Die Unsterblichen (1952)
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Über Paul Alfred Müller

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Schutzumschlag der Erstausgabe
Umschlagbild der Neuausgabe
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Paul Alfred Müller [Lok Myler / Freder van Holk]
Die Unsterblichen
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1952 erschienenen Romans
Broschüre, 167 Seiten, 6 Abbildungen, Vorbemerkungen
17,50 € — ISBN 978-3-940679-64-2

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Am 15. Oktober 1952 schloss Paul Alfred Müller mit dem Münchner Bielmannen-Verlag, seinem damaligen „Hausverlag“, einen Vertrag über die Herausgabe des Romans Die Unsterblichen unter der Verfasserangabe „Freder van Holk“ ab. Noch im gleichen Jahr erschien das Buch in München. Am 1. August 1953 kam es zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Bielmannen-Verlag in München, und dem Gebrüder-Weiß-Verlag in Berlin. Das Berliner Unternehmen, das u. a. schon die überarbeiteten Romane von Hans Dominik im Programm hatte und zum neuen „Hausverlag“ Müllers wurde, übernahm zwölf Titel des Bielmannen-Verlages. Dieser hatte sich darin u. a. dazu verpflichtet, alle Bücher mit Schutzumschlag nach Berlin abzuliefern. So erschienen schließlich diese Müller-Titel noch längere Zeit in Berlin im Gewand des Münchner Bielmannen-Verlages, ohne dass in der Verlagswerbung darauf hingewiesen wurde.
     In diesem Roman schlug Freder van Holk ein „klassisches“ Thema an, nämlich das Problem der Verlängerung des menschlichen Lebens, das seit Jahrzehnten oder länger von der Wissenschaft zu lösen versucht wird. Dass aber das Gelingen eines solchen Experimentes zu unvorstellbaren Komplikationen führen kann, wird uns hier eindringlich vor Augen geführt.
     Als Freder van Holk gestaltete Müller hier nicht nur ein menschliches Drama, sondern er zeigte auch ernste soziale Probleme auf, die sich aus den Bemühungen um künstliche Verjüngung und Lebensverlängerung ergeben. Als Folge der Überalterung wird nämlich die junge Generation völlig zurückgedrängt und findet bis ins reife Mannesalter hinein keine Lebensbasis.
     Das Thema „Alterspyramide“ war in den frühen 1950er Jahren, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, noch nicht „in“. Das könnte ein Grund dafür sein, warum dieser Roman nur 1952 erschienen und seitdem weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Heute ist dieses Problem so akut wie nie und die auf die Spitze gestellte Alterspyramide zu einem drohenden Menetekel geworden.
     Regina Ziegler produzierte z. B. 2007 für das ZDF ein Doku-Drama mit dem Titel 2030 – Aufstand der Alten. Ebenfalls im ZDF lief im April 2012 ihr Sterbehilfe-Doku-Drama Komm, schöner Tod. Es spielt in einer nicht zu fernen Zukunft in einem Deutschland, in dem die Straßen der großen Städte mit demenzkranken Alten bevölkert sind. Die Polizei sammelt die Umherirrenden ein und transportiert sie in Altenverwahranstalten.
     Man ersieht daraus, dass das Thema immer wird präsenter wird; so wurde in Jugendorganisationen einiger Parteien auch schon laut über Leistungskürzungen gegenüber den immer älter, aber auch hilfebedürftiger und vor allem ärmer werdenden sog. „Senioren“ nachgedacht.
     Müller beschrieb schon 1952 in Die Unsterblichen, wie dank des medizinischen Fortschritts im fiktiven Jahre 2024 Menschen so alt werden können wie sie möchten, was zur Folge hat, dass der Anteil der älteren Menschen gegenüber den jüngeren Jahrgängen überproportional anwächst. Fußend darauf entwickelt sich der Widerstand der Jugend, dessen Kämpfer gegen die Ungleichheit der herrschenden Generationenverhältnisse auch vor Anschlägen auf die Produzenten des Verjüngungsmittel „Vitin“ nicht zurückschrecken. Diese Vision mag 1952, als Familien in der Regel noch mehrere Kinder hatten und die Rentner deutlich früher starben als heute, „utopisch“ angemutet haben; heute erscheinen uns solche Aussichten als durchaus realistisch. Daher haben wir uns entschlossen, diesen zu Unrecht fast vergessenen Roman P. A. Müllers heutigen Lesern wieder zugänglich zu machen.
     Noch zu Lebzeiten Müllers erschienen übrigens in Deutschland zwei weitere Romane, in denen sich die Autoren mit dem Thema der immer älter werdenden Menschen befassten. Der 1925 geborene britische SF-Schriftsteller Brian W. Aldiss veröffentlichte 1964 den Roman Greybeard (DA: Aufstand der Alten. München: Heyne, 1967). Hier geht es allerdings mehr um das Überleben alter Menschen, die auf einer Erde dahinvegetieren, deren Zivilisation zusammengebrochen ist, nachdem keine Kinder mehr geboren werden; die Menschheit ist steril geworden. Alle handelnden Personen sind im hohen Alter, ihre Reaktionen auf das herannahende Ende der Menschheit sind durchaus nachzuvollziehen. Und obwohl die Handlung des Romans glaubwürdig und realistisch ist, die Figuren liebevoll präsentiert werden, blieb in den 1960er Jahren auch dieser Roman sowohl in Großbritannien als auch bei uns relativ unbeachtet.
     Fast zeitgleich schrieb der Amerikaner Harry Harrison, der wie Aldiss ebenfalls 1925 das Licht der Welt erblickte, ebenfalls einen SF-Roman zum Thema der Übervölkerung. Er erschien 1966 unter dem Titel Make Room! Make Room! (DA: New York 1999. München, Heyne, 1969). Im Gegensatz zu Aldiss’ Werk erreichte dieser Roman, auch durch die spätere Verfilmung, eine enorme Popularität; Es geht darin um die Übervölkerung der Erde und die damit verbundene Nahrungsmittelknappheit. Die Lösung dieses Problem schockte die Leser und Zuschauer. Der Regisseur Richard Fleischer verfilmte diesen Roman 1973 unter dem Titel Soylent Green (Deutscher Titel … Jahr 2022 … die überleben wollen …) mit Charlton Heston in der Hauptrolle. Mit den Mitteln des Films konnten die schockierenden Auswirkungen der Überbevölkerung noch drastischer dargestellt werden. Und das Thema „Sterben in Würde“ wurde hier in einer denkwürdigen Szene mit Edgar R. Robinson in Szene gesetzt. Es war übrigens seine letzte Filmrolle – er starb kurz nach Beendigung der Dreharbeiten am 26. Januar 1973 in Hollywood …
     Der Roman Die Unsterblichen schließt mit folgender Aussage: „ … daß sich bei zunehmendem Alter eine gewisse Weisheit nicht ganz vermeiden läßt. Und wer möchte der Menschheit eine gewisse Weisheit vorenthalten?“ Leider lässt sich aber auch Altersstarrsinn nicht ganz vermeiden, sodass die Rechnung bestenfalls neutral aufgehen dürfte …
     Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der 1952 erschienenen einzigen Ausgabe des Bielmannen-Verlags, München. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.

Dieter von Reeken / Heinz J. Galle

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