Der Krieg, den keiner wollte (1961/62)
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Über Paul Alfred Müller

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Umschlagbilder der zweibändigen
Originalausgabe o. J. [1962]

Usmschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]:
Der Krieg, den keiner wollte
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1961/62 erschienenen Romans
Broschüre, 185 Seiten, 12 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
17,50 € — ISBN 978-3-940679-99-4

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Die 1950er Jahre waren, vor allem auf dem Sektor der gebundenen Bücher, die fruchtbarsten im Schaffen des Paul Alfred Müller alias Freder van Holk, der Ausstoß seiner Manuskripte in jener Zeit war enorm.
     Dies waren auch die Jahre, in denen die Gefahr eines Atomkrieges zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion und ihren jeweiligen Einflussgebieten in beängstigender Weise immer wahrscheinlicher wurde. Im Mai 1955 wurde der Warschauer Pakt gegründet, im gleichen Monat trat die Bundesrepublik Deutschland der schon 1949 gegründeten NATO bei. Die UdSSR zündete im November 1955 die erste transportable Wasserstoffbombe; im Februar 1956 begannen beide deutsche Staaten (jedenfalls offiziell; „Vorarbeiten“ hatte es schon seit Jahren gegeben) mit der Aufstellung eigener Armeen.
     Die Bevölkerung wurde in jenen Jahren von offiziellen Stellen mit Postwurfsendungen auf einen möglichen Atomkrieg vorbereitet. Das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz in Bad Godesberg gab im Auftrag des Bundes-Innenministeriums Informationsblätter heraus, die Titel wie Schutz gegen radioaktive Niederschläge in Haus und Betrieb oder Jeder hat eine Chance hatten und – neben reichlichem Spott – eher zur Verunsicherung als zur Beruhigung beitrugen. In letzterer Broschüre gab es sogar Hinweise, wie man seinen Keller zum Atombunker ausbauen konnte.
     Der seit 1949 herrschende und bis 1990/91 andauernde „Kalte Krieg“ zwischen den Machtblöcken war in den Medien stets präsent, drückte auf die Stimmung. Diese Atmosphäre der Angst schlug sich auch in Müllers Romanen nieder. Der Ausbau der Atomkraft rief weitere Zukunftsängste in der Bevölkerung hervor. Ein geplanter und intensiv bekämpfter Bau einer Atomspaltungsanlage in unmittelbarer Nähe des Wohnortes Müllers fand seinen Niederschlag in dem 1955 von ihm veröffentlichten Roman Kosmotron.
     Ende der 1950er Jahre fasste der Autor die latent vorhandenen Befürchtungen der Bevölkerung vor einem Atomkrieg in einem Manuskript mit dem Arbeitstitel „Die Verworfenen“ zusammen. Für das 273 Seiten umfassende Typoskript benutzte Müller diesmal das Pseudonym „Paul Murnau“ (nach seinem Wohnort Murnau am Staffelsee).
     Der Autor geht in diesem Menetekel rigoros vor, lässt Europa durch die Großmächte mittels Atombomben in Schutt und Asche legen, die gleiche Katastrophe für Russland und Amerika kann nur in letzter Minute abgewehrt werden. Die eigentliche Handlung jedoch spielt sich in einem Atombunker ab, in dem am Schluss von den Schutzsuchenden nur ein Paar übrig bleibt. Ein Liebespaar als Happy End ist Müllers Zugeständnis an die Wünsche der Leser. Alle im Bunker handelnden Personen legen nach und nach ihre Schwächen offen und streifen die vermeintlich schützende Hülle der Kultur und Zivilisation ab, d. h. sie reißen sich diese Maske gegenseitig vom Gesicht.
     Diese beklemmende kammerspielartige Atmosphäre erinnert teilweise an Jean-Paul Sartres 1944 uraufgeführtes Stück Geschlossene Gesellschaft (Huis clos), das in dem Aufschrei gipfelt: „Die Hölle, das sind die anderen!“ („L’Enfers, c’est les autres!“).
     Als kleine Rache an der Zensur der nationalsozialistischen Periode könnte man eine Szene interpretieren, die sich gleich zu Beginn des Romans abspielt: Im Jahre 1933 erschien in der Sun-Koh-Reihe das Heft 28 mit dem Titel Brennende Luft. Darin lässt ein verbrecherischer deutscher Wissenschaftler Magdeburg durch einen Großbrand zerstören. Nachdem 1935 von den Nationalsozialisten die Vorzensur eingeführt worden war und eine Zweitauflage der Sun-Koh-Reihe anlief, war so etwas nicht mehr opportun. Müller musste die zusammenhängende Handlung der Hefte 26–29 umschreiben: Aus dem Flächenbrand, der Magdeburgs Straßen und Häuser erfasste, war nun lediglich eine brennende Garage geworden! Jetzt, in Der Krieg, den keiner wollte (diesen Titel erhielt die gedruckte Fassung des Romans), holt Müller die Vernichtung Magdeburgs nach und lässt die Stadt von einer fehlgeleiteten Atomrakete ausradieren. Da zu der Zeit unglücklicherweise der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident in der Stadt weilt, ist dies der Auslöser zum folgenden Armageddon.
     Und noch ein kleiner Seitenhieb durchzieht den Roman: Mit dem Münchner Verleger Emil Biehl, in dessen Bielmannen-Verlag zwischen 1949 und 1952 mehrere Romane Müllers (als Freder van Holk) erschienen waren, hatte er sich aus verschiedenen Gründen (u. a. hatte sich Biehl geweigert, nach dem wirtschaftlichen Misserfolg von Müllers Hohlwelt-Sachbuch Welträtsel Universum weitere schon geschriebene Sachbuch-Manuskripte zu veröffentlichen) überworfen. Müller hat Emil Biehl in der Figur des großspurigen „Emil Polle“ in Der Krieg, den keiner wollte ein zweifelhaftes „Denkmal“ gesetzt.
     Dass dieser bitterböse Roman nicht überall auf Gegenliebe stieß, ist erklärlich, zumal die „Kuba-Krise“ (1962), die die Welt tatsächlich in die Nähe eines Atomkriegs geführt und ein entsprechendes Bewusstsein der realen Gefahr bewirkt hat, zu dieser Zeit (1961) erst noch bevorstand.
     Müller hatte daher große Probleme, das Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Nachdem auch sein Leihbuch-„Hausverlag“ Borgsmüller sich nicht zu einer Veröffentlichung entschließen konnte, wandte sich Müller an den Pabel-Verlag, in dem schon Heftnachdrucke einiger seiner Romane erschienen waren. Der Roman muss auf das Lektorat des Pabel-Verlages einen gewissen Eindruck gemacht haben, denn bereits im Vertrag wird bestätigt, dass das Werk als Utopia-Großband Nr. 164 in zwei Teilen erscheinen sollte – eine im Rahmen des üblichen Veröffentlichungszyklus’ völlig unübliche Verfahrensweise, etwas, was Heftroman-Verlage nur ungern machen. Am 17. August 1961 unterschrieb er den entsprechenden Verlagsvertrag. Als Titel taucht hier noch „Die Verworfenen“ auf. Laut Vertrag sollte der Roman am 14. November 1961 erscheinen. Als Honorar wurde ein Betrag von 1.400 DM ausgewiesen, aus dem Verfasser „Paul Murnau“ war nun „Freder van Holk“ geworden. Aber Müller musste das ursprüngliche Manuskript für den auf Heftromane spezialisierten Pabel-Verlag stark umarbeiten, einen neuen Anfang verfassen und den Roman im Ganzen um ca. ein Viertel des Umfangs kürzen. Es entfielen vor allen Dingen philosophische und wissenschaftskritische Dialoge, die Müller wohl am Herzen gelegen haben.
     Die beiden Bände erschienen dann wahrscheinlich (das tatsächliche Erscheinungsdatum konnte nicht ermittelt werden) Anfang 1962 unter einer laufenden Nummer (164 I und II), zusammengehalten von einer weißen Banderole (siehe oben).
     Neben einer besonderen Einführung seitens der Utopia-Redaktion (siehe die Reproduktion auf S. 6) enthielt das Werk noch ein spezielles Geleitwort, in dem erneut auf die Gefahr einer atomaren Vernichtung der menschlichen Rasse hingewiesen wurde.
     Leider hat sich die Weltlage in den letzten Jahren, insbesondere angesichts der Ukraine-Krise, dermaßen verschlechtert, dass ein neuer „Kalter Krieg“ mit entsprechenden Bedrohungs-Szenarien als nicht unwahrscheinlich erscheint. Auf eine derartige erneute Aktualität hätten wir nach über 50 Jahren, nun im 21. Jahrhundert, gern verzichtet.
 

© Copyright 2015 by Heinz J. Galle
 

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