Lazar von Hellenbach: Die Insel Mellonta

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Lazar von Hellenbach (1867)

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Einbanddeckel d. Neuausgabe
Titelseite d. 3. Aufl. 1896
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Lazar von Hellenbach:
Die Insel Mellonta
Neuausgabe des erstmals 1883 erschienenen Romans
Broschüre, 158 S., 4 Abb., mit einem erläuternden Nachwort von Dr. Ulrich Bach (Texas State University, USA)
15,00 € — ISBN 978-3-940679-69-7

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Über Lazar von Hellenbach

Lazar Freiherr von Hellenbach (1827–1887) war ein in Österreich einflussreicher philosophischer Schriftsteller, der auch geschichtliche, sozialpolitische und volkswirtschaftliche Fragen einbezog und am politischen Leben teilnahm. Nach seiner Schulzeit in Wien studierte er ab 1842 an der Universität Prag u. a. Rechtswissenschaften, Philosophie und Naturwissenschaften. Nach kurzer Militärdienstzeit in Ungarn und landwirtschaftlicher Tätigkeit auf seinem Heimatgut wurde er politisch tätig. Von 1860–1867 war er Abgeordneter im kroatischen Landtag. 1869 kehrte er nach Wien zurück.
     Hellenbach vertrat die Idee, Geburt und Tod seien nur ein „Wechsel der Anschauungsform“, in die sich der Mensch jeweils begibt. Der Mensch habe eine „Doppelnatur“: eine phänomenale, in den drei Raumdimensionen erscheinende und eine „transzendentale“, die sein eigentliches Wesen sei.
     Hellenbachs politische Schriften richteten sich vor allem gegen soziale und nationale Vorurteile. Er trat für einen „ver edelten Sozialismus“ ein, der vor allem auf der Anhäufung von „Kollektiveigentum“ beruhen sollte, das dem Staat von kinderlosen Erblassern zu überlassen wäre.

Inhalt

Vorrede zur zweiten Auflage
I. Die Wellen des stillen Oceans
II. Das Vermächtniß einer entschwundenen Generation
III. Die Fortschritte des XIX. Jahrhunderts
IV. Der erste Unterricht
V. Die Wanderung durch Mellonta
VI. Das Capitel der Betrachtungen
VII. Die Segelfahrt
VIII. Die Bacchantin
IX. Das tagende Mellonta
X. Die Philosophie im stillen Weltmeere
XI. Die Arbeit eine Lust
XII. Die Schwingungen der Liebe
XIII. Die Vestalin
XIV. Das Fatum Alexander
XV. Der Schleier der Maja
XVI. Der Abschied
Ulrich Bach: Lazar von Hellenbachs Insel Mellonta

Auszug aus dem Nachwort von Dr. Ulrich Bach

[…] im Jahre 1883 brachte der angesehene Wiener Verleger Carl Leopold Rosner von Hellenbachs Insel Mellonta auf den Markt, und bis zur vorläufig letzten Veröffentlichung 1926 kam es zu drei weiteren Editionen. Abgesehen von der Veröffentlichung der Insel Mellonta entdeckte Rosner mit Heinrich Laube den bekannten österreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber und arrangierte für den flanierenden Essayisten Daniel Spitzer die Veröffentlichung seiner berühmten Skizzen in der bekannten liberalen Zeitung Neue Freie Presse. Die Anzahl der Editionen und der Ruf des ersten Verlegers zeigen, dass von Hellenbachs Roman vom lesenden Publikum gut aufgenommen wurde. Die dritte Auflage des Buches pries der herausgebende Oswald-Mutze-Verlag gar als „Seitenstück zu Bellamy’s Rückblick auf das Jahr 2000.“ Bezeichnenderweise war Bellamys Looking Backward: 2000–1887 (1888) die erfolgreichste amerikanische Utopie des späten 19. Jahrhunderts. […]
     Dem Zeitbezug nicht entbunden sind Insel Mellontas Kolonialismus- und Nationalismus-Debatten, obwohl die Utopie von Inversion und Transgression des herrschenden Diskurses lebt. Von Hellenbach eignet sich die koloniale Rhetorik für seine Erzählung an, ohne über tatsächliche Reiseerlebnisse in die Südsee zu verfügen. Vielmehr verhalf ihm seine Erfahrung als in Wien lebender Aristokrat aus Kroatien dazu, sich mit der Situation des gesellschaftlichen Außenseiters zu identifizieren und sein spirituelles Lehrstück als Inseltraum zu inszenierten. Seine Vision der Inselgemeinschaft liefert daher keinen Beitrag zur konkreten Utopie, in der die unterdrückten werktätigen Massen der europäischen Metropolen sich selbst entdecken könnten, sondern sie repräsentiert lediglich gesellschaftliche Umstände, unter denen die sozialen Probleme „ihre Lösung durch die Initiative von oben“ gefunden haben. Die manifesten sozialen Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit, lassen von Hellenbach eher auf eine Rückkehr zu einer vorindustriellen brüderlichen Gemeinschaft hoffen. Dennoch erfüllt das konservative Weltbild von Hellenbachs die Funktion eines „vanishing mediator“ (verschwindenden Vermittlers), der zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen Übergänge schafft, und deren besondere Wirksamkeit verschwindet, sobald sich neue soziale Realitäten entwickelt haben.

Copyright © 2012 by Dr. Ulrich Bach, Texas State University, USA

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