August Niemann: Aetherio : Eine Planetenfahrt

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August Niemann (1905)

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Einbanddeckel d. Erstausgabe
Einbanddeckel d. Neuausgabe
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August Niemann
Aetherio
Eine Planetenfahrt
Neuausgabe der 1909 erschienenen Erstausgabe im Neusatz
Broschüre, 171 Seiten, 6 Abbildungen, mit einem erläuternden Beitrag von Dr. Franz Rottensteiner
15,00 € — ISBN 978-3-940679-66-6

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Auszüge aus den Nachbemerkungen von Franz Rottensteiner:

Der produktive Autor August Niemann (1839-1919), der über vierzig Bücher schrieb, ist heute so gut wie vergessen, obwohl Das Geheimnis der Mumie (1886), ein noch immer lesbarer farbiger historischer Roman, 1994 in zwei Taschenbüchern bei Weltbild erschien, nachdem die letzte Buchausgabe bei Velhagen & Klasing 1954 verlegt wurde. Gegenwärtig wird die Novelle Frauenliebe als Taschenbuch und auf Kindle angeboten und Pieter Maritz, der Burensohn von Transvaal (1885), das Nessun Saprà als das Buch bezeichnet, mit dem Niemann vor allem bekannt wurde, als BoD.
     August Wilhelm Otto Niemann wurde am 27. 6. 1839 als Sohn des Oberstleutnants Heinrich Niemann in Hannover geboren und starb am 17. 9. 1919 in Dresden. Seine Familie war eng mit dem Militär verbunden, und er diente selbst von 1857 bis 1866 als Offizier. Nach seinem Ausscheiden war er von 1869 bis 1889 Redakteur im Verlagshaus Justus Perthes und arbeitete dort u. a. am ‚Gotha‘, dem Genealogischen Handbuch des Adels sowie dessen französischer Ausgabe, dem Almanach de Gotha. Außer erfolgreichen Jugenderzählungen und historischen Romanen, oft mit quasi-militärischen Bezügen, schrieb Niemann auch einige zur Phantastik zählende Werke, sowohl Science Fiction als auch solche mit esoterisch-mystischem Inhalt …
     … Gehört Der Weltkrieg zu einem populären Untergenre des Zukunftsromans, so ist Aetherio (1909) ein kurioses Produkt, eine flotte Space Opera, die vor allem durch die Dreistigkeit besticht, mit der sich der Autor über alle physikalischen Gesetze und astronomischen Kenntnisse hinwegsetzt, die er durch skurrile Phantasterei ersetzt.
     Der Roman beginnt mit einer Schilderung des Berliner Lebens in einer zeitlich nicht näher fixierten Zukunft. Eine Prinzessin Fantasia mit ungewöhnlichen Neigungen hat sich das Wohlwollen ihres kaiserlichen Oheims verscherzt, weil sie die Hand eines Großfürsten ausschlug und lieber mit ihren beiden Vertrauten, dem Leibarzt Dr. Pratico und dem Wissenschaftler Meditor, physikalische und chemische Experimente anstellt …
     … Der Autor entwickelt eine äußerst skurrile, denkwürdige Kosmologie, aber gerade diese märchenhafte Verschrobenheit, die zuweilen sogar an Paul Scheerbart denken lässt, wirkt heute ungemein reizvoll. Man kann das Buch neben F. W. Maders Wunderwelten (1911) stellen, das sich zwar stets auf die Wissenschaft beruft, aber im Grunde ebenso ein mit Wissenschaft verbrämtes Märchen ist, das die Wissenschaft nur als ein Mäntelchen benutzt, das ziemlich zerschlissen ist. Die Unverschämtheit des Autors Niemann bei der Darstellung seiner Absurditäten, vom Motiv für die Weltraumfahrt bis zu seiner privaten Kosmologie des Sonnensystems, ist wahrhaft überwältigend.
     Versöhnlich wirken auch einige sozialkritische Seitenhiebe auf irdische Zustände.

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