Nic(h)olas Camille Flammarion wurde am 26. Februar 1842 in Montigny-le-Roi im
französischen Department Haute Marne geboren.
Nach einer eher dürftigen
Schulausbildung, u. a. an einem theologischen Seminar, begann Flammarion, der sich schon
früh für die Astronomie interessierte, eine Ausbildung als Graveur, die er aber nicht
abschloss. In seiner Freizeit, in Abendkursen, bildete er sich fort und konnte 1858, im
Alter von 16 Jahren, Mitarbeiter in der Funktion eines Rechners am Pariser Observatorium
werden, einem Institut, das damals unter der Leitung des Astronomen und Mathematikers
Urbain Jean Joseph Le Verrier (18111877) stand, dessen Berechnungen 1846 zur
Entdeckung des Planeten Neptun geführt hatten. Diese Stellung verlor er, offenbar wegen
seines nicht spannungsfreien Verhältnisses zum Direktor, der wenig Verständnis für
nicht-mathematische Aktivitäten zeigte, nachdem er 1862, im Alter von 19 Jahren, im
Pariser Verlag Mallet-Bachelier auf eigene Kosten die kleine Schrift La pluralité des
mondes habités, eine Abhandlung über die Möglichkeit außerirdischen Lebens,
veröffentlicht hatte.
Nach einer Tätigkeit von 18621866 als Angestellter im
Bureau des Longitudes, einem astronomischen Recheninstitut (und parallel dazu)
gelang es dem noch immer relativ jungen Flammarion, sich als gefragter
populärwissenschaftlicher Schriftsteller zu etablieren. 1873 bot Le Verrier ihm die
Rückkehr ans Observatorium an. Flammarion machte hiervon Gebrauch und konnte nun unter
günstigeren Bedingungen arbeiten: Er befasste sich insbesondere mit der Beobachtung von
Doppelsternen. Als Ergebnis dieser Arbeit konnte er 1878 einen Katalog von etwa 10 000 Doppelsternen
präsentieren.
1882
wurde der inzwischen berühmte Astronom Vorsteher einer von Privatpersonen gegründeten
und unterstützten Sternwarte in Juvisy-sur-Orge bei Paris, wo er seitdem arbeitete und
bis zu seinem Lebensende auch wohnte. Hier widmete sich Flammarion der Beobachtung des
Mondes und des Planeten Mars. Er vertrat u. a. hinsichtlich des Mars die Hypothese, dessen
Farbe könne auf eine Vegetation zurückzuführen sein.
Im Lauf seines wissenschaftlichen
und schriftstellerischen Wirkens erhielt Flammarion mehrere bedeutende Anerkennungen und
Auszeichnungen: 1922 wurde er zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion ernannt, 1924
konnte er noch die Benennung eines Asteroiden (Flammario) nach seinem Namen
erleben. Nach seinem Tode am 3. Juni 1925 in Juvisy, der Hauptstätte seines Wirkens,
erhielten je ein Krater auf dem Mond (1935) und auf dem Mars (1973) den Namen
Flammarion.
Flammarion war nicht nur ein
erfolgreicher Wissenschaftler, sondern vor allem ein großartiger Kommunikator, der sich
in seinen zahlreichen Werken nicht nur an die Fachwelt, sondern in
populärwissenschaftlichen Schriften ganz bewusst an weite Kreise der Bevölkerung wandte
und u. a. im Rahmen meteorologischer Untersuchungen selbst an Ballonfahrten teilnahm. Seit
1865 war Flammarion wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Redaktion der Zeitschrift
Cosmos, dann des Magasin pittoresque und des Siècle. Durch seine äußerst fruchtbare
literarische Tätigkeit, durch die Gründung der Société astronomique de France (1877)
und durch die Herausgabe der Monatsschriften LAstronomie und Annuaire astronomique
et météorologique trug er viel zur Verbreitung des Interesses für astronomische
Studien, namentlich in Frankreich, bei.
Von den zahlreichen volkstümlichen Werken seien genannt: La
pluralité des mondes habités (1. Aufl. 1862, 34. Aufl. 1890, deutsch 1. Ausg. 1864,
erweit. autorisierte Neuausg. 1865, 2. Aufl. unter dem Titel Das bewohnte Welten-All,
1884), Les mondes imaginaires et les mondes réels (20. Aufl. 1887, deutsch 1902), Astronomie
populaire (1880, deutsch [Schweiz] o. J., wahrscheinlich 1907 oder 1908). Letzteres
Werk wurde in mehr als 100 000 Exemplaren allein in Frankreich verbreitet und war auch
international erfolgreich, in deutscher Sprache unter dem Titel Himmelskunde für das
Volk.
Außerdem
schrieb er, um auch auf diese Weise Interesse an seinen Ideen zu wecken, mehrere
belletristische Texte, darunter die Erzählungen und Romane Histoire duine
comète (1872), Lumen (1887), Uranie (1889), La fin du monde
(1894) und Stella (1897), die bis auf Stella auch in deutscher Sprache
erschienen sind.
Auch gegenüber dem Spiritismus,
einer Modeerscheinung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, hatte Flammarion keine
Berührungsängste, wie er überhaupt Zeit seines Lebens als sehr unkonventioneller
Gelehrter in Erscheinung trat.
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