Welträtsel Universum (1949) und andere theoretische Schriften
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Paul Alfred Müller
Welträtsel Universum
Schriften über die Hohlwelttheorie, Zukunftsromane und die Relativitätstheorie aus den Jahren 1940–1959
Inhalt: Welträtsel Universum (1949) | Buchbesprechung von F. Sondheimer (1956) | Kritik der Hohlwelttheorie (1940) | Freder van Holk (1955) | Soll man Zukunftsromane lesen? (1955) | Zur Relativitätstheorie (1959)
Broschüre, 317 Seiten, 92 Abbildungen, Vorbemerkungen

Das Buch ist in Vorbereitung für Mai 2011. Vorbestellungen werden gern entgegengenommen.
22,50 € — ISBN 978-3-940679-45-1

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)

Über das Buch

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen
WELTRÄTSEL UNIVERSUM (1949)
Das Problem
Zwischen den Epochen – Der Mensch als Nichts im Nichts – Ist Dogmatik in der Astronomie möglich? – Wissenschaft als Glaube – Zeugen gegen Kopernikus – Hohlwelttheorie contra Kopernikus – Astronomische Außenseiter.
Die Mittel und Methoden der astronomischen Forschung
1. Das Auge: Die optische Tarnkappe – Radiosender im Weltenraum – Das Himmelsgewölbe – Der Horizont.
2. Fernrohre: Zur Helligkeitsverstärkung – Zur Vergrößerung.
3. Die künstlichen Augen: Selenzelle und Alkalizelle – Photographie – Das Spektrum – Der Doppler-Effekt.
4. Mathematik und Gesetze: Die Mathematik als denkbürokratisches Hilfsmittel – Die Grundgesetze des kopernikanischen Weltbilds von Kopernikus bis Einstein.
Schwierigkeiten der kopernikanischen Forschung
Eine Handvoll Luft – Die Extinktion – Die Refraktion – Sternbewegungen – Parallaxen und Entfernungsmessungen – Die Abberation – Die Lichtzeitverschiebung – Störfaktoren.

Unbewiesene Voraussetzungen
Primäres Licht – Äthertheorien – Die historische Zwangsjacke – Gradlinigkeit des Lichts – Radiophänomene – Heißes Licht.
Primäre Wärme – Jahreszeiten und Klimazonen.
Bestandhafte Gaskugeln – Die Trägheit – Die Gravitation – Die Gezeiten
Astronomische Widersprüche
Der unendliche leere Raum – Die Sonne – Die Entstehung der Erde – Das Alter der Erde – Das Innere der Erde.
Im Namen der Wissenschaft
Die andere Möglichkeit
Ist die Erdoberfläche konkav gewölbt?
Direktmessungen – Lotmessungen – Inklinationsnadeln – Höhenstrahlen – Infrarotaufnahmen – Richtstrahlen – Rundfunk – Erdschein auf Mond.
Ruht die Erde?
Physik contra Astronomie – Rotation gegen Elektronenstrom – Kreiselkompaß – Zentrifugalkraft – Luft und Wasser – Schwermaterie – Erde zerreißt nicht – Erde verbrennt nicht.
Krümmt sich das Licht?
Experimentell nachgewiesene Lichtkrümmungen – Astronomische Lichtkrümmungen – Kraftlinien eines Magneten – Temperaturunterschiede.
Die Hohlwelttheorie
Vorfragen: Wie groß ist das Universum? – Leben wir in der Erde? – Was ist außen? – Lichtwege der Erdwelt – Tag und Nacht – Die Jahreszeiten – Himmelsmechanik der Erdwelt – Mondphasen und Finsternisse.
Revolution des Geistes
Literaturverzeichnis

Anhang: Buchbesprechungen zu Welträtsel Universum

KRITIK DER HOHLWELTTHEORIE [1940]
[Einleitung]
Die Idee der Hohlwelt
1. Die Lichtwege in der Hohlwelt
2. Ist die Erdoberfläche konvex oder konkav? a) Der Horizont – Photographie der Erdkrümmung – c) Winkel- und Positionsmessungen – d) Direkte Messungen der Erdkrümmung
3. Rotiert die Erde?
4. Sonstige Kritik an der Hohlwelttheorie

ZEITSCHRIFTENBEITRÄGE
Freder van Holk [1955]
Soll man Zukunftsromane lesen? [1955]
Zur Relativitätstheorie [1959]

Eine notwendige Klarstellung vorab

Die Herausgeber möchten vorsorglich klarstellen, warum die 1940 bzw. 1949 erschienenen theoretischen Schriften Müllers zur sog. „Hohlwelttheorie“ nach über 60 Jahren wieder veröffentlicht werden: Sie wollen damit keine Propaganda für oder gegen diese heute kaum noch bekannte und den meisten Menschen als wunderlich erscheinende Theorie verbinden. Die Wiederveröffentlichung des Buches erfolgt allein, um den Lesern der utopischen Romane von P. A. Müller alias Lok Myler, Freder van Holk und Werner Keyen Gelegenheit zu geben, die Gedankenwelt kennenzulernen, in der sich der Autor beim Schreiben seiner Romane mit „Hohlweltbezug“ bewegt hat. Es soll verdeutlicht werden, dass Müller hier nicht, wie viele seiner Schriftstellerkollegen, einfach eine fiktive Alternativ- oder Parallelwelt erdacht und seine Erzählhandlungen hineingesetzt hat, sondern dass er davon überzeugt war, im Sinne der Hohlwelt-Vertreter erklärend-aufklärend tätig zu sein und damit auf unterhaltende Weise „für die Wahrheit“ zu werben.
Erst wenn man seine theoretischen Schriften kennt, wird deutlich, wie ernst es Müller mit diesem „neuen Weltbild“ war. Der geradezu inflationäre Gebrauch von Hervorhebungen im Text durch Fettdruck, der sendungsbewussten „Propheten“ oft eigen ist, findet sich auch hier.
Mehr wollen die Herausgeber mit der Wiederveröffentlichung nicht erreichen, vor allem nicht Argumente und Gegenargumente der Vertreter des etablierten kopernikanischen und des sogenannten „kosmozentrischen“ Weltbilds diskutieren. Die Gründe liegen auf der Hand:
Beide Systeme haben ihnen eigene Axiome, also Grundannahmen, die die Basis für das jeweilige Weltbild bilden. Auf der Grundlage der Axiome des einen Weltbildes kann man gegenüber den Anhängern des anderen Weltbilds das eigene nicht beweisen und das andere (das abweichende, meist entgegengesetzte Axiome hat) nicht wiederlegen. Es ist nämlich so, dass beide Theorien bei entsprechender Weiterentwicklung mit unseren Erfahrungen in Einklang zu bringen sind: Auch die nach 1957 und 1969 in ihren Axiomen ergänzte Hohlwelttheorie lässt Erdsatelliten und Mondreisen zu; man braucht sich nicht einmal in Fälschungs- oder andere Verschwörungstheorien zu flüchten.
Das Thema kann und soll hier nicht vertieft werden. Wie die Welt „wirklich“ ist, das hängt doch von der Erfahrung ab: Ein Mensch erfährt „die Welt“ anders als ein Grottenolm oder ein Tiefseefisch; leben und handeln können sie alle, unabhängig davon, was „wirklich“ ist.
Ist denn das Zebra weiß und hat schwarze Streifen – oder ist es umgekehrt? Bildet beim Fotografieren das Negativbild oder das abgezogene Positivbild, nur weil es unserer Erfahrung entspricht, die „wirkliche“ Welt ab? Beide Bilder enthalten – mit jeweils anderen Vorzeichen – die gleichen Informationen. Ist der additive oder subtraktive Farbkreis „richtig“? In beiden können alle Farben dargestellt werden.
Die Herausgeber fühlen sich jedenfalls in der „kopernikanischen“ Welt „zu Hause“ und vermissen kein anderes Weltbild. Jeder kann es damit halten wie er will; in Schule, Studium und Beruf sollte man sich allerdings genau überlegen, ob sich das dauernde „Schwimmen gegen den Strom“ lohnt. Sie empfehlen daher, die Hohlwelt in Müllers Romanen als fiktive durchstrukturierte Alternativ- oder Parallelwelt zu verstehen. Diese Welt nachvollziehbar zu machen soll Aufgabe des Wiederabdrucks von Welträtsel Universum und der anderen Schriften sein.

Welträtsel Universum

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wetteiferten zwei kosmologische Theorien um die Gunst der Öffentlichkeit – die „Welteislehre“ und die „Hohlwelttheorie“. Bemerkenswert an beiden Gedankengebäuden ist die Tatsache, dass beide von Autodidakten errichtet wurden.
Der Österreicher Hanns Hörbiger (1860–1931) hatte zwar nur die Maschinenbauschule des Technologischen Gewerbemuseums in Kärnten besucht und kein Hochschulstudium absolviert, aber er war auf dem Gebiet der Wärme- und Kältetechnik zu einem Experten geworden. Seit 1894 beschäftigte er sich mit seiner „Welteistheorie“, die er 1912 zusammen mit Philipp Fauth (als Herausgeber) unter dem Titel Hörbigers Glacial-Kosmogonie veröffentlichte. Danach besteht die Milchstrasse aus Eis, und die Erde hatte im Laufe ihrer Geschichte mehrere Eismonde, die sich auflösten und Sintfluten hervorriefen. Auch die Saturnringe bestehen danach aus Eis, die Marskanäle sind lediglich Überfrierungen der Eiskugelkruste usw. usw.
Erstaunlich ist, dass diese Theorie auch heute noch Anhänger hat und findet. Noch verblüffender ist, das selbst die Hohlwelttheorie in der heutigen Zeit, in der Astronauten um die Erde und zum Mond fliegen, noch diskutiert und verteidigt wird.
Johannes Lang (1899–1967) baute auf den Vorarbeiten Karl Neuperts auf, der Ende der 1920er Jahre in mehreren Werken den „Sturz des kopernikanischen Weltsystems“ prophezeit hatte. Lang machte die Theorie mit Hilfe des Frankfurter Verlages Schirmer & Mahlau allgemein bekannt. Hier erschienen u. a. seine Bücher Welt, Mensch und Gott (2. Aufl. 1934) sowie Die Hohlwelttheorie (2. Aufl. 1938).
Es gibt Theorien die leicht fasslich sind, wie etwa die Atlantis-Theorie oder Erich von Dänikens These vom Besuch Außerirdischer auf Erden, und es gibt sperrige Theorien wie die Hohlwelttheorie. Der Leser jener einschlägigen Werke wird mit einer Flut von Berechnungen und Behauptungen überschüttet, die er selber überhaupt nicht nachvollziehen kann. So konfrontiert auch Johannes Lang in seinem Buch die Leser mit Messungsbeweisen, Radio-Phänomenen, magnetischen Kräften, den Bahnen der Himmelskörper, Parallaxen, Aberrationen und dem Doppler’schen Prinzip. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: „Die Menschen sind immer bereit sich für etwas zu engagieren – vorausgesetzt, das Thema ist ihnen nicht ganz klar!“
Aber Johannes Lang beschäftigte sich nicht nur mit Himmelsmechanik, sondern in seinem schon erwähnten Hauptwerk Welt, Mensch und Gott u. a. auch mit Platos Atlantis-Version und stellte die These auf, dass Atlantis die Mutter der weißen Menschheit gewesen und von ihr die Herkunft der „nordischen Rasse“ abzuleiten sei.
Von Johannes Lang führt ein direkter Weg zu Paul Alfred Müller. Beide Männer waren lange Zeit befreundet. Müller stellte seinem Hohlweltroman Und sie bewegt sich doch nicht (Frankfurt am Main: Schirmer & Mahlau, 1939), in dem er Lang in erzählender Form ein literarisches Denkmal setzte, folgende Widmung voran: „Johannes Lang, dem Schöpfer der Hohlwelt-Theorie in dankbarer Verehrung gewidmet.“
Und ebenso wie Lang betätigte sich auch Müller als „Titan“; es grenzt schon an Hybris, wenn ein noch verhältnismäßig junger Mann wie er in vier umfangreichen Manuskripten („Welträtsel Universum“, „Welt rätsel Materie“, „Welträtsel Leben“, „Welträtsel Mensch“) der gesamten etablierten wissenschaftlichen Welt den Fehdehandschuh hinwirft: Wie sein Vorbild Lang schlug er einen weiten Bogen und beschäftigte sich in den vier Manuskripten mit einem neuen Bild des Kosmos, der Unzulänglichkeit physikalischer Forschung, widerlegte Darwins Evolutionstheorie und gab seine Sicht auf die Einstein’sche Relativitätstheorie preis.
Am 12. März 1949 hatte der Bielmannen-Verlag in München mit Müller einen Vertrag über die Veröffentlichung der vier besagten Manuskripte abgeschlossen. Nachkriegsbedingt war der § 8 des Vertrags:

„Der Verlag verpflichtet sich, das Werk WELTRÄTSEL UNIVERSUM nicht später als 9 Monate nach Vertragsabschluß erscheinen zu lassen. Voraussetzung für die Einhaltung ist jedoch die Möglichkeit der Beschaffung des notwendigen und geeigneten Papieres.“

Dem Verfasser wurden in dem Vertrag fünf Freiexemplare zugestanden; § 11 wies allerdings bereits darauf hin, dass nach Ablauf von zwei Jahren beide Parteien das Recht hätten, diesen Vertrag zu kündigen. Eine Vertragslösung wurde ebenfalls für den Fall vorgesehen, dass der Absatz in zwei aufeinander folgenden Jahren unter 150 Exemplare sinken würde.
Die Vorsicht des Verlages bestätigte sich im Laufe der Zeit, denn einige Jahre später bekannte der Unternehmer, dass er mit der Herausgabe dieses ersten „Welträtsel“-Werkes über 5000,00 DM Verlust gemacht habe und dass von den gedruckten 2100 Exemplaren nur 758 verkauft worden seien.
Dabei war das Projekt von beiden Seiten mit großen Hoffnungen gestartet worden. Welträtsel Universum. Astronomie im Kreuzverhör. Eine kritische Untersuchung von P. A. Müller-Murnau, so lautete der angriffslustige Titel. Und ebenso wie Lang beschäftigte sich auch Müller mit den angeblichen Schwierigkeiten kopernikanischer Forschungsergebnisse, kreidete unbewiesene Voraussetzungen an, deckte astronomische Widersprüche auf und bestritt im Prinzip jegliche astronomische Messmethode. Vorahnend heißt es bei ihm:

Toleranz ist eine schöne menschliche Eigenschaft. Wir begrüßen sie mit Freuden, wo sie immer auftritt, und würden uns besonders glücklich schätzen, wenn sie auch uns zugute käme.

Nun – es gehört Mut dazu, einen Satz wie „Die Erde kreist eben nicht um die Sonne, sondern ruht.“ in den Raum zu stellen. Die Schlussworte des gesamten Werkes versöhnen uns dann wieder mit dem Verfasser:

Wir vermuten auf Grund des dargestellten Materials, daß die Hohlwelttheorie der kosmischen Wirklichkeit entspricht, aber wir sind für jeden gegenteiligen Nachweis dankbar, denn schließlich geht es nicht um Kopernikus oder die Hohlwelttheorie, sondern um die wissenschaftliche Wahrheit.

Der Autor unterbaute seine Weltanschauung mit umfangreichem Beweismaterial. Dass er aber auch prägnant formulieren konnte, bewies er auf Seite 247f., wo er die gesamte Hohlwelttheorie in fünf Sätzen zusammenfasste.
Was Autor und Verlag damals besonders depressiv stimmte war das Fehlen jeglicher aufgeregter Kritik von Seiten der attackierten etablierten Wissenschaftler. Eine erst mehr als fünf Jahre nach der Veröffentlichung des Buches erschienene Rezension durch den Theologen Friedrich Sondheimer (im Anhang dieser Neuausgabe abgedruckt) fiel obendrein auch noch wenig freundlich aus.

Weitere theoretische Schriften

Neben Welträtsel Universum hat P. A. Müller auch weitere theoretische Schriften verfasst. Es begann mit der Streitschrift (Man beachte die Leidenschaft in den Formulierungen und die übergroße Zahl an Hervorhebungen durch Fettdruck.) Kritik der Hohlwelttheorie, die er 1940 unter Verwendung einiger Abbildungen und vor allem der Argumente aus dem „klassischen Hohlwelt-Buch“ Die Hohlwelttheorie von Johannes Lang zur Verteidigung der Hohlwelttheorie und vor allem des Lang-Buches gegen zeitgenössische Stellungnahmen „kopernikanischer“ Autoren verfasst hatte.
Nach seinem theoretischen Hauptwerk Welträtsel Universum veröffentlichte Müller im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der „Gesellschaft für Erdweltforschung“ (zeitweise auch „IN-Club genannt) mit Sitz an seinem Wohnort Murnau am Staffelsee neben Werbeblättern und mehreren Beiträgen in den Vereinsmitteilungen u. a. die Schriften Bewegungsgesetze und Entfernungen im Geokosmos (1955), in überarbeiteter Fassung 1957 neu veröffentlicht unter dem Titel Kosmozentrische Bewegungsgesetze und (als Zusammenfassung des unveröffentlicht gebliebenen Manuskripts „Welträtsel Materie“) 1961 Der Mikrokosmos. Ebenfalls als Auszug aus „Welträtsel Materie“ mit dem Hinweis „Exclusivvorabdruck“ erschien 1959 in ANDROMEDA, der Zeitschrift des „Science Fiction Club Deutschland“ (Nr. 17), der Beitrag Zur Relativitätstheorie.
Im ersten Heft der Hauszeitschrift des Berliner Gebr.-Weiß-Verlages, DIE WELT VON MORGEN, veröffentlichte P. A. Müller 1955 den eher werbenden Beitrag Soll man Zukunftsromane lesen? Im gleichen Heft findet sich ein Beitrag ohne Verfasserangabe über den Hausautor „Freder van Holk“. Neben den beiden letztgenannten Beiträgen wird auch dieser anonyme Beitrag im vorliegenden Sammelband wieder veröffentlicht, weil Müller den Text wahrscheinlich (zumindest teilweise) selbst verfasst haben dürfte.
Weitere theoretische Schriften wie z. B. „Welträtsel Leben“, „Welt rätsel Materie“ und „Welträtsel Mensch“ sind nicht oder nur auszugsweise (siehe oben) veröffentlicht worden. Die Manuskripte sind größtenteils verschollen.
Abschließend soll aber nun dem Paul Alfred Müller Gerechtigkeit widerfahren: Der Psychologe Dr. Jürgen vom Scheidt stuft Müller in seinem Buch Zeittafel zur Psychologie von Intelligenz, Hochbegabung und Kreativität als hochbegabt ein, und schreibt dazu:

Die Serie [SUN KOH] läuft über 150 Etappen, … sie ist zunächst eine unglaublich physische und intelligente Leistung Müllers, der dies neben seinem Vollzeitberuf als Direktor einer Berufsschule bewältigt. … Darüber hinaus ist die Serie eine unglaublich spannende und zudem lehrreiche Geschichte. …der Autor zeigte deutliche Merkmale eines Hochbegabten (u. a. war er auch ein exzellenter Schachspieler.).

Und schließlich gebietet es die Fairness gegenüber dem Verfasser, noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Texte zwischen 1940 und 1959, also teilweise vor mehr als 70 Jahren, erschienen sind und nicht den heutigen Kenntnisstand berücksichtigen konnten.

Editorische Hinweise

Dem vorliegenden Sammelband liegen die folgenden Veröffentlichungen zugrunde:

P[aul] A[lfred] Müller: Kritik der Hohlwelttheorie. – Frankfurt am Main: Schirmer & Mahlau, 1940. 40 S. – Heft, ca. 23,5 x 16,5 cm, mit Abb.

P[aul] A[lfred] Müller-Murnau: Welträtsel Universum. Astronomie im Kreuzverhör. Eine kritische Untersuchung. – München: Bielmannen, 1949. 272 S. zuzüglich 2 S. Literaturverzeichnis und 2 S. Werbung. – Ganzleinen, ca. 23,0 x 16,5 cm, Goldprägung, farbiger Schutzumschlag von O. Schmailzl.

[Anonym:] Freder van Holk. – In: DIE WELT VON MORGEN 1 (1955), Heft 1, S. 8. – Hauszeitschrift des Gebrüder-Weiß-Verlags, Berlin, für die Freunde technischer Zukunftsromane, ca. 31,0 x 21,5 cm.

P[aul] A[lfred] Müller: Soll man Zukunftsromane lesen? – In: DIE WELT VON MORGEN 1 (1955), Heft 1, S. 4. – Hauszeitschrift des Gebrüder-Weiß-Verlags, Berlin, für die Freunde technischer Zukunftsromane, ca. 31,0 x 21,5 cm.

Freder van Holk: Zur Relativitätstheorie. – In: ANDROMEDA 5 (1959), Nr. 17, S. 1–7. – Mitgliederzeitschrift des Science Fiction Club Deutschland, 29,7 x 21,0 cm, hektografiert.

Der Text selbst ist, da es sich nicht um Erzählungen, sondern um (wenn auch „grenzwissenschaftliche“) Sachliteratur handelt, hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung, unangetastet geblieben. Offensichtliche Druck satz fehler im Original sind stillschweigend berichtigt worden. Aus technischen Gründen erfolgte die Silbentrennung nach den seit 1996 geltenden neuen Regeln. Im Original fett, unterstrichen oder gesperrt gesetzte Texte werden hier entsprechend wiedergegeben. Bei der Wiedergabe einiger Abbildungen (insbesondere Fotos) waren Qualitätsverluste leider nicht zu vermeiden.
Wir hoffen, dass diese Neuausgabe dazu beiträgt, den in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen Menschen und Schriftsteller Paul Alfred Müller und seine Werke vor dem Vergessen zu bewahren, auch wenn es oft schwer fällt, seinen Gedankengängen in diesem Buch zu folgen.

Heinz J. Galle / Dieter von Reeken

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Auszug aus Welträtsel Universum, Kapitel "Im Namen der Wissenschaft" ( S. 179ff.):

Toleranz ist eine schöne menschliche Eigenschaft. Wir begrüßen sie mit Freuden, wo immer sie auftritt, und würden uns besonders glücklich schätzen, wenn sie auch uns zugute käme. Leider haben wir jedoch feststellen müssen, daß sich unsere Akademiker in dieser Hinsicht zum Opfer einer frommen Selbsttäuschung machen. Das, womit sie sich schmücken, ist keine schöne menschliche Toleranz, sondern eine kollegiale Rücksichtnahme innerhalb eines geschlossenen Kreises von Standesgenossen. Die fremde wissenschaftliche Theorie wird nicht geschont oder nur mit behutsamen Worten angegriffen, weil eine wissenschaftliche Toleranz dazu drängt, sondern weil der Akademiker gleicher Graduierung hinter ihr steht. Das wird augenfällig, sobald eine wissenschaftliche Theorie von einem Außenseiter kommt. Dann ist nämlich von jener sagenhaften Toleranz nichts mehr festzustellen. Die Theorie des Außenseiters wird durchaus nicht mit Achtung hingenommen und mit ruhiger Sachlichkeit auf ihre Bestandhaftigkeit geprüft, sondern der Außenseiter wird sehr schnell zum Scharlatan erklärt und seine Darstellung verworfen, bevor man sie überhaupt recht kennt. Das behaupten wir nicht blindlings, sondern auf Grund bestimmter historischer (siehe etwa das Urteil über Daguerre, das wir zitierten) und gegenwärtiger Erfahrungen. Die wissenschaftliche Haltung dem Außenseiter gegenüber ist sogar eine ausgesprochene Intoleranz, die sonst übliche menschliche Verhaltungsweisen annulliert und weder vor gröbsten Mitteln noch vor Existenzschädigungen zurückschreckt.
Und wir bitten weiter zu bedenken:
So angenehm eine kollegiale Rücksichtnahme innerhalb eines Fachkreises sein mag, so darf doch nicht übersehen werden, daß sie zu schweren Schädigungen führen kann, die das betreffende Sachgebiet und darüber hinaus die Öffentlichkeit treffen. Es ist zweifellos nett, wenn ein Arzt nachsichtig über die falsche Diagnose seines Kollegen hinweggeht, aber dem Kranken, der an ihr stirbt, wäre die harte Korrektur und die rücksichtslose Feststellung der Wahrheit zweifellos lieber. In der Astronomie hat eben diese Bereitwilligkeit, die Auffassung des Kollegen anzuerkennen, zu dem gegenwärtigen absurden Zustand geführt — daß nämlich ganze Serien von Theorien vorliegen, die sich einander mehr oder weniger widersprechen und daß zugleich niemals an eine ernsthafte Überprüfung der Ausgangsstellung gedacht wird. Es ist ja klar: Wenn eine Theorie Spielraum für die abseitigsten und gegensätzlichsten Deutungen läßt, dann entsteht kein Anlaß, die Theorie selbst anzugreifen. Wenn das kopernikanische Weltbild erlaubt, die Erde bald als Sonnenspritzerchen
oder bald als Kern eines Explosionsherdes entstanden zu sehen, ihr ebenso ein Alter von einigen hunderttausend wie von einigen Milliarden Jahren zuzuschreiben, die Sonne bald als Gasball, bald als Feuerkugel und bald als kühles, bewohnbares Gestirn zu betrachten usw., dann sieht sich der Astronom eben niemals genötigt, seine Fundamente zu überprüfen. Wir meinen, es wäre wahrhaftig besser, weniger rücksichtsvoll zu sein und eine Aussage scharf und deutlich als unvereinbar mit den kopernikanischen Thesen zu kennzeichnen, wenn sie mit ihnen unvereinbar ist. Solche Rücksichtslosigkeit würde bald dazu führen, daß die Astronomie ihren Grundlagen erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet und damit erkennt, daß sie sich wohl in einem historischen Zirkel, nicht aber innerhalb der modernen Wissenschaft bewegt.
Außerdem darf die Öffentlichkeit, die sich in der Lage des Patienten befindet, wohl erwarten, daß nicht die Kollegialität, sondern die Wahrheit zur Richtschnur der astronomischen Aussage wird. Sie trägt praktisch den Schaden. Es ist nämlich auch für die breite Masse der Lebenden durchaus nicht belanglos, welche Darstellung vom Universum die Astronomie gibt. Wenn überhaupt eine Wechselbeziehung zwischen Mensch und Kosmos existiert, dann ist es von allergrößter praktischer Bedeutung, wenn diese Beziehungen und zuvor der Kosmos richtig erfaßt und beschrieben werden. Man kann beispielsweise keine Sonnenenergie in elektrische Energie umwandeln, solange die Sonne angeblich nur Licht und Wärme zur Erde sendet, und — eigentlich — keinen Radioapparat erfinden, solange die elektromagnetischen Wellen gradlinig in den Raum stoßen. Dabei spielen die technischen Möglichkeiten wahrscheinlich noch die bescheidenste Rolle. Die Masse unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse ist weitgehend vom astronomischen Weltbild abhängig. Das besagt aber nichts anderes, als daß die Masse unserer heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Grundsätzlichen falsch sein muß, weil sich diese Erkenntnisse auf ein falsches Weltbild bezogen, und daß ein neues, der kosmischen Wirklichkeit entsprechendes Weltbild zu andersartigen wissenschaftlichen Ergebnissen führen muß. Der Umsturz des astronomischen Weltbildes zeitigt zwangsläufig eine Revolution der Wissenschaften.

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