Der Krieg, den keiner wollte (1961/62)
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Über Paul Alfred Müller

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Umschlagbild der
Originalausgabe 1961, gezeichnet v. Johnny Bruck

Usmschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]:
Die tödlichen Träume
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1961 erschienenen Romans
Broschüre, 161 Seiten, 17 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
15,00 € — ISBN 985-3-945807-00-2

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Viele Utopien des 18. und 19. Jahrhunderts wurden vom jeweiligen Erzähler mit der Pointe beendet: „Es war alles nur ein Traum …“
     Dass man Träume künstlich erzeugen, dass man Träume manipulieren kann, dass man das Phantasie-Erlebnis des Traumes auf technischem Wege erzeugen kann – all dies war in jener Zeit unvorstellbar. Der Naturwissenschaftler Manfred Baron von Ardenne (1907–1997), den man aufgrund seiner etwa 600 Erfindungen durchaus als „deutschen Edison“ bezeichnen kann, entdeckte bei seinen Forschungen auf dem Gebiet der Elektronenphysik, dass menschliche Körper bei jeder Muskelbewegung elektrische Felder in den Raum ausstrahlen. Damit wurde der Mensch quasi als eine Art Strahlenquelle ausgewiesen.
     Die Schriftsteller des utopisch-phantastischen Genres nahmen diese Erkenntnis dankbar auf und begannen diese Entdeckung für ihre Zwecke auszubeuten. In der Belletristik erschienen nun vermehrt Novellen und Romane, in denen auf technischer Basis künstliche Träume erzeugt wurden.
     In Paul Alfred Müllers Sun-Koh-Serie taucht die Möglichkeit der technischen Manipulation des menschlichen Gehirns in mehreren Erzählungen auf: Im 1934 veröffentlichen Heft 36 (Die künstliche Seele) soll der Schurke Juan García durch die naive Gedankenwelt eines Herrn Trouthan geläutert werden. Der einfältige Trouthan ist mit einem Metallnetz auf dem Kopf versehen worden, seine Gedanken werden auf diesem Wege direkt zum Nachbarn übertragen. Ein Jahr später baute Müller alias „Lok Myler“ diese Idee mit einem Drahtnetz als Sender der Gehirnwellen erneut in die Sun-Koh-Ausgabe 80 (Die mechanische Hypnose) ein. Er sprach hier bereits die gefährliche Möglichkeit einer Massenbeeinflussung menschlicher Gehirne an. Und schließlich nahm er im Sun-Koh-Heft 113 (Der Gefühlssender) das Thema noch einmal auf. Hier ist es bereits ein Sender, mit dessen Hilfe die Menschen emotional beeinflusst werden können. Aus dieser Handlung entstand später der Roman Ferngelenkte Seelen.
     Möglicherweise ließ sich Müller bei diesen Varianten von seinem erfolgreichen Schriftsteller-Kollegen Hans Dominik (1872–1945), dem Doyen der deutschen Zukunftsroman-Autoren, anregen? Von ihm erschien 1933 im Scherl-Verlag, Berlin, der Roman Der Befehl aus dem Dunkel. Als Vorabdruck war das Werk, wie fast immer bei Dominiks Romanen, in der Scherl-Zeitschrift Die Woche von Februar bis Mai 1933 (Hefte 7–18) veröffentlicht worden. Hier ließ der Verfasser wieder einmal die „Gelbe Gefahr“ am Horizont erscheinen: Die Asiaten werden den Deutschen gefährlich, die Feinde aus dem Fernen Osten sind im Besitz alter tibetanischer Geheimnisse, „die Gedanken auf dem Winde senden können“; ein Teufelswerk, das dem Bund zwischen Japan und China dient und dazu führt, dass die territorialen Besitztümer „der weißen Rasse“ an die neuen Machthaber fallen.
     So weit ließ es Müller nicht kommen, aber die Idee der Beeinflussung menschlicher Gehirne durch die Technik des zwanzigsten Jahrhunderts faszinierte ihn schon, er ging immer wieder darauf ein.
     Bereits in der auf Sun Koh folgenden Serie Jan Mayen des gleichen Leipziger Verlages beschäftigte er sich abermals mit der künstlichen Traumerzeugung. Als Heft 20 kam im Jahre 1936 Der Traumhut heraus. In dieser Geschichte lernt der Held den Erfinder Professor Spörli kennen, der einen „Traumulus“ erfunden hat und ihn mit den Worten „Mein Apparat liefert sorgfältig ausgearbeitete Träume in höchster Vollendung“ bewirbt. Dieser Traumspender besteht aus einem Hut, der mit Kabeln und kleinen Apparaten ausgestattet ist. Der eigentliche Traum ist auf einer Art Magnetband fixiert und rollt, scheinbar Stunden, Tage oder noch länger dauernd, in wenigen Minuten im Gehirn des Trägers ab.
     Ein weiterer Ideengeber könnte auch die Erzählung „Die Traumsendegesellschaft“ von Leo am Bruhl gewesen sein, die 1931 (also zwei Jahre vor Beginn der Sun-Koh-Serie) in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens erschienen war, einer seit 1876 im Stuttgarter Union-Verlag bestehenden Familienzeitschrift in Buchform. Der Erzähler in dieser Geschichte bekommt in Südamerika Kontakt zu einem Unternehmen, das behauptet, Träume auf Katalogbasis liefern zu können. Die Gesellschaft kann Träume aller Art bereitstellen; es gibt Träume nach Wahl, Träume nach Sonderwünschen, auch Fernübertragungen sind möglich. Der erste Traum kostet nur 10 Pesos. Der Kunde wird vorab untersucht, ihm wird Blut abgenommen, damit man die für ihn geeignete Telepathiewelle findet, daraufhin kann der jeweilige Traum übertragen werden. Als der Erzähler sich eine noch nicht existierende Wunschfamilie im fernen Deutschland erträumen möchte, muss er ein Foto übergeben, damit der Sendebeamte sich eine Vorstellung von den zukünftigen Kindern des Auftraggebers machen kann,
     Tatsächlich sieht sich der Erzähler dann im Traum in einem Garten sitzen, umgeben von Ehefrau und Kindern. Zum Schluss verwandeln sich allerdings die Kinder in Äpfel an einem Baum. Zur Erklärung teilt ihm die Traumsendegesellschaft mit, dass das Ende des Traumes sich stets selbstständig mache und dass dieses Ende nicht beeinflusst werden könne.
     Unbestritten aber gehen viele Handlungsteile in Müllers Romanheftserien Sun Koh und Jan Mayen und letztlich auch in Die tödlichen Träume auf noch weiter zurückliegende Texte deutscher Autoren zurück. So entdeckte und nutzte Müller unter Verwendung seines bürgerlichen Namens und der Pseudonyme Lok Myler und Freder van Holk ausgiebig Robert Krafts (1869–1916) Kolportageroman Atalanta, die Geheimnisse des Sklavensees als nahezu unerschöpflichen Ideenbrunnen. Der „Traumator“ in Die tödlichen Träume geht zurück auf den „Traumhut“ und die „Traumapotheke“ (so auch der Titel eines in die Handlung eingebetteten Manuskriptauszugs) in den Lieferungen 38 und 39 des umfangreichen Romans.
     Und beide Autoren haben sich vielleicht auch von ihrem Landsmann Kurd Laßwitz (1848–1910) inspirieren lassen, der schon 1886 über einen „Traumfabrikanten“ berichtete und noch früher, 1877, eine „Gehirnorgel“ vorgestellt hatte.
     In Müllers Hausverlag der Vorkriegszeit, dem A.-Bergmann-Verlag in Leipzig, kam 1939 mit Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg ein ungewöhnliches Buch aus der Feder des Sun-Koh-Autors heraus, denn dieses Werk bestand aus vier durch eine Rahmenhandlung verbundene Novellen: „Das eisige Feuer“, „Die wachsende Sonne“, „Der sterbende Stahl“ und „Die gestohlene Schwerkraft“. In Verbindung mit dem vorliegenden Roman Die tödlichen Träume ist besonders die Novelle „Die wachsende Sonne“ (diese Erzählung baute Müller 1950 als Freder van Holk zu einer gleichnamigen aber umfangreicheren Novelle aus) von Interesse. Hierin ging der Autor erneut auf das Thema der künstlichen Traumerzeugung ein, wobei die inhaltliche Nähe zur Erzählung „Die Traumsendegesellschaft“ von Leo am Bruhl besonders auffällig ist:

… „Ein Traum dauert Sekunden, im höchsten Falle wenige Minuten. In dieser Zeit können Sie Jahrzehnte durchleben. Die Gedanken laufen mit der Geschwindigkeit des elektrischen Stroms ab, sobald sie nicht durch die hemmende Siebsperre des Bewußtseins hindurch müssen.“ …
     „Gewiß. Das Prinzip dieses Traumators ist recht einfach. Im Innern befindet sich ein Band, das sehr viel dehnbarer als Gummi ist. Dieses Band wurde im gedehnten Zustand mit den Impulsen des Traums versehen wie etwa ein Filmband mit Lichtbildern. Das Band läuft nun im ungedehnten Zustand ab und bringt die zahllosen Traumimpulse, die eine bestimmte Reaktion auszulösen haben, in dichtester Folge. Die hohe Empfindlichkeit unseres Unbewußten und die Geschwindigkeit der Ganglinienarbeit führt zu einer rückläufigen Dehnung, so daß der Träumende nichts mehr von der Überbeschleunigung bemerkt, sondern im geordneten Zeitmaß erlebt.“ …


     In den Jahren 1960 und 1961 veröffentlichte Müller im Borgsmüller-Verlag, Münster, als Freder van Holk vier Abenteuerromane, die als Steve-Corell-Reihe präsentiert wurden: Abgrund der Versuchung (1960), Die Geier (1961), Der Haijäger (1961), und Die tödlichen Träume (1961). Außerdem erschien mit Die schwarzen Geister (1962) ein weiterer Steve-Corell-Text, allerdings unter der Verfasserangabe „Rolf Hermes“)
     1961 erschien der Roman Die tödlichen Träume mit einem Abenteuer um die Helden Steve Corell und seinen Begleiter Wilson Wobbler, genannt „Wobb“. Der Autor hatte dafür als Basis die Jan-Mayen-Erzählung Der Traumhut (Heft 20) benutzt. Sogar die Figur des Erfinders, Professor Spörli, übernahm er in seine Romanfassung.
Der Verlag sprach im sog. „Waschzettel“ (siehe den Text auf der Einbandrückseite der vorliegenden Neuausgabe) von der „gefährlichste[n] Erfindung aller Zeiten, tödlicher selbst als Kernbomben, weil sie Gehirn, Geist und Seele des Menschen vernichtet, …“
     Und dies ist nicht zu hoch gegriffen, denn die Träume sind doch immer noch die einzigen Paradiese, aus denen wir nicht vertreiben werden möchten!

Copyright 2ß15 by Heinz J. Galle
 

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