Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg (1939)
Bestellungen bitte an:
Dieter von Reeken, Br.-Grimm-Straße 10, 21337 Lüneburg, Telefon 0 41 31 / 5 94 66, (E-Mail-Adresse zur Spam-Vorbeugung bitte von Hand eingeben), versandkostenfreie Lieferung gegen Rechnung. Beachten Sie bitte auch mein vollständiges Programm auf meiner Startseite.

Über Paul Alfred Müller

emailadresse.gif (1227 Byte)
[Zurück zur Startseite]

á
Schutzumschlag der Erstausgabe
Umschlagbild der Neuausgabe
â

Musterseiten
â

Paul Alfred Müller (hg. von Heinz J. Galle)
Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
Phantastischer Roman
mit den Episoden Das eisige Feuer, Die wachsende Sonne, Der sterbende Stahl, Die gestohlene Schwerkraft
Neuausgabe der 1939 erschienenen einzigen Ausgabe im Neusatz
Broschüre, ca. 180 Seiten, 9 Abbildungen, mit Vorbemerkungen des Herausgebers
Das Buch ist in Vorbereitung für 2011. Vorbestellungen werden gern entgegen genommen.
17,50 € — ISBN noch nicht vergeben

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

> Musterseiten 28 und 29

Über das Buch

„[…] Außerdem lese ich – immer wieder aufs neue, denn ich bin ein äußerst sorgfältiger Leser – die Sammlung mit dem Titel ‚Le Tour du monde‘ , eine Serie von Reiseberichten. Auf diese Weise habe ich viele tausend Notizen aus allen möglichen Gebieten angehäuft […], die, bislang noch ungenutzt, einmal Eingang in meine Werke finden können.“ (Jules Verne, 1893)

In Jules Vernes Nachlass befanden sich 20 000 Zettelnotizen über technische und wissenschaftliche Neuerungen. Auf dieses Archiv hatte er in seinen Werken immer wieder zurückgegriffen.

Paul Alfred Müller scheint nach einem vergleichbaren Prinzip gearbeitet zu haben, wobei er sich auf die rein wissenschaftlichen Aspekte, auf neue Erkenntnisse der Wissenschaft, spezialisierte. In seinen 150 Sun-Koh-Erzählungen (1933–1936) thematisierte er z. B. über 65 neu gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse, Innovationen, die zu jener Zeit gerade erst angedacht wurden oder experimentell nachgewiesen worden waren. In diese Sun-Koh-Erzählungen integrierte er so unterschiedliche technische Visionen wie etwa den Einsatz von Selenzellen als Schutz vor Einbrechern, einen elektrischer Weidezaun, ein Handy – das sich hier allerdings noch „Sprechdose“ nennt –, 3-D-Fernsehen, künstlichen Nebel, usw. usw. Ein gutes Beispiel für seine Arbeitsweise ist an der Entdeckung der Supraleitfähigkeit festzumachen:

Im Jahre 1911 machte der niederländische Physiker Heike Kamerlingh Onnes (1853–1926) die Entdeckung, dass bei bestimmten sehr tiefen Temperaturen (der sogenannten Sprungtemperatur) Quecksilber supraleitend wird, jeglicher elektrischer Widerstand damit aufgehoben ist. Er hatte damit die sogenannte Supraleitung entdeckt. Viele Wissenschaftler begannen danach, sich mit diesem Phänomen zu befassen, so z. B. in Kiel J. Kramer und H. Zahn 1932. Man konnte inzwischen auch den elektrischen Widerstand von bestimmten Metallen – bei Blei sind es beispielsweise –265,957 Grad Celsius – vollkommen verschwinden lassen. Damit wurde das Objekt supraleitend, das heißt ein einmal indizierter Strom blieb längere Zeit darin enthalten.

Auch Paul Alfred Müller hatte diese Entdeckung registriert und thematisierte das Phänomen der Supraleitung 1933 in seiner Sun-Koh-Serie. Hier benutzen Verbrecher Supraleiter für ihre Zwecke: Ein Zigarettenetui, supraleitend gemacht, tötet einen Arglosen, indem es den gespeicherten Strom bei der Berührung mit der warmen Hand schlagartig abgibt.
Hatte Müller sich der Sun-Koh-Serie mit den visionären Ausblicken noch etwas zurückgehalten, so ging er bei Nachfolgereihe Jan Mayen (1936–1938) bedeutend mutiger vor. In diesen Geschichten beschäftigen sich seine Protagonisten mit Hitzestrahlern, Strahlen, die Amnesie hervorrufen, künstlichem Riesenwuchs und Golderzeugung mittels Atomspaltung; seine Protagonisten bekämpfen einen Atombrand auf Grönland, erzeugen künstliche Träume oder erleben gar die Aufhebung der Schwerkraft.

In Jan Mayen beschäftigte sich Müller erneut mit dem Thema der Energiespeicherung in Metallen. In den beiden Folgen Das verlorene Wunder und Das unsichtbare Feuer präsentierte er aufgeladene Magneten, die enorme Hitze oder Kälte abstrahlen konnten, je nachdem, wie der entsprechende Schalter verschoben wurde. Die Helden malen sich die Zukunftsaussichten aus, die die Ausnutzung dieser Art der Energieerzeugung mit sich bringen werden; sie schwärmen davon, dass ein Neues Zeitalter anbricht, in dem Kohle und Öl überflüssig werden. – Das Thema griff Müller schon bald erneut auf.

Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg

Zwischen 1938 und 1940 erschienen im Leipziger Bergmann-Verlag im Rahmen der Buchreihe „Phantastische Romane“ drei Titel von P. A. Müller: Blaue Kugel, Die Seifenblasen des Herr Vandenberg und Sonnenmotor Nr.1 . Die Gabe des Schriftstellers, technisches Wissen mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen, kam in all diesen Büchern voll zum Tragen.

Am 1. September 1939 war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, am 25. November 1939 einigten sich Müller und der Bergmann-Verlag über die Herausgabe des Romans Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg. Dem Autor wurden darin 7½ % des Ladenpreises als Honorar zugesprochen.

In der Vergangenheit wurden utopisch-phantastische Werke mit visionären Ausblicken, die sehr weit in die Zukunft reichten, am Ende besänftigend als Traumgebilde dargestellt. Der Zweite Weltkrieg befand sich zur Zeit der Auslieferung des Buches (4. Dezember 1939) zwar noch im Anfangsstadium, und Deutschland siegte an allen Fronten, wie es die Propaganda vermeldete, aber es schien dem Verlag doch sicherer zu sein, dieses Buch als „Münchhausiade“ zu deklarieren, obwohl es im Untertitel als „Phantastischer Roman“ bezeichnet wurde:

Wenn Herr Vandenberg, der Münchhausen des Jahres 2000, lügt, lügt er gründlich und interessant. Hörten Sie etwa schon vom Permostaten und von der Aktivierung der Kohlensäure? Sind Sie bereits über den Traumator und die Kubographie, über Staubmotor und die Wasserstoffempfindlichkeit unterrichtet? Wissen Sie schon um die Halbierung des Tages, um Sittengewichte, Magnetflugschiffe, den Riß in Südamerika und die Wirkung eines Luftgullys? Wie eine Thymusdrüse entfesselt wird, warum die Maulwürfe aussterben, ein sicheres Mittel gegen Gesichtsfalten und der Einfluß der Einschienenbahn auf den Graswuchs, vom Meer in Afrika, über die Bedeutung der Konserve und die Brücke über den Ärmelkanal, über die Aufschmelzung Grönlands und wieso die Menschen fast drei Meter groß werden – von diesen und anderen Dingen berichtet Herr Vandenberg. Er erzählt nicht für die Einfältigen, sondern ist niederträchtig genug, den Geist seiner Zuhörer in Anspruch zu nehmen und seine Geschichten mit kleinen Bosheiten zu spicken. Aber er tut es mit Humor – das mag ihn entschuldigen.

Neben der zutage tretenden Absicherung mit der Kennzeichnung als „Lügengeschichte“ verrät der Verlag aber auch, dass der Autor hier ein Feuerwerk von Zukunftsprojekten entfacht. An Einfallsreichtum übertrifft dieser ambitionierte Zukunftsroman seine weiteren einschlägigen Werke um Längen und erinnert damit an den Stellenwert, den die Bilder aus der Zukunft im Werk von Kurd Laßwitz haben, der übrigens seiner 1890 erschienenen Erzählungssammlung den Titel – Seifenblasen [!] gegeben hatte. Die Handlung spielt in einer, für damalige Verhältnisse, fernen Zukunft im Jahre 2004, der Erzähler befindet sich nach einem Unfall im Hause des Herrn Vandenberg, und dieser erzählt ihm unglaubliche Geschichten. In vier utopischen Szenarien lässt Müller seiner Phantasie freien Lauf. Die Episoden tragen die Überschriften „Das eisige Feuer“, „Die wachsende Sonne“, „Der sterbende Stahl“ und „Die gestohlene Schwerkraft“.

In den einzelnen Kapiteln wird beispielsweise Grönland vom Eise befreit. Dann steigen die Temperaturen aufgrund einer Veränderung der Sonne rapide an, die Menschheit flieht ins Erdinnere. Ein Komet, der aus atomaren Wasserstoff besteht, lässt jeglichen Stahl zerbröckeln, die Zivilisation wankt. Ein Planetoid streift die Erde und lässt unseren Planeten schneller rotieren – mit all den daraus resultierenden Folgen.

Es sind fast alles Science-Fiction-Ideen die, wie wir glaubten, uns eigentlich erst nach 1945 als sensationelle Geistesblitze aus Amerika verkauft wurden. Selbst so phantastische Vorstellungen wie die Teleportation von Menschen, wie sie so eindrucksvoll in dem SF-Film Die Fliege (1958) demonstriert wurde, beschreibt unser Autor bereits 1939. Sein Protagonist lässt sich nach Brasilien „kubographieren“ – heute würde man „beamen“ sagen.

Aus diesem „Steinbruch der Ideen“ bediente sich Müller im Laufe der folgenden Jahre mehrmals.

Und alle Feuer verlöschen auf Erden

Nach Kriegsende gehörte Müllers Heimat zur Sowjetischen Zone. Das Haus war teilweise zerstört, es gab kaum Nahrungsmittel und Heizmaterial. Daher wagte es PAM 1948, mit Hilfe eines Freundes über die „grüne Grenze“ zu flüchten. Mit seiner Ehefrau, die ihm einige Zeit später gefolgt war, siedelte er sich in Murnau am Staffelsee in Oberbayern an. Schon von seinem ursprünglichen Wohnort aus hatte er Kontakt zu diversen Verlagen im Westsektor gesucht. So erschienen noch im gleichen Jahr seiner Flucht in der „Bizone“ zwei Werke aus seiner Feder:

1948 erschien Die Diamantenklippe , hier noch unter dem alten Pseudonym Lok Myler. Es handelte sich um eine Neuausgabe des bereits 1935 in Berlin veröffentlichten gleichnamigen Romans, in dem er einige abenteuerliche Sun-Koh-Episoden zusammengefasst hatte.

Das andere Unternehmen, mit dem Müller im Jahre 1948 zusammenarbeitete, war der Braunschweiger Löwen-Verlag. Hier erschien unter seinem neuen Pseudonym Freder van Holk Und alle Feuer verlöschen auf Erden . Für diesen Roman hatte er die Episode "Das eisige Feuer" aus den Seifenblasen des Herrn Vandenberg mit veränderten Personennamen um- und ausgearbeitet. Außerdem verwendete er in diesem Werk noch Innovationen aus der Jan Mayen-Serie. Im Roman wird beschrieben, wie durch eine neuartige Energiequelle Öl und Kohle auf Erden überflüssig werden. Noch im gleichen Jahr erschien im Löwen Verlag sein zweiter utopischer Roman Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag. Ab März 1949 bis zum Juni 1953 erschien im später als Planet-Verlag firmierenden Löwen-Verlag Müllers Sun-Koh-Serie unter dem neuen Pseudonym Freder van Holk.

Mit Schreiben vom 15. August 1951 gab der Verlag die Rechte an den beiden bei ihm erschienenen utopischen Romanen an den Autor zurück. Dem Schreiben lag ein Scheck über 604,22 DM als fällige August-Rate für die Sun-Koh-Veröffentlichungen bei. Müller verfügte mit diesen monatlichen Einnahmen bis 1953 über eine gesicherte finanzielle Basis.

Im Januar 1957 vereinbarte der Verlag der Gebrüder Weiß in Berlin mit dem Autor eine Neuausgabe von Und alle Feuer verlöschen auf Erden: Im Rahmen der Buchreihe „Romane aus der Welt von morgen“ kam die Neuausgabe mit dem leicht abgewandelten Titel Alle Feuer verlöschen auf Erden heraus. Die Erstauflage betrug 6000 Exemplare. Für die Übertragungsrechte zahlte der Verlag 2000,00 DM.

Die wachsende Sonne

Im November 1948 schloss Müller mit dem Braunschweiger Löwen-Verlag einen Vertrag über die Veröffentlichung des Titels „Die wachsende Sonne“ ab. Warum das Werk dann in diesem Verlag nicht (mehr) erschienen ist, konnte nicht ermittelt werden.

In Paul Alfred Müllers neuem „Haus-Verlag“ (seit 1949), dem Münchener Bielmannen-Verlag, kam dieser Titel schließlich 1950 auf den Markt. Der Autor hatte die Episoden „Die wachsende Sonne“ und „Der sterbende Stahl“ aus den Seifenblasen des Herrn Vandenberg, die dort zusammen lediglich 72 Seiten umfassten, zu einem 318 Seiten umfassenden Werk ausgearbeitet. Unter dem Pseudonym Freder van Holk präsentierte er die Geschichte von der sich erwärmenden Sonne, die zu einer radikalen Veränderung von Flora und Fauna führt und den Planeten in ein längst vergangenes Erdzeitalter zurückwirft.

Die zweite Auflage dieser Neuausgabe wurde ab August 1953 vom Berliner Gebrüder-Weiß-Verlag, Müllers neuem „Haus-Verlag“, vertrieben. Dieser Verlag hatte sämtliche van-Holk-Restauflagen aus dem nicht mehr aktiven Bielmannen-Verlag übernommen.

Und nun, nach 72 Jahren, schließt sich der 1939 begonnene Kreis: Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg liegen in nun einer Neuausgabe vor und gestatten einen Blick in den Phantasiereichtum des Paul Alfred Müller. Diese Ausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der 1939 erschienenen Erstausgabe; lediglich die Rechtschreibung ist an die neuen Regeln angeglichen worden.

Mögen die gestrigen und die heutigen Leserinnen und Leser sich an dieser Neuausgabe (wieder) erfreuen!

Heinz J. Galle

[Zurück nach oben]

Musterseiten 28 und 29:

 

[Zurück zur Startseite] - [Zurück nach oben]