zurückgab. Erstaunlicherweise erlebte dieses Werk danach keine weitere Auflage, sodass wir mit der hier vorgelegten Neuausgabe eine Lücke schließen. Im Blick auf heutige Befürchtungen gegenüber den inzwischen mindestens acht Atomwaffen-Mächten zuzüglich mehrerer „Schwellenländer“ ist dieser Roman P. A. Müllers aktueller denn je.
     Die Handlung des über sechzig Jahre alten Zukunftsromans spiegelt die Frühzeit des spätestens 1948 (Berlin-Blockade) begonnenen „Kalten Krieges“ wider. Müller versteckte die konkurrierenden Machtblöcke unter solch blumigen Nationalitätsbezeichnungen wie Pelargonien, Geranien und Dahlien, die deutlich erkennbar für die USA, Deutschland und die Sowjetunion stehen. Die unverkennbaren Sowjet-Kommunisten werden hier übrigens als „Kanzlisten“, Dahlien als „Kanzlei-Union“ bezeichnet. Die Arbeit geranischer (d. h. deutscher) Wissenschaftler für West bzw. Ost spaltet hier eine Familie: Der junge Protagonist, der Atomwissenschaftler Karl Davertshoven, arbeitet für die Pelargonier, sein Vater Rudolf Davertshoven, bei dem sich auch dessen Enkelin Elka, also Karls Tochter, aufhält, für die Dahlier.
     Als Ergebnis einer eher persönlichen Auseinandersetzung zwischen einem dahlischen Geheimdienstoffizier und Rudolf Davertshoven im Versuchslabor Mesonsk am Barkalsee aktiviert letzterer die von ihm entwickelte Anlage. Der dadurch entstandene Atombrand weitet sich aus und droht die Erde zu vernichten. Paul Alfred Müller alias Freder van Holk findet aber eine verblüffende Lösung zur Rettung des blauen Planeten – aber das lesen Sie bitte selbst!
     Vier Jahre später nahm der Autor das Thema der unerwarteten Folgen derartiger atomarer Spaltungsversuche in seinem Roman Kosmotron 8 noch einmal auf. Dies zeigt, dass er in Bezug auf die Anti-Atombewegung seiner Zeit weit voraus war.
     P. A. Müller starb 1970. Er hat es nicht mehr erlebt, dass seine düsteren Gedankenspiele Realität annahmen. Man denke an die Kernschmelze in Three Mile Island (USA) am 28. März 1979, an die Explosion des Reaktors von Tschernobyl (Ukraine) am 26. April 1986 oder ganz aktuell an die Kernschmelze im Reaktorbereich von Fukushima (Japan) am 11. März 2011.
Nach Fukushima sollte es nun auch wirklich keine weitere Verharmlosung der Atomreaktoren mehr geben. Bei fast 150 Atomreaktoren, die in Europa stehen, fragt es sich wohl weniger, ob es wieder passieren kann, sondern eher wann und wo es passieren wird …

Dieter von Reeken / Heinz J. Galle
 

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