Sprung über die Zeit (1959)
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Über Paul Alfred Müller

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Umschlagbild der Erstausgabe
Umschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Werner Keyen]:
Sprung über die Zeit
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1959 erschienenen Romans
Broschüre, 158 Seiten, 12 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
15,00 € — ISBN 978-3-940679-68-0

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Das Keyen-Quartett (Auszug)
Über Sprung über die Zeit und die übrigen unter Werner Keyen erschienenen Romane

Science Fiction, speziell die sogenannte Space Opera, sei nicht sein Lieblingsthema – so hat es Paul Alfred Müller alias Freder van Holk, etwas verklausuliert, 1955 in einem Beitrag für die Hauszeitschrift des Berliner Gebrüder-Weiß-Verlages verkündet:

Freder van Holk sieht den utopischen Roman nicht als Ausdruck einer enthemmten Phantasie, die das Unmögliche darstellt, sondern beschränkt sich bewußt auf Probleme, deren wissenschaftliche und technische Lösung in absehbarer Zukunft als möglich erscheint. „Ich lege Wert darauf, daß der wissenschaftliche oder technischer Kern jeder Arbeit dem neuesten Stand der Forschung entspricht“, sagt er.

     Als er später von diesem Ideal abwich, zeigte es sich, dass er besser bei diesem löblichen Vorsatz geblieben wäre: Wilde Spekulationen im Weltall – das lag ihm nicht. Wenn er dennoch versuchte, sich auf diesem Sektor mit amerikanischen Vorbildern zu messen, erlitt er Schiffbruch. Seine Art, die „amerikanische“ Science Fiction zu parodieren, gelang nur unzureichend und kam bei den Lesern nicht gut an:

Aufgrund der weitgehend fehlenden Seriencharakteristik fällt es schwer, allgemeines zu den MARK POWERS-Heften zu sagen. Gemeinsam ist den Heften jedoch, daß in thematischer Hinsicht ausschließlich auf die Klischees der Trivial-SF zurückgegriffen wurde. […] Diese Themen wurden fast ausnahmslos auf eine unbeholfene Weise behandelt, selbst in Anbetracht der besonderen Maßstäbe deutscher Heft-SF. Gelegentlich ist die Darstellung jedoch von einer derartig bezwingenden Naivität und Schwülstigkeit, daß man stellenweise geneigt ist zu glauben, die Autoren wollten die SF parodieren.

     Im Gegensatz zu den satirischen „Fehlschüssen“ auf dem Gebiet der Science Fiction bewegte sich Müller auf dem Sektor der humoristischen Erzählliteratur, z. B. in seinen Romanen Gesellschaftsreise – alles inbegriffen, Sommerseide, Die Liebeskarosse und Der Querkopf jedoch durchaus elegant; diese Werke sind auch heute noch gut lesbar.
     Während Müller gegen Ende der 1950er Jahre seine SUN-KOH-Serie für den Hermann-Borgsmüller-Verlag aufbereitete, lieferte er diesem (seinem neuen Hausverlag) zwischen Mai 1958 und August 1960 auch noch die Manuskripte für die serienunabhängigen Romane Jenseits vom Licht, Menschen im Mond, Sprung über die Zeit und Die Minusmaterie. Sie erschienen hier alle unter seinem neuen Pseudonym „Werner Keyen“.

Jenseits vom Licht

Am 16. Mai 1958 unterschrieb Müller den Vertrag für den Roman Jenseits vom Licht. Das Pauschalhonorar dafür betrug 800,00 DM und bewegte sich an der unteren Grenze in diesem Metier. Das Leihbuch erschien 1959, evtl. schon 1958, in einer optimistischen Auflage von 3000 Exemplaren. Der Autor griff hier noch einmal auf eine Idee aus seinem erstmals 1938 erschienenden Roman Blaue Kugel zurück. Auch hier bekommen Erdenmenschen Hilfestellung bei der „Eroberung des Weltalls“ durch Außerirdische. In diesem Fall ist es eine verstoßene Außerirdische namens Oga, die mit ihrer „Raumkugel“ dem Romanhelden die Möglichkeit eröffnet, das eigene Sonnensystem zu verlassen. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass die Begründer der Perry-Rhodan-Serie später ebenfalls auf diese Müller’sche Konzeption zurückgriffen; auch hier ermöglicht ein weibliches außerirdisches Wesen (Thora) mit ihrem kugelförmigen Raumschiff dem Protagonisten den Start in die Weiten des Kosmos.
     P. A. Müller ließ in den Werner-Keyen-Zukunftsromanen seiner Antipathie gegenüber orthodoxen Ansichten freien Lauf. Mit den im Rahmen der sogenannten „Hohlwelt-Theorie“ von ihm wiederholt vertretenen Argumenten versuchte er z. B. hier Einsteins Relativitätstheorie ad absurdum zu führen.
     Die vier Werner-Keyen-Bände sind als „Supronyl“-Pappbände zu 6,80 DM, teilweise parallel (in geringer Stückzahl) auch als Leinenausgaben zu 7,80 DM erschienen. „Supronyl“ war eine schützende Klarsicht-Folie, die über den Pappeinband gezogen wurde, um den Anforderungen der Leihbüchereien zu genügen. Auch das Papier war so dick, dass ein Buch von 280 Seiten etwa 3,5 cm stark war!
     1961 kam der Roman unter dem bekannteren Pseudonym Freder van Holk und mit dem neuen Titel Der Sprung über die Lichtschranke im Rastatter Pabel-Verlag als UTOPIA-GROSSBAND 161, gekürzt und bearbeitet, noch einmal heraus. Rudolf Sieber-Lonati entwarf das Titelbild sogar nach einer Szenenschilderung auf S. 47 der Heftausgabe.

Menschen im Mond

Am 10. Januar 1959 unterzeichnete P. A. Müller den Vertrag für den Roman Menschen im Mond, wobei als Arbeitstitel noch „Der Mann im Mond“ genannt wurde. Die Auflage war nun schon auf 2000 Exemplare begrenzt worden. Das Buch ist offenbar im ersten Quartal 1959 13 herausgegeben worden. In der Verlagswerbung wich man vor Superlativen nicht zurück:

Dieser Roman des bekannten Schriftstellers Werner Keyen ist mehrfach ein Blick in die Zukunft. Er ist ein ergreifendes und himmelstürmendes Erlebnis, geprägt von der Tragik des Widerstrebens zwischen Möglichkeit und Grenze einer erbarmungslos vorwärtsdrängenden Technik.

     In diesem Werk zieht der Mond mit seiner Gravitationskraft nicht nur eine Flutwelle auf der Erde hinter sich her, nein, hier bestrahlen auch noch die Mondbewohner unseren Planeten und lassen die verwirrten Menschen aus Hochhäusern springen.
     Auch diese Müller’sche Space Opera erlebte eine Wiedergeburt im Heftgewand: Der Moewig-Verlag brachte 1961 im Rahmen seiner TERRA-Reihe einen, wie üblich stark gekürzten, Nachdruck unter dem Originaltitel und der ursprünglichen Verfasserangabe heraus (siehe Anm. 9). Das Titelbild von Karl Stephan kann man immerhin als einigermaßen gelungen bezeichnen. Für den Autor erbrachte der Nachdruck immerhin auch noch einmal 500,00 DM. Dafür gab er dem Verlag freie Hand bei beabsichtigten Manuskriptveränderungen:

Der Verlag ist berechtigt, für den Umfang seiner Romanreihen erforderliche oder ihm aus sonstigen Gründen richtig erscheinende Kürzungen und/oder Änderungen in gewissenhafter Bearbeitung vorzunehmen, wodurch der künstlerische Wert des Romans nicht beeinträchtigt werden darf. Der Verlag behält sich auch eine evtl. Titeländerung vor.

Sprung über die Zeit

Ebenfalls 1959 veröffentlichte der Borgsmüller-Verlag den Roman Sprung über die Zeit. Im Untertitel wird er als „Zukunfts-Roman“ bezeichnet. Liest man die Inhaltsangabe, dann stellt man fest, dass Müller hier sogar noch den berüchtigten „Doc“ Smith (Edward Elmer Smith, 1890–1965) mit seiner 1960/61 auch in deutscher Ausgabe erschienenen „Lensmen“-Saga in den Schatten stellt:

Der große Sammy überspringt Jahrtausende und findet, daß man Menschen mit Atombomben glücklich machen [!] kann.

     Ob dies ein Grund war, warum gerade dieser Roman keine Auferstehung im Genre des Heftromans erlebte, konnte nicht ermittelt werden. Müller unterzeichnete den Vertrag mit Borgsmüller am 28. April 1959; es ist daher anzunehmen, dass sein Werk im zweiten, spätestens im dritten Quartal 1959 auf dem Markt erschien. Auch hier lag die Auflage bei 2000 Exemplaren.
     Die Honorarhöhe hatte sich mit ebenfalls 800,00 DM nicht verändert. Etwas fällt allerdings an dieser Buchausgabe sofort auf: Gegenüber der Umschlaggestaltung der beiden ersten Bände war die zeichnerische Interpretation des Themas eleganter, ansprechender; verantwortlich dafür war Johannes Herbert (Johnny) Bruck.

Die Minusmaterie

Der vierte und letzte erschienene Band der unter „Werner Keyen“ laufenden SF-Titel, der Roman Die Minusmaterie, kam 1960 in den Handel sowie in die unzähligen Leihbibliotheken, die sich in Stadt und Land ausgebreitet hatten. Verdächtigerweise führt der Vertrag vom 24. August 1959 keine Auflagenhöhe an! Immerhin hatte man sich nun entschlossen, den Untertitel zu ändern: Nun stand dort richtigerweise die Bezeichnung: „Ein Science-Fiction-Roman“. Erneut hatte der Allrounder Johnny Bruck für das Titelbild einen ausgesprochenen Blickfänger abgeliefert. Auch Wolf Detlef Rohrs SFCE war noch einmal mit einer Werbeseite vertreten.
     Mit der Ausgangssituation, einem Atomunfall, der in England einen riesigen Krater hinterlässt, hatte sich der Verfasser immerhin eines aktuellen Themas angenommen. Im Oktober 1957 war es in England (Windscale/Sellafield) zum ersten aufrüttelnden Atomunfall gekommen. Vier Tage lang (7.–12. Oktober) brannte der Reaktor „Pile No 1“ und erschütterte den Glauben an die segensreiche Atomenergie in nicht unerheblichem Maße. Im weiteren Verlauf der Romanhandlung kommt es erneut zu den, wie man hier schon sagen muss, Keyen’schen Unglaublichkeiten in Sachen Weltraumfahrt, was aber den Pabel-Verlag nicht abhielt, den wiederum gekürzten und bearbeiteten Text als Minus-Materie mit dem Untertitel „Ein Wissenschaftler zwischen Pflicht und Gewissen“ 1962 als UTOPIA-GROSSBAND herauszubringen (siehe Anm. 11). Als Verfasser wurde nun Freder van Holk ausgewiesen. Das Titelbild von Lonati fällt gegenüber Brucks Zeichnung deutlich ab.
     Im Vertrag zwischen Müller und Pabel vom 14. August 1961 wurde ein Honorar von 700,00 DM vereinbart; das waren immerhin 200,00 DM mehr, als der Moewig-Verlag 1959 für Menschen im Mond gezahlt hatte.

Postskriptum

Eigentlich hätte die Überschrift dieses Nachworts „Das Keyen-Quintett“ lauten müssen, denn es existiert noch ein fünfter Werner-Keyen-Roman, der den Titel „Falsche Mesonen“ trägt. Es handelt sich um ein 144 Seiten umfassendes Manuskript, das Müller offensichtlich nicht bei einem Verlag unterbringen konnte; denn auch von ihm verfasste Manuskripte wurden ab und zu abgelehnt. So schrieb ihm Hermann Borgsmüller, der für Müller in den 1950er Jahren auch als eine Art Agent tätig war, 1961 zum Romanmanuskript „Die Verworfenen“, das offenbar für die neue Taschenbuchreihe des Pabel-Verlags in Erwägung gezogen worden war:

Vom Pabel Verlag erhalte ich heute Nachricht, daß Ihr Roman „DIE VERWORFENEN“, den diese Herren erst annehmen wollten, trotz sehr guter Beurteilung des Lektorats, abgelehnt wurde, da für Utopische Literatur in Taschenbuch-Form noch kein ausreichendes Publikum vorhanden ist oder erreicht werden kann.

Immerhin ist das Manuskript 1962 doch noch im Pabel-Verlag erschienen, gekürzt und umgeschrieben als Der Krieg, den keiner wollte, aufgeteilt auf zwei UTOPIA-GROSSBÄNDE.
     Das von P. A. Müller bzw. Werner Keyen konzipierte Vorwort zu „Falsche Mesonen“, lässt eher an einen Kriminalroman denn an einen „Zukunftsroman“ denken; als solchen hatte Müller den Roman untertitelt:

Das ist die Geschichte einer großen wissenschaftlichen Entdeckung, die nie gemacht wurde, aber trotzdem die Schicksale vieler Menschen und eines ganzen Kontinents beeinflußte. Phil Kane experimentiert mit Halbleitern und verunglückt dabei. Sein Freund und Mitarbeiter Dudley Walsh verfeindet sich um den zukünftigen Erfolg und einer Frau willen mit Vernon Kane, dem Bruder des Toten, der selbst in der gleichen Richtung forscht. Mörder setzen sich in Bewegung, Haß und Rachsucht treiben. Während Dudley Walsh sich selbst und seine Schwester verkauft, um schließlich vor dem Unmöglichen zu stehen, erarbeitet sich Vernon Kane verbissen die Millionen, die er für seine Rache braucht. Er zahlt zurück, war er empfing, aber die Genugtuung bleibt ihm versagt, denn alle Schuld verdeckt nur den Irrtum.

Im umfangreichen Materialienband Sun Koh. Der Erbe von Atlantis und andere deutsche Supermänner steht noch etwas mehr zu diesem Roman:

Ausgangspunkt ist eine mysteriöse Explosion in einem Labor, der dort mit Halbleitern experimentierende Physiker Phil Kane kommt dabei ums Leben. Wie sein angereister Bruder Vernon Kane, seines Zeichens ebenfalls Physiker, argwöhnt, war er offensichtlich einer großen Sache auf der Spur, von der sein ehemaliger Freund und Laborpartner Dudley Walsh, der sich zum Zeitpunkt der Explosion außerhalb des Labors aufhielt, jedoch angeblich nichts weiß. Walsh läßt sich von der neugegründeten Afrikanischen Union unter der Präsidentschaft eines in New York aufgewachsenen Schwarzen anwerben, die Union verfügt darauf schon bald über die neuartige Mesonenbombe und kann sich mit Ausnahme der nördlichen Mittelmeeranrainer sämtliche afrikanischen Staaten einverleiben. Der Bruder des verstorbenen Physikers erhielt ebenfalls eine Berufung nach Afrika, schlug das Angebot jedoch aus, darauf wurde ein Mordanschlag auf ihn verübt, den er nur durch Zufall schwerverletzt überlebte. Er taucht darauf unter und schmiedet einen gigantischen Racheplan …

Müller griff hier noch einmal das Thema afrikanischer Potentaten auf, das er schon in den 1930er Jahren in der SUN-KOH-Serie behandelt hatte. 21 Er ging auch in gewisser Weise auf den „Kalten Krieg“ mit den sich gegenüber stehenden Machtblöcken in Zusammenhang mit dem Gerangel in der UNO ein und befasste sich auch mit den Problemen fehlgeschlagener Projekte zur Entwicklungshilfe. Generell schlug er in diesem Roman sehr pessimistische Töne an.

*

Die „Werner-Keyen“-Romane standen, abgesehen von seiner zeitweiligen und teilweise anonymen Mitarbeit an der MARK-POWERS-Serie des Pabel-Verlags (1962/63), am Ende der Laufbahn Paul Alfred Müllers als Verfasser von „Zukunfts-Romanen“; die Redewendung „Ende gut – alles gut“ kann man hier leider nicht anwenden …

© Copyright 2012 by Heinz J. Galle
 

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