Kosmotron (1955)
Bestellungen bitte an:
Dieter von Reeken, Br.-Grimm-Straße 10, 21337 Lüneburg, Telefon 0 41 31 / 5 94 66, (E-Mail-Adresse zur Spam-Vorbeugung bitte von Hand eingeben), versandkostenfreie Lieferung gegen Rechnung. Beachten Sie bitte auch mein vollständiges Programm auf meiner Startseite.

Über Paul Alfred Müller

emailadresse.gif (1227 Byte)
[Zurück zur Startseite]

á
Schutzumschlag der Erstausgabe 1955 (© Brigitta Borchert)
Umschlagbild der Neuausgabe
â

Paul Alfred Müller [Lok Myler / Freder van Holk]
Kosmotron
Roman aus der Welt von morgen
Neuausgabe des erstmals 1955 erschienenen Romans
Broschüre, 185 Seiten, 8 Abbildungen, Vorbemerkungen
17,50 € — 978-3-940679-52-9

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Die 1950er Jahre kann man auch als das „Goldene Atomzeitalter“ bezeichnen. Die Euphorie war groß: Man dachte an atomar angetriebene Eisbrecher, Lokomotiven, die in naher Zukunft mit atomarem Brennstoff angetrieben werden, höhere Agrarerträge durch radioaktive Bestrahlung des Getreides usw. usw. Auch die Energieversorgung schien gewährleistet, Kohle damit überflüssig geworden – Atomreaktoren würden an ihre Stelle treten.
     Und das taten Sie dann auch.
     Der erste „Warnschuss“ traf im März 1979 Harrisburg in Pennsylvania (USA), als es dort zu einem relativ schweren Reaktorunfall kam (Three Mile Island).
     Am 26. April 1986 folgte das Unglück von Tschernobyl (Ukraine). Hier trat der sogenannte „Super-GAU“, der „größte anzunehmende Unfall“, auf. Durch überhitzte Brennstäbe kam es zu einer Kernschmelze mit nachfolgender Explosion des Reaktorgebäudes, 25 000 Quadratkilometer wurden kontaminiert, ein radioaktiver Niederschlag überzog danach Europa.
     Im März 2011 folgte die nächste Katastrophe: In Japan (Fukushima) kam es aufgrund eines Erdbebens zum Ausfall der Kühlung in einer Kette von Reaktoren und damit erneut zur Kernschmelze und radioaktiver Verseuchung der Umwelt, deren Folgen heute noch gar nicht abzusehen sind.
     Vor einer derartigen Kernschmelze mit all ihren Folgen hatten verschiedene Schriftsteller bereits lange vorher gewarnt:
Erstaunlicherweise war schon 1927 bei Friedrich Wilhelm Grunow in Leipzig ein Werk erschienen, dessen Titel sich auf das betreffende Thema bezog: Atomfeuer. Der Roman eines Weltunterganges, verfasst von Lovis Stevenhagen. Er beschrieb darin, wie fanatische Wissenschaftler im Amerika des 23. Jahrhunderts „mit dem Feuer spielen“, eine künstliche Sonne aufflammen lassen und eine atomare Kettenreaktion auslösen, die schließlich die Erde in Stücke reißt.
     Nun, so radikal waren seine Epigonen nicht: Der amerikanische Science-Fiction-Autor Lester del Rey (1915–1993) veröffentlichte 1942 im US-SF-Magazin ASTOUNDING seine Novelle Nerves. Hier geht es allerdings nur um einen Störfall in einem amerikanischen Atomkraftwerk, aber es war immerhin einer der ersten Hinweise auf die Berechtigung der warnenden Hinweise. Lester del Rey präsentierte sich in diesem Werk als Prophet kommender atomarer Katastrophen. Die zum Roman erweiterte Schilderung eines atomaren Störfalls, die 1956 bei Balantines, New York, erschienen war, erlebte schon 1957 im Pabel-Verlag, Rastatt, als UTOPIA-GROSSBAND Nr. 59 unter dem Titel Atomalarm eine erste (wenn auch vom Übersetzer Walter Ernsting bearbeitete) deutsche Ausgabe; eine als „deutsche Erstveröffentlichung“ bezeichnete (von Harro Christensen neu übersetzte und wohl ungekürzte) Neuausgabe erschien 1981 aus aktuellem Anlass.
     Lester del Rey hatte schon 1942 vor den verheerenden Folgen einer atomaren Katastrophe gewarnt. Der britische Autor Edwin Charles Tubb (1920-2010) veröffentlichte 12 Jahre danach sein Menetekel unter dem Titel World at Bay (London: Hamilton, Panther Books, 1954). Er schildert darin, wie in Schottland ein Atomreaktor außer Kontrolle gerät und der entstandene Krater sich immer weiter auszudehnen beginnt. Unter dem Titel Krater der Hölle erschien der Roman 1956 als UTOPIA-GROSSBAND im Pabel-Verlag, Rastatt.
     Im Jahre 1948 brachte der Wuppertaler Verlag „Die Lampions“ unter der Verfasserangabe „Lok Myler“ P. A. Müllers Abenteuerroman Die Diamantenklippe heraus. Im gleichen Verlag und im gleichen Jahr erschien dort Die entfesselten Atome. Ein phantastischer Roman eines Viktor Efer. Hier gerät ein Atommeiler außer Kontrolle, der atomare Zerfall beginnt, man versucht den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben und wirft Atombomben auf das Gebiet um den Meiler. Ob Müller dieses Buch kannte, konnte nicht ermittelt werden, aber drei Jahre später lieferte er seinen Beitrag zum Thema der atomaren Katastrophe. Das Buch erschien im Berliner Herbig-Verlag und trug den Titel Die Erde brennt. Im Vertrag vom 22. Januar 1951 wurde ihm für das 1.–10. Tausend ein Honorar von 10 % gezahlt. Erstaunlicherweise hielt der Verlag die Rechte für dieses Werk bis zum 10. Januar 1956. Müllers Roman ist äußerst dramatisch und wie immer bei ihm glaubhaft und stimmig. Er weicht allerdings vor einer Radikallösung aus und lässt den Protonenzerfall, nach dem Anwachsen des Kraters auf einen Durchmesser von gut tausend Kilometer, aufgrund Sauerstoffmangels zum Stehen kommen; über dem Krater hatte sich eine Glocke aus Stickstoff gebildet.
     Am 31. Mai 1955 schloss Müller mit dem Gebrüder-Weiß-Verlag in Berlin einen Vertrag über die Herausgabe seines utopischen Romans Kosmotron ab. Dieses Werk gilt heute als einer seiner gelungensten Zukunftsromane. Er siedelt darin eine Atomspaltungsanlage in Oberbayern an. Auch hier treten schon „Wutbürger“ auf, ein fanatischer Gegner des Projektes, der „Herold“ (der übrigens auch so heißt) stellt sich an die Spitze der Demonstranten und schreckt auch nicht vor Sabotageaktionen zurück.
     Der Roman mit seinem (hier nicht verratenen) dramatischen Höhepunkt ist ambitioniert geschrieben und als leichte Kost nicht geeignet. Müller hatte sich wirklich in das Thema vertieft und die äußeren und inneren Konflikte der in einer kammerspielartigen, räumlich beschränkten Umgebung agierenden Personen überzeugend beschrieben. Dabei hat er die einzelnen Charaktere nicht, wie oft üblich, holzschnittartig, sondern sehr differenziert herausgearbeitet und ihre Standorte im Beziehungsgeflecht des Kosmotron-Personals glaubhaft ausgeleuchtet.
     Gelegentlich liest man in Verbindung mit derartigen Werken den Vorwurf, es sei überflüssigerweise auch eine Liebesgeschichte eingeflochten worden, was auch im vorliegenden Roman der Fall ist. Nun – Verlage sind Unternehmen, die nach finanziellen Gesichtspunkten geführt werden, sie wollen und müssen Bücher verkaufen. Hohe Absatzzahlen erreicht man eher mit belletristischen Werken, seltener mit rein wissenschaftlichen Büchern.
     Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der 1955 erschienenen einzigen Ausgabe des Gebr.-Weiß-Verlags, Berlin. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.
     Die Schutzumschlag- und die Einbanddeckel-Zeichnung schuf der Maler Bernhard Wilhelm Borchert (1910–1971).

Dieter von Reeken / Heinz J. Galle
 

[Zurück nach oben]

   

[Zurück zur Startseite] - [Zurück nach oben]